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"Dieser Streik ist reine Schikane"

Ärger, Unverständnis, Wut: Die Ankündigung eines erneuten Streiks im Bahnverkehr stößt bundesweit auf Unmut - nicht nur auf Seiten der Politik. Ein Best-of der bisherigen Reaktionen.

Für Bahnkunden in ganz Deutschland kommt es noch einmal knüppeldick: Vier Tage lang sollen Fern-, Regional- und S-Bahn-Züge ab Donnerstagmorgen um 2 Uhr still stehen. Im Güterverkehr geht der Streik bereits am Mittwoch um 15 Uhr los. Das Ende ist für Montag um 4 Uhr morgens angekündigt. Es ist der sechste Streik im laufenden Tarifkonflikt und der längste seit Gründung der Deutschen Bahn AG im Jahr 1994 - und einer, der den Unmut von Politik, Gewerkschaften und natürlich auch den Bahnkunden auf sich zieht. Ein Überblick der Reaktionen auf den angekündigten Mammut-Streik:

Ulrich Weber (Bahn-Personalvorstand): "Dieser Streikaufruf macht nur noch sprachlos und ist reine Schikane. Während sich die Menschen in Deutschland darauf freuen, am 9. November den 25. Jahrestag des Mauerfalls zu feiern, will die GDL mit dem längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn das öffentliche Leben in unserem Land lahmlegen."

Michael Groscheck (NRW-Verkehrsminister):

"Die Androhung eines viertägigen Streiks artet in pure Kraftmeierei aus, verspielt alle Sympathien und schreit geradezu nach einer gesetzlichen Regelung maßloser Spartengewerkschaften. Bei allem Verständnis für Streiks und die dahinter stehenden berechtigten Anliegen der lohnabhängig Beschäftigten sind vier Tage bundesweiter Streik im Bahnverkehr überzogen. Die GDL täte gut daran, ihren Streik zeitlich, räumlich und nach Verkehrsträgern unterschieden im Regional- und Fernverkehr so einzuschränken, dass sie nicht die halbe Republik lahmlegt. Ich hoffe, dass sich GDL und Deutsche Bahn im Interesse aller Beteiligtenschnell auf eine für alle Seiten tragfähige Lösung verständigen."

Achim Dercks (Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer):

"Was derzeit bei der Bahn passiert, ist Gift für den Standort Deutschland. Neben dem Ärgernis für Urlauber führen Streiks im Güterverkehr bereits nach wenigen Tagen zu Produktionsstörungen, weil Bahntransporte oft nicht kurzfristig auf Straßen oder Schiffe verlagert werden können."

Anton F. Börner (Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen BGA):

"Die GDL überzieht völlig und verspielt den Rückhalt in der Gesellschaft. Auf den Rücken unbeteiligter Kunden und Unternehmen einen gewerkschaftlichen Konkurrenzkampf auszutragen, wird sich als Bumerang erweisen. Zudem ist es eine Taktlosigkeit sondergleichen, den Personenverkehr ausgerechnet zum 25. Jubiläum des Mauerfalls zu bestreiken und damit auch die Jubiläumsfeierlichkeiten zu stören. Der völlig unverhältnismäßige Streik der Lokführergewerkschaft GDL zeigt, wie notwendig eine friedensstiftende Regelung der Tarifeinheit für Deutschland ist. Es kann doch nicht sein, dass eine kleine Berufsgruppe wie die Lokführer ihre Schlüsselfunktion mit einem hohen Erpressungspotential dafür missbraucht, auf dem Rücken der gesamten Wirtschaft und Millionen Fahrgästen einen Machtkampf zwischen Gewerkschaften auszutragen"

Alexander Kirchner (Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrgewerkschaft EVG): "Er (Claus Weselsky, Anm. d. Redaktion) schadet nicht nur der Bahn, er schadet der Gewerkschaftsbewegung, weil er eine andere Gewerkschaftslandschaft haben will."

Yasmin Fahimi (SPD-Generalsekretärin) gegenüber Spiegel Online:

"GDL-Chef Claus Weselsky verliert gerade jedes Maß. Mit diesem abermaligen Ausstand schadet die GDL allen Gewerkschaften, sie beschädigt die Solidarität innerhalb der Bahn-Belegschaft, und sie verärgert Hunderttausende von Bahnkunden, denen jetzt Chaostage bevorstehen. Mit diesem starrsinnigen Beschluss manövriert sich die GDL in eine Sackgasse, aus der sie ohne Gesichtsverlust nicht mehr herauskommen wird. Ich hoffe, dass die Lokführergewerkschaft bald zur Vernunft kommt."

Peter Tauber (CDU-Generalsekretär) gegenüber Spiegel Online:

"Die Dauer des Streiks allein lässt jedes Maß vermissen."

Reiner Hoffmann (Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftbundes DGB): "Wir setzen uns dafür ein, gemeinsam im Rahmen einer Tarifgemeinschaft zu vernünftigen Lösungen zu kommen. Das hat Herr Weselsky leider zu meinem Entsetzen abgelehnt."

Gerd Aschoff (Sprecher des Fahrgastverbands "Pro Bahn") gegenüber der Rheinischen Post:

"Die Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer. Die Fahrgäste sind die Hauptleidtragenden der Streiks. Viele Berufstätige merken die Folgen unmittelbar, wenn sie nicht oder verspätet zu wichtigen Terminen kommen. Es besteht die Gefahr, dass die Bahn dauerhaft Kunden an den Fernbusverkehr verliert. Die GDL sägt am eigenen Ast."

"Jetzt ist das Maß voll!"

Auch in den sozialen Netzwerken macht sich Ärger und Empörung über die bevorstehenden Ausstände breit:

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