Hamburg schickt ein Privileg in Rente

29. Dezember 2012, 17:48 Uhr

Früher ein kostbares Privileg, heute eher ein Hemmschuh für die Wirtschaft: der Freihafen. Zum Jahreswechsel fällt in Hamburg eine Ära der modernen Technik zum Opfer. Nicht nur den Zoll freut es.

Hamburg, Freihafen, Zollgrenze, Aufhebung, Zollkontrollen

Die Zollkontrollen an der Hamburger Freihafengrenze gehören ab 2013 der Vergangenheit an©

Am 1. Januar verliert Hamburg seinen Freihafen - und ist darüber erleichtert. "Ein veraltetes Zollregime, das wie der Freihafen auf Schlagbäume angewiesen ist, kann die wachsenden Warenbewegungen nicht abwickeln", sagt Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos). "Für den Verkehrsfluss im Hafen verspreche ich mir einen großen Gewinn." Der Hafen soll schneller und effektiver werden.

Mehr als 1600 Hektar, fast ein Viertel des riesigen Hamburger Hafengebietes, waren bislang zollrechtlich Ausland. Die Unternehmen im Freihafen mussten auf eingeführte Güter keine Steuern und Zölle bezahlen. Sie konnten die Waren lagern, bearbeiten und wieder ausführen. Das war im 19. Jahrhundert ein kostbares Privileg, das sich die Hamburger hart erkämpften, als Ausgleich für die Eingliederung ins deutsche Zollgebiet.

Ein Stadtteil musste Lagerhäusern weichen

Ab den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts entstand die Speicherstadt als damals modernster Lagerhauskomplex der Welt. Ein ganzer Stadtteil wurde dafür geopfert, mehr als 18.000 Menschen mussten umziehen. In den Speichern lagerten Gewürze, Tee, Kaffee, Teppiche und anderen Kolonialwaren. Heute ist die Speicherstadt Anziehungspunkt für Touristen. Ein Teil der Speicher wird immer noch zur Lagerung von Waren genutzt, andere beherbergen Museen, Büros oder Ateliers. Schon seit zehn Jahren gibt es keine Zollkontrollen mehr an den Brücken zur Innenstadt; die Speicherstadt wurde für den Bau der Hafen-City aus dem Freihafen herausgenommen. Mit dem Wegfall des Freihafens wird Hamburg endgültig zollrechtlich wiedervereinigt. Der Zollzaun ist schon weitgehend abgebaut.

Bislang mussten immer noch 500 Zollbeamte an neun Zollstationen bei jeder Ladung und jedem Container überprüfen, ob die Ware ordnungsgemäß deklariert ist. Das verursachte einen enormen Aufwand an zusätzlichen Lkw-Fahrten, Staus und Verzögerungen. Künftig geht das alles viel moderner. Die Zollkontrolle wird nun verlagert auf die Containerterminals und automatisiert. Die Containerbrücken sind direkt mit dem Zoll verbunden. Vereinfacht gesagt: Wenn ein Container von einem Schiff gehoben wird, geht eine Meldung an den Zoll. Innerhalb einer Minute bekommt der Importeur einen Steuerbescheid und kann die Ware in die EU einführen. Die HHLA, der größte Hamburger Hafenkonzern, hat mehrere Millionen Euro investiert, um sich auf die neue Zollabfertigung vorzubereiten.

Keine Sorge um Schmuggler

Auch nach dem Ende des Freihafens wird es in Hamburg Zolllager geben, in denen Waren lagern, die nicht in die EU eingeführt werden. Sie müssen aber nicht mehr getrennt sein von Importgütern. Rund 120 Firmen im bisherigen Freihafen lagern Güter, führen sie ein und aus oder verarbeiten sie. Die Firmen hatten zwei Jahre Zeit sich auf die neuen Anforderungen einzustellen.

Um Schmuggler machen sich Zoll und Wirtschaft keine zusätzlichen Sorgen. "Es ist eine Illusion, anzunehmen, dass ein Zollzaun mit kontrollierten Grenzübergängen eine erhöhte Sicherheit zur Vermeidung betrügerischer Aktivitäten darstellt", heißt es bei der Wirtschaftsbehörde. "Heute gelangt kein Container mehr unregistriert in einen europäischen Hafen." Die Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen würden jedoch künftig die redlichen Teilnehmer am Wirtschaftsverkehr viel weniger stören.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
EU Freihafen Hamburg Rente Speicherstadt Zoll
Wirtschaft
Ratgeber
Ratgeber Geldanlage: Legen Sie Ihr Geld richtig an Ratgeber Geldanlage Legen Sie Ihr Geld richtig an
Ratgeber Altersvorsorge: So sorgen Sie fürs Alter vor Ratgeber Altersvorsorge Den Ruhestand sorgenfrei genießen
Tools und Vergleichsrechner
Krankenkassen-Vergleich Krankenkassen-Vergleich Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie! mehr... >
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast 109605: darf man mit dem Fahrrad auf dem Gehweg fahren in die entgegengesetzte Richtung?

 

  von Gast 109590: Wo kann man einen "US" SLS AMG zur TÜV Annahme umrüsten lassen ?

 

  von Gast 109567: Um meinen Ausbildungsplatz zu erreichen, benötige ich ein Auto. Ich bin Waise, 18 Jahre alt , ohne...

 

  von Gast 109555: Kann ich bei Open Office die Schriftgröße größer als 96 einstellen?

 

  von Amos: Rauchmelder: müssen die Dinger rot blinken? Wenn nicht: was tue ich dann?

 

  von Gast 109530: Höhe des Krankenkassenbeitrags (gesetzliche KK) wenn man vom eigenen Erspartem lebt?

 

  von matty: Gewohnheitsrecht...

 

  von Gast 109510: niederschlagsmenge

 

  von Gast 109508: Kann man einen Mietvertrag machen, in dem keine Miete verlangt wird, aber nur die Nebenkosten...

 

  von Gast 109494: Wie viel Geld darf der 86 Jahre alte Vater seiner Tochter schenken ohne das das Sozialamt es zurück...

 

  von Gast 109484: Welchen Leptop sollte ich kaufen

 

  von Amos: Scheinbar - anscheinend. Wer erklärt mir den Unterschied?

 

  von bh_roth: Spam oder nicht?

 

  von Gast 109426: Zählt ein Anzug als Berufsbekleidung?

 

  von Gast 109325: suche den sänger oder gruppe der musik von der zdfserie broadchurch

 

  von Gast 109295: Assistenzsysteme im Auto, Reparaturen und Kosten in 10 Jahren?

 

  von Gast 109285: Musiktitel Sendung 13.05.2015

 

  von Gast 109220: Kündigung Handballverein

 

  von Gast 109211: Kann Samstagsarbeit einfach eingeführt werden bzw. an Sonn - und Feiertagen?

 

  von Gast 109202: Unterhaltskosten im Trennungsjahr