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Elektromüll darf bald zurück ins Geschäft

Alte Radios, Handys oder Föhne landen gerne mal im Restmüll. Damit soll Schluss sein. Bald müssen die Händler ihre Elektrogeräte zurücknehmen, selbst Waschmaschinen oder Fernseher. Nur Onlinehändler wollen nicht.

Elektromüll kann bald zurück zum Händler

Solche Sünden finden sich wohl in vielen deutschen Kellern. 23 Kilo Elektromüll hat jeder von uns durchschnittlich zuhause. Das soll sich bald ändern.

Wer sich die Fahrt zum Recyclinghof sparen will, kann Elektro-Altgeräte bald auch im Geschäft zurückgeben. Was viele große Läden wie Media-Markt seit Jahren freiwillig anbieten, wird voraussichtlich im Oktober Pflicht. Nur der Online-Handel stellt sich noch quer.

Was ändert sich für Verbraucher?

Mit dem alten Haartrockner und der kaputten Elektro-Zahnbürste müssen Sie nicht mehr zum Wertstoffhof. Bis zu einer Länge von 25 Zentimetern müssen große Elektronikhändler Geräte kostenlos und ohne Kassenbon zurücknehmen. Bei Großgeräten wie Fernsehern und Kühlschränken gilt das nur, wenn der Kunde auch ein gleichwertiges Gerät kauft. Die Regelung gilt aber nur für Händler mit mehr als 400 Quadratmeter Verkaufsfläche. Sprich: Elektronikmärkte wie Medimax und Saturn müssen Altgeräte annehmen, kleine Fachhändler nicht.

Warum wurde das Gesetz geändert?

Alte Computer und Handys seien echte Rohstofflager, schwärmt Bundesumweltministern Barbara Hendricks (SPD). 23 Kilo Elektromüll hat jeder Deutsche durchschnittlich zuhause. Bisher wurden davon nur knapp 8 Kilogramm eingesammelt. Hendricks' Überzeugung: Je mehr Stellen es gibt, an denen Verbraucher die Geräte zurückgeben können, desto mehr wird recycelt - weil weniger im Restmüll oder im illegalen Export landet. Deutschland setzt damit EU-Richtlinien um. Das Gesetz soll Anfang Oktober in Kraft treten, sagte ein Ministeriumssprecher. Wann genau hängt davon ab, wann der Bundespräsident den Entwurf unterzeichnet. 

Was machen die Händler mit den Altgeräten?

Sie werden über Kooperation mit den Gemeinden oder durch die Hersteller abgeholt und entsorgt. Viele Elektromärkte, Baumärkte und auch Lebensmittelmärkte nehmen Elektroschrott schon seit Jahren zurück - als Service für ihre Kunden. "Wir sind vorbereitet", sagt Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland. Onlinehändler dagegen haben Probleme.

Wann nimmt auch der Onlinehandel Geräte zurück?

Das Gesetz gewährt eine neunmonatige Übergangsfrist - und diese Zeit werden sich die Online-Händler wohl nehmen. Noch sei zu vieles unklar, etwa wie die 400-Quadratmeter-Regel bei Online-Händlern angewandt wird. "Es ist ein Thema, über das wir definitiv nicht glücklich sind", sagt Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverbands Onlinehandel. Vieles müssten erst Gerichte klären.

Weshalb sträuben sich die Onlinehändler?

Weil es für sie teuer ist und weil sie Nachteile beim Verkauf ins Ausland fürchten, wo sie über Bevollmächtigte ebenfalls die Rücknahme gewährleisten sollen. "Das belastet und sehr", sagt Jost Vielhaber, Sprecher des Badausstatters Reuter.de. Eine Waschmaschine bringe 80 Euro Frachtkosten. Zudem will er nicht, dass auslaufende Batterien und andere Giftstoffe die Mitarbeiter und Paketboten gefährden. 

Was sagen die Entsorger?

"Bei Altgeräten haben immer alle gleich die Dollar-Zeichen in den Augen", meint Gerhard Jokic, Geschäftsführer von Remondis, einem der größten Entsorgungsunternehmen, "Aber den Hype sehe ich nicht." Die Reform werde nicht deutlich mehr Altgeräte zu den Entsorgern bringen, nur die Wege änderten sich. Es werde der eine oder andere mit seinem Schrott zum Elektronikmarkt fahren statt zum Recyclinghof.

Welche Lösungen sind für Online-Shops denkbar?

Sie wären aus dem Schneider, wenn Elektrogeräte in die geplante Wertstofftonne dürften, wie es der Handel schon lange fordert. Wegen chemischer Bestandteile wie Batterie- oder Kühlflüssigkeiten will die Regierung das aber nicht. Wann die neue Tonne den gelben Sack und die gelbe Tonne ablöst, ist ohnehin offen. 

Zumindest für die ganz großen Online-Händler ist es kein Ding der Unmöglichkeit, Geräte auch zurückzunehmen. Wer etwa eine Waschmaschine von Amazon erhält, kann dem Lieferservice das alte Gerät für 15 Euro mitgeben. Künftig wäre das für Kunden kostenlos. Andere Internetanbieter könnten mit stationären Händlern kooperieren, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Falk. Bis zum Sommer haben sie Zeit.

amü/DPA
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