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Mehdorn wird neuer Chef von Air Berlin

Paukenschlag bei Air Berlin: Ex-Bahn-Chef Harmut Mehdorn löst Joachim Hunold als Vorstand der kriselnden Airline ab. Nun folgen drastische Einsparungen beim Streckennetz.

  Soll der Air Berlin wieder nach oben bringen: Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn

Soll der Air Berlin wieder nach oben bringen: Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn

Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold wirft hin. Der 61-Jährige teilte am Donnerstag mit, er wolle zum 1. September als Vorstandschef der Fluggesellschaft zurücktreten. Sein Nachfolger solle auf Hunolds Vorschlag vorübergehend der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn werden, erklärte das Unternehmen. Mehdorn gehört bereits dem Board of Directors von Air Berlin an, ohne bisher operative Aufgaben zu haben. Auf eine solche Rolle will sich Hunold nun zurückziehen.

Das Unternehmen geht nach jahrelanger Expansion und hohen Verlusten auf Schrumpfkurs. "Um profitabel zu werden, müssen wir Einschnitte in unser Streckennetz und in unserer Flotte vornehmen", sagte Hunold. Unrentable Verbindungen wie die von Frankfurt nach Hamburg oder Stuttgart-St. Petersburg sollen wegfallen. In erster Linie betreffe das Sparprogramm aber kleinere Flughäfen wie Münster/Osnabrück, Köln/Bonn oder Paderborn, von denen künftig weniger Air-Berlin-Maschinen starten. Erfurt fällt komplett aus dem Streckennetz.

"Unsere Drehkreuze funktionieren"

Gleichzeitig wird die Flotte um acht Flugzeuge verkleinert. Gegenüber den bisherigen Planungen will die Airline ihre Kapazitäten damit um fünf Prozent reduzieren - 2012 sollen gut 16.000 Flüge und rund 2,2 Millionen Sitzplätze wegfallen. Air Berlin will sich auf stark frequentierte Strecken und seine vier europäischen Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Wien und Palma de Mallorca konzentrieren.

Vor allem die beiden deutschen Airports sind wichtig - von ihnen bietet die Fluglinie Langstreckenflüge an. Zubringerflüge aus Deutschland und Europa sollen dafür sorgen, dass die großen Interkontinental-Maschinen dort auch voll werden. "Unsere Drehkreuze funktionieren bereits, und wir bauen sie weiter aus", sagte Hunold.

Über 600 Millionen Euro Schulden

Schwarze Zahlen sind trotz der Maßnahmen nicht in Sicht: Im laufenden Geschäftsjahr werde Air Berlin operativ "wohl noch nicht in die Gewinnzone zurückkommen", sagte Hunold. Für die Turbulenzen macht Deutschlands zweitgrößte Airline nach der Lufthansa den hohen Ölpreis, die neue Luftverkehrssteuer und die Unruhen in Nordafrika verantwortlich. Nach Einschätzung von Per-Ola Hellgren, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), haben diese Faktoren das Geschäftsmodell der Airline zerstört.

Air Berlin hatte im zweiten Quartal einen Fehlbetrag von 32 Millionen Euro nach 28 Millionen Euro Verlust ein Jahr zuvor eingeflogen. Gleichzeitig stieg der Schuldenstand bis Ende Juni auf 616 Millionen Euro von 493 Millionen Euro. Nach Hunholds Rücktrittsankündigung drehte die Air-Berlin-Aktie ins Plus und legte binnen Minuten um 4,4 Prozent zu.

be/DPA/Reuters/DPA/Reuters

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