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7. Januar 2009, 08:52 Uhr

Sturm im Turm der Commerzbank

Die Übernahme der Dresdner Bank galt als Meilenstein für die Neuordnung der deutschen Finanzlandschaft - und als Coup des neuen Commerzbank-Chefs Martin Blessing. Nun wackelt der Deal. Und der Staat muss einspringen. Von Nina Luttmer und Tim Bartz

Fusion, Commerzbank, Dresdner Bank, Probleme

Ehemalige Nachbarn: Die Übernahme der Dresdner Bank gerät ins Wanken© Wolfram Steinberg/DPA

Oben, auf dem Podium im Auditorium des höchsten europäischen Bankenturms, steht das Schild mit seinem Namen in der Mitte: Martin Blessing. Hinter ihm ein Schild mit dem Slogan der Veranstaltung: "Die Commerzbank übernimmt die Dresdner Bank - wir ergreifen eine einmalige Chance". Es ist der 1. September 2008. Und es ist sein großer Tag: Blessing ist erst seit 109 Tagen Chef der Commerzbank. Er hat geschafft, woran sein Vorgänger, sein Vorvorgänger und viele andere deutsche Banker bisher vergeblich gearbeitet haben: Er hat zwei deutsche Großbanken, seine Commerzbank und die Dresdner Bank, zusammengeführt.

Vom Meilenstein zum Mühlstein

Es ist einer der Deals des Jahres, ein Meilenstein für die Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft. Michael Diekmann, Chef der Dresdner-Mutter Allianz, lobt die Verbindung als "Meilenstein in der deutschen Bankenkonsolidierung". Über fünf Milliarden Euro Synergien!, jubelt er. Natürlich nach Abzug der Restrukturierungskosten. Eilig und emsig rechnet der Rivale Deutsche Bank vor, dass er noch immer die größte Bank in Deutschland sei - was als Kompliment zu werten ist. Endlich, es gibt eine zweite große deutsche Bank.

Lange scheint's her. Inzwischen wirkt der Deal wie aus einer anderen Zeit, einer Zeit, in der es noch Geld und große Pläne gab. Vier Monate später ist aus dem Meilenstein ein Mühlstein geworden, der die Commerzbank in die Tiefe zu reißen droht.

Beide Banken mussten Milliarden abschreiben, die Kernkapitalquote sinkt bedrohlich, die Commerzbank plant als erstes deutsches Institut eine staatlich garantierte Milliardenanleihe. Bereits zum zweiten Mal verhandelt Blessing über Staatshilfen aus dem Bankenrettungsfonds. Sein Haus hat bereits staatliche Garantien von 15 Milliarden Euro und eine Kapitalspritze von 8,2 Milliarden Euro erhalten. "Diese Hilfen könnten nun für die Zeit nach dem Dresdner-Kauf nicht mehr ausreichen", sagt ein Insider. Blessing, im Herbst noch gefeiert, ist entzaubert.

Im Rückblick scheint es manchmal, als sei von Anfang an der Wurm drin gewesen. Bereits am Tag der Verkündung des Mega-Deals wurde bekannt, dass die Fusion nicht in harmonischem Einvernehmen besiegelt worden war. Im Gegenteil: Fast der gesamte Dresdner-Bank-Vorstand hatte sich wegen fehlender Jobgarantien bis zuletzt vehement gewehrt. Man fühlte sich von der Allianz verraten und verkauft.

Commerzbank als Eisbrecher

Schnell war klar, dass es sich nicht um eine Fusion, sondern um eine Übernahme handelt - die viele Mitarbeiter der Dresdner Bank auch heute noch als feindlich ansehen. Vor einigen Tagen erst wurde das wieder deutlich: Die Arbeitnehmervertreter verweigerten Blessing die Wahl in den Vorstand der Dresdner Bank - dieser besteht voraussichtlich noch bis März, wenn die Dresdner Bank in der Commerzbank aufgeht.

Vor allem aber ist es die Finanzkrise, die dem Projekt zusetzt: Nur zwei Wochen nach der Feier in Frankfurt geht Lehman Brothers pleite, die Erschütterungen jagen um den Globus. Als in Deutschland die Hypo Real Estate wankt, spannt die Regierung einen Rettungsschirm für die Banken. Es ist ausgerechnet die Commerzbank, die im November als Erstes bei dem Sonderfonds - kurz Soffin - anklopft. Nach außen versucht man, das Ganze herunterzuspielen. "Die Commerzbank hat es sogar so verkauft, dass sie das Geld gar nicht wollte und brauchte, sondern die Regierung sie gedrängt hat", erinnert sich ein Banker. Die Commerzbank sollte demnach als Eisbrecher herhalten, um auch andere Banken anzuspornen, die Staatshilfen zu nutzen.

Folgenschwere Finanzspritze

Mit den acht Milliarden Euro an frischem Kapital und den Garantien, prognostizieren damals Bankenbeobachter, sei die Commerzbank ausreichend gestärkt, um die Finanzkrise durchzustehen - und die Übernahme der Dresdner zu verkraften. Offensichtlich eine Fehleinschätzung. Hinzu kommt: Für die Kapitalspritze muss die Commerzbank jedes Jahr 740 Millionen Euro Zinsen an Berlin zahlen.

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