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Wiesenhof steckte selbst hinter umstrittener Leiharbeit

Fleischkonzerne beteuern, nichts für die Bedingungen von Leiharbeitern zu können. Laut stern zeigt sich nun: Wiesenhof steckte indirekt lange selbst hinter der Vermittlung von Fremdarbeitern.

  Arbeiten im Schlachthof: Wiesenhof war indirekt wohl jahrelang an Anwerbung und Unterbringung von Leiharbeitern beteiligt.

Arbeiten im Schlachthof: Wiesenhof war indirekt wohl jahrelang an Anwerbung und Unterbringung von Leiharbeitern beteiligt.

Die PHW-Gruppe, mit der Marke Wiesenhof Deutschlands größter Geflügelproduzent, wirkte jahrelang verdeckt bei der umstrittenen Vermittlung von osteuropäischen Arbeitern in der hiesigen Fleischindustrie mit. Nach Informationen des stern beherrschte Wiesenhof über ein Firmengeflecht die ganze Kette von der Anwerbung der Fremdarbeiter bis hin zur Vermietung von Wohnräumen.

Die Vermittlung der Arbeiter geschah über die Firma Drob-Pack aus Stettin. Drop-Pack tritt in Deutschland als Subunternehmer in der Fleischbranche auf. Die Firma wurde 2004 gegründet und gehörte laut Unternehmensregister bis 2011 dem Schlacht- und Wurstwarenbetrieb Drobimex, einem Unternehmen aus dem Konzernreich Wiesenhof. Am 28. September 2011 übernahm die bisherige Geschäftsführerin die Gesellschaftsanteile an Drob-Pack. Wiesenhof gibt auf Anfrage an: "Seit 2011 ist die Firma Drobimex nicht mehr an Drob-Pack beteiligt."

Beteiligung an Unterbringung der Arbeiter

Auch an der Unterbringung der Arbeiter in Deutschland war Wiesenhof offenbar beteiligt – indirekt über das Firmengeflecht eines Strohmanns. Im Mittelpunkt steht hierbei der Vechtaer Kaufmann Frank D. Früher war D. in leitender Position bei Wiesenhof beschäftigt. Im Jahr 2000 übernahm er - zumindest auf dem Papier - alle Gesellschaftsanteile an der Firma ZVS GmbH. Der Unternehmenszweck: Arbeitnehmer-Überlassung und Wachdienste. Zu der ZVS gehörte zudem die MO-Immo, die Unterkünfte an Werkarbeiter in der Nähe der Schlachthöfe vermittelt.

Die notarielle Übernahme-Urkunde vom 10. Oktober 2000 zeigt: Frank D. wurde bei Vertragsunterzeichnung von einer Wiesenhof-Prokuristin vertreten; er selbst war nicht anwesend. Und auch Geld floss damals keines: "Ein Kaufpreis ist nicht zu zahlen", heißt es in der Urkunde, "da der Geschäftsanteil treuhänderisch gehalten wird".

Wiesenhof bestätigt "Treuhandverhältnis"

Heute gibt es die ZVS in dieser Form nicht mehr; die neue Firma heißt jetzt Pro Work. Gegen Frank D. ermittelt nach stern-Informationen die Staatsanwaltschaft wegen des Verstoßes gegen das Schwarzarbeiterbekämpfungsgesetzt. Wiesenhof bestätigt auf stern-Anfrage nun erstmals, dass ein "Treuhandverhältnis" existierte, dieses sei aber aufgelöst: "Es gibt kein Treuhandverhältnis mehr zwischen Herrn D. als Gesellschafter der Pro Work (ZVS) und der PHW-Gruppe."

Tausende Billigkräfte aus Osteuropa arbeiten seit Jahren in der deutschen Fleischindustrie. Angestellt werden sie nicht in den Schlachthöfen direkt, sondern zu niedrigeren Löhnen bei Subunternehmen im Ausland. Diese Firmen verschicken ihre Belegschaft dann über Werkverträge ins Oldenburger Land oder nach Nordrhein-Westfalen. Die schlechten Bedingungen hatten zuletzt für scharfe Kritik von Kirche, Gewerkschaften und Politik gesorgt.

Johannes Röhrig/print
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