17. April 2012, 09:40 Uhr

Mitglieder schulden Kassen Milliarden

Die Krankenkassen klagen über immer mehr Versicherte, die ihre Beiträge nicht zahlen. Säumige Mitglieder haben bei den Versicherungsträgern mittlerweile Schulden von rund anderthalb Milliarden Euro.

Daniel Bahr, Praxisgebühr, Gesundheitsminister, Krankenkassen

Die Sozialkassen erzielten 2011 gemeinsam einen Überschuss von 13,8 Milliarden Euro.©

Säumige Beitragszahler schulden den gesetzlichen Krankenkassen eine immer größer werdende Milliardensumme. Insgesamt gibt es nach den jüngsten Zahlen einen Rückstand von 1,53 Milliarden Euro, teilte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf Anfrage mit. Diese Ausstände vom Februar waren allein binnen eines Monats spürbar gewachsen. Im Januar waren es laut Verband noch 1,44 Milliarden Euro.

Ende 2011 hatte sich der Fehlbetrag noch auf rund 1,2 Milliarden Euro belaufen. Im August 2011 hatten 638.000 Versichertenkonten Rückstände von gut einer Milliarde Euro aufgewiesen. Ein großer Teil der säumigen Zahler war nach Einführung der Versicherungspflicht 2007 in die gesetzliche Krankenversicherung zurückgekehrt. Allein von ihnen stehen laut Verband 466 Millionen Euro aus. Diese Beiträge hatte vormals das Sozialamt übernommen.

"Die Einführung der Versicherungspflicht bedeutete nicht, dass die Mitglieder ihre Beiträge auch zahlen können", sagte die Verbandssprecherin. Auch weitere freiwillig versicherte Selbstständige sind unter den säumigen Zahlern. Die meisten der Versicherten, die den Krankenkassen Geld schulden, gelten als arm.

Manchmal gibt es für die Kassen nichts zu holen

Bei den Kassen gibt es in der Regel gestaffelte Mahnverfahren. Säumige Zahler werden oft mehrere Male angeschrieben, wie es bei den Versicherungen hieß. Zuletzt versuchen die Hauptzollämter als Inkassostellen des Bundes und anderer öffentlich-rechtlicher Einrichtungen das Geld einzutreiben.

Hierbei versuchen Vollziehungsbeamte im Außendienst dafür zu sorgen, dass Schuldner die ausstehende Beiträge entrichten. Wenn die Betroffenen allerdings wenig Mittel haben, gebe es auch nichts zu holen, hieß es in Kreisen einzelner Krankenkassen.

jar/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Krankenkassen mit Milliardenüberschuss Bahr will Beiträge zur Sozialversicherung nicht senken

2011 erwirtschafteten die deutschen Krankenkassen ein fettes, milliardenschweres Plus. In der Diskussion um eine mögliche Senkung der Beträge zur Sozialversicherung bleibt Bundesgesundheitsminister Bahr hart.

Experten erwarten weitere Milliardenüberschüsse Krankenkassen könnten Beiträge senken

Auch in den kommenden Jahren werden die Krankenkassen nach Expertenberchnungen Milliardenüberschüsse erwirtschaften. Das sollte eine Beitragssenkung möglich machen.

Alternativen zum Altersheim Gesundheitsminister Bahr fördert Pflege-WGs

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) plant, die Gründung von Wohngemeinschaften pflegebedürftiger Patienten finanziell erheblich zu fördern. Für solche Pflege-Wohngemeinschaften sollten jeweils mehrere tausend Euro bereitgestellt werden.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (26/2013)
Die Zuckermafia