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14. Oktober 2008, 10:34 Uhr

Das Schlimmste kommt noch

Gewinneinbrüche, Pleiten, Entlassungen: Die Finanzkrise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht. Auch wenn die Finanzmärkte nach staatlichen Rettungsmaßnahmen langsam wieder Vertrauen fassen, sind die Aussichten dennoch düster. Ein schnelles Ende der Abwärtsspirale ist nicht in Sicht. Eine Analyse von Sebastian Dullien

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Ein Containerschiff im Hamburger Hafen. Deutschlands Exporte drohen wegzubrechen© Sean Gallup/Getty Images

Spätestens mit dem neuen Hilfspaket der Bundesregierung für den Bankensektor ist klar: Die Finanzkrise wird auch den deutschen Durchschnittsbürger treffen. All jene Milliarden, die nun zur Rettung der Banken ausgegeben werden, können nicht mehr für Steuersenkungen, bessere Straßen oder bessere Schulen und Hochschulen ausgegeben werden.

Doch damit nicht genug: Auch die Konjunkturaussichten für Deutschland haben sich mit der Finanzkrise rapide verschlechtert. Die wirtschaftlichen Durchhalteparolen, die Finanzminister Peer Steinbrück noch bis in den September verbreitete, sind nun klar obsolet. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass Deutschland in die Rezession rutschen wird oder die Wirtschaft schon bereits in der Rezession steckt. Der Internationale Währungsfonds geht nun mit einer Stagnation für das Gesamtjahr 2009 aus, einzelne Großbanken rechnen gar mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr. Auch die Bundesregierung hat angekündigt, ihre Prognose für das Jahr 2009 "in Richtung 0 Prozent" zu korrigieren. Konkret heißt das: Die Arbeitslosigkeit wird wieder steigen, die Steuereinnahmen schwächeln, das Staatsdefizit wieder steigen und die Lohnentwicklung eher mager ausfallen.

Deutschland droht eine Rezession

Die von Finanzminister Steinbrück lange geäußerte Einschätzung, dass Deutschland besonders gut für die Krise aufgestellt sei, weil durch die Agenda-2010-Reformen die Arbeitsmärkte flexibler geworden seien und Deutschland selbst keinen Immobilienboom erlebt hat, hat sich als Illusion herausgestellt. Wie sich bereits in den Stimmungsumfragen unter Unternehmern, aber auch in den Auftragseingängen zeigt, war Deutschlands Aufschwung zwar nicht direkt von einer Immobilienblase getrieben wie in den USA, Großbritannien oder Spanien, hing aber indirekt von diesen Blasen ab: Deutschlands Wachstum der vergangenen Jahre kam praktisch einzig vom Export und den Investitionen, die der Exportboom ausgelöst hat. Schon seit dem vergangenen Sommer zeichnet sich ein Abschwung der deutschen Wirtschaft ab: Weil der Euro bis in den Sommer 2008 rapide aufgewertet hatte, hatten die deutschen Exporteure bereits kräftig an Wettbewerbsfähigkeit verloren, der Aufwärtstrend war durchbrochen. Auch die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank bis in den Juli hatten das Wachstum belastet.

Die jüngste Zuspitzung der Finanzkrise trifft damit Deutschland in einem empfindlichen Moment. Nun droht der Export als Wachstumsmotor vollends wegzubrechen, ohne dass Deutschlands Binnenwirtschaft selbst Wachstum erzeugen könnte. Die Finanzkrise droht aus Deutschlands kontrollierbarem Abschwung eine heftige Rezession zu machen. Dabei dürften in den kommenden Monaten vor allem all jene Branchen besonders von der Krise getroffen werden, die in den vergangenen Jahren Deutschlands Aufschwung getragen haben: Autobauer, aber auch Maschinen- und Anlagenbauer sowie die Chemieindustrie.

Unternehmen wie Opel haben Produktionsunterbrechungen angekündigt

Die Autobauer spüren bereits die Absatzschwäche in den USA: Weil es für die Amerikaner immer schwieriger wird, einen Kredit für den Kauf eines Autos zu bekommen, sind die Verkaufszahlen regelrecht eingebrochen. Um mehr als 20 Prozent gingen die Vorkaufszahlen in den vergangenen zwölf Monaten zurück, zuletzt wurden in den USA so wenig Autos verkauft wie zuletzt in der Wirtschaftsflaute Anfang der 1990er Jahre. Schon haben Unternehmen wie Opel Produktionsunterbrechungen angekündigt. Die Lage in dieser Branche dürfte sich über die kommenden Monate weiter verschärfen.

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KOMMENTARE (10 von 38)
 
h-p-t (15.10.2008, 12:59 Uhr)
@Nostradamus
also besser kanns keiner erklären :D
Frei_Talk (15.10.2008, 08:41 Uhr)
Nostradamus
Na endlich..Danke für den sehr, im wesentlichen, gelungenen Erklärungsversuch....:-)
brunobaer (15.10.2008, 08:08 Uhr)
es ist das System- der kleine Unterschied--
Als Bruno, der Bär ein paar Schafe gerissen hat, wurde er vom ÄÄhh zum Schadbären gestempelt und PIFF PAFF PUFF abgeschossen.
Den Profit- Zecken, denen wegen unersättlicher Geldgier jetzt schwindlig geworden ist, wird das Volksvermögen in spe nachgetragen und per Gesetz in den Fettarsch geschoben.
Und schon die Ankündigung hat ausgereicht, um die Gewinnmitnahmen wieder fröhliche Urständ feiern zu lassen.
Der globale Tanz ums goldene Kalb kann also ungestraft und profitabel weitergehen.
Jetzt werden wieder ein paar Zuckerln verteilt, die aber alle nicht die Rentner betreffen, die versteckten Rentenkürzungen beginnen ja bereits bei der höheren LKW- Maut -denn- wo holen die das wieder?? Über den Preis-- wo sonst--.
Und die und ähnlich Unbedarfte merken das nicht und wählen brav die Umverteiler.
Das läßt, wenn man die Balken vor den Augen beiseite schiebt, nur den Schluß zu, daß das System Scheiße ist.
whismerh2 (14.10.2008, 14:29 Uhr)
@knilch_59
Keinen Ahnung warum Sie vehement
und sehr ausführlich mir beibringen wollen, das wir alle an diesem System und der monentanen Situation
schuld sind bzw. nicht weniger wie einer von diesen Bämkern, so verstehe ich das auf jeden Fall.
Fakt ist doch ganz klar ob Rettung oder nicht, sollte sie hinhauen, wieder eine Umverteílung von unten nach oben praktiziert wird oder wollen Sie das einfach nicht sehen.
Das Beispiel Island zeigt doch ganz klar, das trotz Unterstützung und Verstaatlichung, das nicht unebedingt hinhauen muss und keiner weiß wie sich das heier entwickweln wird oder aber eben ohnen Finanzhilfe oder Zusage entwickelt hätte.Wenn Sie es genau wissen, bitte um Info der Lottozahlen, dann würden Sie nämlich über Hellseherigkeiten verfügen, das ist aber der Kanzelerin vorbehalten.
Und wie ich schon mal erwähnte, Haupsache Sie sind nicht Unwissend, und gegen Sie sind wir nur arme Leuchten.
Skillet4 (14.10.2008, 14:19 Uhr)
Kernfäule a.k.a. GIER OHNE GRENZEN
bewirkt Verrottung von innen. Die Symptome sind eindeutig: Politakteure, die nicht mehr in der Lage zu sein scheinen, gesamtverantwortlich zu handeln. Massen- und Langzeitarbeitslosigkeit. Etablierung von gesellschaftlichen Klassen. Blödzeitung, Volksverhetzung, Äpfel mit Birnen vergleichen und der Ruf nach Vogelgrippe. Jeder gegen jeden. Gott für uns alle. Und vor allem: ANGST und das Gefühl des AUSGELIEFERTSEINS, die HOFFNUNGSLOSIGKEIT…Zum Speien ist das!
Das alles passt irgendwie mit Glückseligkeit nicht zusammen. Es ist ein Spiel. Ein Spiel auf Risiko. Ein Spiel der Raffkes dieser Welt mit dem grossen Rest, den es gegeneinander aufzuwiegeln gilt, damit Raffkes weiterhin ungestört ihr übles Spiel weitertreiben können.
Nostradamus (14.10.2008, 14:17 Uhr)
@Frei_Talk: Wo ist das Problem
Also die Sache mit den Hypotheken hast Du schonmal ganz gut verstanden. Das Problen was sich daraus ergab war ein Vertrauensproblem der Banken untereinander.
Der Banker Friendly der Bank von Smallville hat dem Farmer John Doe eine Hypothek gewährt. Der ist davon in Urlaub gefahren. Die Bank von Smallville hatte aber gar nicht so viel Bares und hat die Hypothek an die Bank von Largeville verkauft und den Kunden als Solvent angepriesen. Die Bank von Largeville hat viele Hypotheken vieler Smallvilles gebundelt und an die Bank von Germanistan verhökert, die schon immer alles was aus den USA kam grandios fand. Big Mac, Big Money, endlich mal mit den großen Jungs spielen dürfen hat sich da der Oberbanker Kleinhuber gedacht und zugelangt.
Tja und dann stellte sich heraus, dass der Kleinhuber ein Oberhuber war der sich Mist hat andrehen lassen, als Sicherheit. Kleinhuber hat Kredit auf wertlosen Kram gegeben und nun kriegt Kleinhuber die Kohle nicht zurück.
Nun schmollten all die Kleinhubers dieser Welt und sagten: Mit Dir spiel ich nicht mehr.
Da kam die Tante Merkeltnix ins Spiel und sagte. Alles wird gut. Tante Merkeltnix nimmt euch den ganzen bösen Tand ab damit ihr weiterspielen könnt. Tante Merkeltnix weiss kennt da den Blödelmichel, der kauft alles und wenn er nicht will, dann muss er eben.
Und siehe da der Kleinhuber strahlt (beinahe wieder) aber die Tante Merkeltnix will ihm durch die Hinterhand die Schulden gleich verdoppeln. Erst hat der Kleinhuber 35 Mrd. über die Wupper gescheucht für die er mal einen Mann stehen muß und dann kommt die Tante Merkeltnix und will ihm weitere 30 Mrd. Schulden vermachen, weil die Tante Merkeltnix, schlau wie sie ist, 35% von den 500 Mrd. auf die Länder verteilen will.
Da sagt der Kleinhuber: Nö Tante Merkeltnix. Da spiel ich nicht mit.
Und so wird aus der tollen Spielplanänderung der Tante Merkeltnix, die eigentlich den Wagner geben wollte ein Fiasko.
Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann versuchen Sie noch heute aus Luft Geld zu machen. Einfach mal die Druckpresse anschmeißen und die Leute auszahlen. Ich würde weltweit die Zinssätze einfrieren, dann eine kleine Inflation starten und danach eine Währungsrefom machen. Wir führen dann in Deutschland wieder die D-Mark ein und den Teuro verschenken wir an die Chinesen. Super dupa. So machen das Wirtschaftsgenies!
Kiezzabel (14.10.2008, 12:38 Uhr)
@knilch
"Fast jeder von uns hat Ersparnisse in vielfältiger Art ... "
Das stimmt ab einem bestimmten Niveau, aber gar nicht mal so viele sind Privatanleger ..
Nostradamus (14.10.2008, 12:38 Uhr)
Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende
Warum sollte man ein Interesse haben dieses System aufrecht zu erhalten?
Da die Bürger nicht von dem System profitieren sondern nur Nachteile haben werden sie es bekämpfen. Die Umverteilung von unten nach oben ist eindeutig.
Es glaubt doch niemand von den Profiteuren der aktuellen Situation und der vergangenen Jahre, dass die Nummer auf dem Rücken der Bürger weiter fortgesetzt werden kann? Veramerikansierung bedeutet auch Verarmung.
Hier wird mit unser aller Leben und der Zukunft unserer Kinder gespielt und nur eine Minderheit, nichtmal 10% der Bevölkerung profitieren wirklich davon.
Wir alle schuften immer mehr für immer weniger, während die, die gar nicht wissen wie Arbeit überhaupt aussieht oder gar Verantwortung für eine Familie gewissen- und skrupellos alles verheizen.
Es gibt verschiedene Arten von Revolution. Das ist eine ganz neue, höchst interessante Variante.
Im Übrigen: Diese Revolution beginnt mit dem Sturm auf die Börsen und nicht der Bastille.
endbenutzer (14.10.2008, 12:36 Uhr)
@knilch_59:
Ist das jetzt aus dem Buch von Friedrich Merz abkopiert oder bist du es am Ende selbst? Es ist immer einfach auf die "Raffgier" des Kleinsparers hinzuweisen und dabei die echten Raffzähne zu vergessen. ..
knilch_59 (14.10.2008, 12:15 Uhr)
Schlimm – Wahlrecht aberkennen!
Mir graust bei dem Gedanken, dass soviel Unwissenheit sich anmaßt, bei der politischen Willensbildung in unserem Land mitwirken zu wollen – und sei es nur bei Wahlen. Demokratie muss man sich auch verdienen, indem man sich selbst in den Stand versetzt, zu verstehen, um was es eigentlich geht. Und dann kann es auch nicht mehr passieren, dass sich jeder, der zwei Zahlen addieren kann, selbst zum Finanzexperten erklärt.
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Bitte nicht den Fehler machen, der Politik oder den Wirtschaftsbossen zuviel Einfluss auf das gesamte System zuzutrauen. Es sind nur Kapitäne, die versuchen das Schiff durchs Meer zu steuern, aber auf das Meer haben sie kaum Einfluss!
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Hier wird so getan, als ob die Bankenkrise ein Problem der Superreichen dieser Welt ist – Schwachsinn! Fast jeder von uns hat Ersparnisse in vielfältiger Art und möchte dafür gerne Zinsen oder Dividenden – je mehr, desto besser. Diese Zinsen oder Dividenden gibt es aber nur, wenn ein anderer gerade zu wenig Kapital hat, um sein Ding durchzuziehen. In den vergangenen Jahren gab es in .de nur wenige, die Kredite für Investitionen nachgefragt hätten. Geld in den Mengen, in denen wir es anlegen wollten, hat nur der Staatshaushalt oder das Ausland, sprich die USA gesucht. Hätte es die internationalen Verflechtungen nicht gegeben, hätten wir noch viel weniger Zinsen erhalten. Uns wäre es schlechter gegangen. Und nebenbei lebt eine ganze Reihe von Leuten gut davon, die Kapitalströme zu organisieren.
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Uns ist es dabei doch auch prima gegangen: Wir haben Löhne, Gehälter, Beamtenbezüge, Renten, Zinsen und werweißwas bekommen und nicht schlecht davon gelebt. Selbst unser Hartz-IV-Niveau ist noch höher als der Lebensstandard von Normalbürgern in drei Vierteln der Welt.
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Dabei ist ein großer Teil unseres Wohlstands nur „Kredit“ im Sinne von Vertrauen in die Zukunft. Wir legen Geld auf die hohe Kante, im Vertrauen darauf, es später noch mehr zurückzubekommen, damit wir uns dann noch etwas leisten können – was auch immer! Wir glauben daran, dass Geld auch noch in Zukunft etwas gilt – wieso eigentlich? Wirklich etwas „wert“ sind nur konkrete Vorräte und vielleicht die selbstgenutzte Immobilie, alles andere ist nur soviel „wert“, wie uns ein potentieller Käufer an dem Tag, an dem wir es haben wollen, dafür geben möchte.
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Jetzt ist ein Teil des Geldes, das wir (!) angelegt haben, nichts mehr wert. Hieraus könnte eine Riesen-Vertrauenskrise entstehen, die das vielfach verzahnte Räderwerk der Wirtschaft auf Jahre hinaus lähmen könnte. Weil-Geld-nix-mehr-wert-ist-wir-kaufen-nix – so nimmt das Drama seinen Lauf.
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