Daimler will weniger deutsch sein

4. März 2013, 12:40 Uhr

Eine Frauenquote hielt Daimler-Chef Dieter Zetsche stets für nicht realisierbar. Stattdessen will der Autobauer nun eine andere Regulierung einführen: die Globalisierungsquote.

Daimler, Quote, Ausländer, Management

Um im internationalen Markt besser Fuß zu fassen, will der Autokonzern Daimler eine Quote für internationale Manager einführen.©

Im Zuge der Diskussion um die Frauenquote hatte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche gegen das Instrument ausgesprochen. Er sei kein Freund von Regulierungen oder Quoten. "Wohin soll ich all die Männern aussortieren", hatte Zetsche noch vor eineinhalb Jahren gesagt. Bewegt hat sich dennoch viel beim Autobauer. Ab der kommenden Hauptversammlung im April könnten 30 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein. Damit würde Daimler eine Quote erfüllen, die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen gern gesetzlich festschreiben würde.

Und noch bevor die Frauenquote auf der gesamten Führungsebene Einzug erhält, soll das Instrument der Regulierung erneut angewendet werden. Diesmal um den Konzern internationaler werden zu lassen. "Bislang ist der Konzern auf Managementebene noch sehr deutsch geprägt", sagte Personalvorstand Wilfried Porth der "Welt".

Anschluss durch Nationalität

Daimler sei aber ein global aufgestelltes Unternehmen und das große Wachstum finde derzeit in den USA, China oder anderen Ländern Ostasiens statt. "Dafür brauchen wir auch noch mehr Führungskräfte aus diesen Regionen."

Der schwäbische Autokonzern sucht dringend den Anschluss an die Konkurrenz wie BMW und der VW-Tochter Audi. Konzernchef Dieter Zetsche hat das Ziel ausgegeben, bis 2020 die Absatzzahlen zu verdoppeln, um wieder Nummer Eins unter den Premiumherstellern zu werden. Der Erfolg dieses Unterfangens hängt maßgeblich von der Entwicklung in Asien und den USA ab. Deutschland machte zuletzt nur noch ein Fünftel des Mercedes-Absatzes aus.

Um im Ausland schneller voranzukommen, will der Autobauer eine Art Globalisierungsquote einführen. Bei dem konzerninternen Nachwuchsprogramm für Führungskräfte solle etwa die Hälfte aus dem Ausland kommen, kündigte Porth an. "Ziel ist es dabei, Mitarbeiter aus Amerika, China, Indien oder anderen Ländern auch in Deutschland auf Top-Positionen zu entwickeln", sagte er.

Alles für den Kunden

Schon jetzt arbeiten mehr als 100.000 der rund 270.000 Daimler-Mitarbeiter im Ausland. Pkw, Lastwagen, Busse und Vans der Schwaben laufen in mehr als 50 Werken auf vier Kontinenten vom Band. Doch das reicht Porth nicht. Auch die Entwicklung soll noch internationaler werden, um besser auf Kundenbedürfnisse eingehen zu können. "Es wird mehr Projekte als bislang außerhalb Deutschlands und mit ausländischen Partnern geben", kündigte der Personalvorstand an. In Indien und China würden dafür bereits weitere Kapazitäten aufgebaut.

Auf dem Heimatmarkt steuert Porth unterdessen auf einen Dauerkonflikt mit den Arbeitnehmern zu. Anhand von gesamtwirtschaftlichen Daten sollen "Korridore" für Auf- und Abschwünge definiert werden und die Produktion nach Bedarf hoch- oder runtergefahren werden, ohne für einzelne Maßnahmen Rücksprache mit Betriebsräten zu halten. Die Arbeitnehmervertreter laufen Sturm dagegen.

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