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Japan senkt Leitzinsen - Börsen schwächeln

Die japanische Zentralbank hat den Leitzins auf 0,3 Prozent gesenkt. Mit diesem Schritt, der ersten Leitzinssenkung seit knapp acht Jahren, soll einer schweren Rezession vorgebeugt werden. Trotz des historischen Schrittes gerieten die Kurse an den Börsen in Asien unter Druck. Der Dax startete mit Verlusten.

Die japanische Zentralbank hat am Freitag den Leitzins von 0,5 Prozent auf 0,3 Prozent gesenkt. Das entschied die Bank von Japan bei einer eintägigen Ratssitzung.

Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa gab dabei die ausschlaggebende Stimme ab, da vier Ratsmitglieder gegen eine Zinssenkung und die übrigen vier für einen solchen Schritt waren. Es ist das erste Mal seit sieben Jahren und sieben Monaten, dass die Bank von Japan (BoJ) die Zinsen senkte.

Yen soll gestützt werden

Mit diesem Schritt soll die Wirtschaft angesichts der Gefahr einer tiefen Rezession in Folge der globalen Finanzkrise gestützt werden. Im Zuge der Finanzkrise war der Außenwert des japanischen Yen zuletzt rasant zu anderen wichtigen Währungen wie dem Dollar und Euro gestiegen, was die Börsenkurse stürzen ließ und die Bilanzen der von den Exporten stark abhängigen japanischen Unternehmen stark belastet.

Trotz der Zinssenkung und eines Konjunkturpakets in Japan erlitten die meisten Börsen in Asien am Freitag Verluste. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem die Märkte in den letzten drei Tagen deutlich zugelegt hatten. Außerdem verstärkten schlechte US-Konjunkturdaten die Sorgen um einen weltweiten Konjunkturabschwung. Der gefallene Ölpreis belastete Energietitel. Besonders im Blickpunkt standen nach einer Reihe schwacher Quartalszahlen die Papiere von Autoherstellern.

Auch der deutsche Aktienmarkt startete am Freitag mehrheitlich mit Verlusten. Der DAX fiel um 0,96 Prozent auf 4823 Punkte. Der MDAX verlor 1,33 Prozent auf 5336 Zähler. Der TecDAX stieg hingegen um 0,43 Prozent auf 512,50 Punkte ab. Händler verwiesen insbesondere auf das Minus von fünf Prozent beim japanischen Leitindex Nikkei 225 als Belastung für den DAX.

Nikkei: Historischer Monatsverlust

In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fünf Prozent auf 8576 Punkte nach. Damit verlor der japanische Leitindex im Oktober 24 Prozent - der höchste Verlust in der Geschichte des Nikkei. Der breiter gefasste Topix-Index schloss zum Wochenende 3,6 Prozent im Minus bei 867 Zählern. Die Börsen in Hongkong und Shanghai notierten ebenfalls schwächer. Die Aktienmärkte in Südkorea, Taiwan und Singapur lagen dagegen über dem Vortagesniveau.

Zinssenkung schon eingepreist

Händler hatten mit Spannung auf die Auswirkung der Leitzinssenkung der japanischen Notenbank gewartet, die allerdings nicht unerwartet kam. Deshalb gab es nach der Bekanntgabe zunächst keine großen Kursbewegungen. "Der Markt hatte die Zinssenkung der BoJ bereits voll eingepreist", sagte Yoshinori Nagano von Daiwa Asset Management. Da einige Händler aber auf eine etwas deutlichere Senkung auf 0,25 Prozent gesetzt hatten, kam es zum Handelsende zu einer Verkaufswelle.

DPA/DPA

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