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AWD-Kunden bekommen Geld zurück

Gerichtsurteile in Deutschland und Österreich bescheinigen dem Finanzdienstleister AWD Fehlberatung. Jetzt drohen dem Konzern Rückzahlungen in Millionenhöhe.

Von Peter Neitzsch

Zwei Gerichtsurteile könnten für den Finanzdienstleister AWD teuer werden. Wegen des Vorwurfs, hochriskante Papiere als vermeintlich sichere Sparanlage verkauft zu haben, steht der AWD schon länger in der Kritik. Jetzt könnten auf den Konzern, der von dem schillernden Unternehmer Carsten Maschmeyer gegründet wurde, nach Informationen des ARD-Magazins Panorama und NDR Info Rückforderungen in Millionenhöhe zukommen.

Das Landgericht Braunschweig und das Oberlandesgericht Naumburg haben AWD-Kunden Schadenersatz zugesprochen. Wie Tausende andere Kunden auch hatten die Kläger auf AWD-Anraten ihr Gespartes in die Medien- und Filmfonds IMF 2 und IMF 3 investiert und hohe Verluste erlitten.

Im Fall des Medienfonds IMF 2 sei das Risiko eines Totalverlusts bereits im Prospekt verharmlost worden, befanden die Naumburger Richter. AWD muss dem Anleger die eingezahlte Summe von 14.000 Euro erstatten, entschied das Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision hat das Gericht aber nicht zugelassen.

Im Fall des IMF 3 urteilte das Landgericht Braunschweig, in der AWD-Beratung seien die beiden Kläger auf die Risiken nicht ausreichend hingewiesen worden. Den Kunden wurde mit 15.000 Euro einschließlich Zinsen ein Großteil des angelegten Geldes zugesprochen. Eine Revision ist in diesem Fall zulässig.

Die Gerichtsentscheidungen lassen Tausende weitere AWD-Kunden hoffen, deren Verfahren noch anhängig sind. "Diese Urteile könnten eine Kehrtwende für Anleger bedeuten", sagte die Bremer Rechtsanwältin Petra Brockmann, die die Kläger vertreten hatte, der ARD. Insgesamt würden sich die Forderungen auf mehrere Millionen Euro belaufen. Der AWD will die Urteile anfechten: "Wir werden Rechtsmittel einlegen und prüfen, ob wir in höhere Instanzen gehen", sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag. Die Risikohinweise seien eindeutig und ausreichend gewesen.

Sammelklagen über 40 Millionen Euro in Österreich

In einem ähnlichen Fall entschied jetzt auch in Österreich ein Gericht zugunsten geprellter AWD-Kunden. Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) führt - im Auftrag des Konsumentenschutzministeriums - neben fünf Sammelklagen für rund 2500 Geschädigte (Streitwert 40 Millionen Euro) auch zahlreiche weitere Musterprozesse gegen AWD. Der Vorwurf: Der AWD habe einfache Sparbuchsparer beim Erwerb von Immofinanz- und Immoeast-Aktien systematisch falsch beraten.

Das Oberlandesgericht Wien bestätigte ein Urteil der Vorinstanz, wonach eine AWD-Kundin "grob sorgfaltswidrig" falsch beraten wurde. 2005 und 2006 erwarb die Kundin, die bis dahin nur Erfahrungen mit Bausparverträgen und Sparbüchern hatte, auf Empfehlung eines AWD-Beraters Immobilienaktien. Der Berater verkaufte die Wertpapiere mit den Worten, er habe "etwas", das "das gleiche wie Bausparen" sei nur mit "besseren Zinsen als auf der Bank". Über Kursschwankungen bei Aktien und das Risiko eines Totalverlustes informierte der AWD-Mann nicht.

"Dieser Prozessverlauf ist geradezu typisch", sagt VKI-Bereichsleiter Peter Kolba. "Zuerst präsentiert sich der AWD den Kunden als 'unabhängiger Finanzoptimierer', der alles in die Hand nimmt. Kommt es zu Verlusten, tritt der AWD die Flucht aus der Verantwortung an." Der Argumentation des AWD, die Kundin treffe ein Mitverschulden, folgten die Wiener Richter nicht; sie sprachen der Klägerin rund 36.000 Euro Schadenersatz zu.

Von Peter Neitzsch
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