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Das dreckige Geschäft mit Gold soll sauber werden

Kinderarbeit, Umweltverschmutzung, Quecksilbervergiftung und finanzielle Ausbeutung: Wer Gold kauft, fragt besser nicht nach, wie es abgebaut wird. Fairtrade will die Arbeitsbedingungen verbessern und zertifiziert Gold, das Ressourcen und Schürfer schont. 

Von Lara Wiedeking

  Eine Goldmiene in Tansania: Rund 60.000 Kinder arbeiten beim Abbau des begehrten Edelmetalls. 

Eine Goldmiene in Tansania: Rund 60.000 Kinder arbeiten beim Abbau des begehrten Edelmetalls. 

Es ist ohrenbetäubend laut, die Dämpfe brennen in Augen und Lungen: Die Arbeit in den Goldminen Afrikas sind lebensgefährlich. Und es sind viele Kinder, die dort schuften. Schätzungsweise rund 60.000 Kinder und Jugendliche arbeiten allein in Tansania in den Schächten von Goldminen. Die Organisation Fairtrade will das ändern - und fair gehandeltes Gold mit dem begehrten logo auszeichnen. Dafür müssen aber auch gewisse Standards eingehalten werden. Ein Gespräch mit Claudia Brück von Fairtrade Deutschland.


Unter welchen Bedingungen wird Gold bisher abgebaut?

"Die Goldschürfer schuften unter sehr schwierigen Bedingungen. Meistens gibt es keine Schutzvorrichtungen, die Stollen sind nicht gesichert – und die finanzielle Entlohnung ist ein großes Problem. Gemeinden, die vom Bergbau leben, fehlt es häufig an sanitären Einrichtungen, grundlegender Infrastruktur und sauberem Trinkwasser. Eine Schürferin zum Beispiel hat mit demselben Löffel, mit dem sie das Gold mithilfe von Quecksilber aus dem Stein abgekocht hat, zuhause auch gegessen. Es fehlt das Wissen, wie gefährlich die Chemikalie Quecksilber ist."

Aber der Abbau von Gold hat noch viel weitreichendere Konsequenzen…

"Das ist richtig. Der Abbau von Gold ist für die Umwelt oft katastrophal und er finanziert Konflikte, besonders auf dem afrikanischen Kontinent."

Wie verkauft ein Schürfer sein Gold?

"Goldschürfer haben meistens keine direkte Anbindung zu dem Markt. Sie schürfen in entlegenen Gegenden und wenn sie ein wenig Gold rausgewaschen haben, müssen sie warten bis irgendwann ein Aufkäufer vorbei kommt. Sie haben keine Wahl als ihm ihr Gold zu verkaufen - egal, wie hoch der Preis ist. Dass der meist nicht die Kosten deckt, versteht sich von selbst. Schürfer kennen den Weltmarktpreis nicht." 

Sie bieten bald Gold mit einem Fairtrade-Siegel an. Was bedeutet das?

"Wir wollen die Bedingungen für Arbeiter und Umwelt verbessern. Zum einen haben wir daran gearbeitet, dass die einzelnen Schürfer sich zu Produzentengruppe zusammenschließen und einen legalen Status bekommen. Das ist die grundlegende Voraussetzung, um im eigenen Staat Rechte zu haben. Zum anderen haben wir die Arbeitssicherheit verbessert. Der Aufbau der  Goldmienen wurde verändert, Gerüste müssen gesichert werden und Planen über dem Einstiegsloch schützen vor der Überschwemmung."

Und die Goldschürfer?

"Die haben wir intensiv geschult. Quecksilber wird für den Abbau von Gold gebraucht, das lässt sich kaum ändern. Aber wir können den Schürfern erklären, dass ihre Kopfschmerzen durch den Quecksilberdampf kommen, in dem sie den ganzen Tag stehen - und wie man das verhindern kann." 

Wie denn?

"Es gibt eine einfache Methode, wie man Quecksilber in einem geschlossenen kleinen Gefäß  abbrennt. Dann wird es zu Gas und über eine Leitung ins Wasser gelenkt. Dort bindet es sich wieder, wird fest und kann erneut genutzt werden. So entstehen keine Gase, die eingeatmet werden müssen. So ein kleines Ding kostet zwanzig, dreißig Euro." 

Aber das ist für den Schürfer in Afrika viel Geld...

"Das ist sogar eine Menge Geld, klar. Doch nicht jeder Schürfer braucht ein eigenes Gerät. Natürlich sind das Maßnahmen, die erstmal Geld kosten. Wenn man weiß, woher die gesundheitlichen Beschwerden kommen, kann man die Schürfer für Veränderungen gewinnen."

Gibt es einen Markt für fair abgebautes und gehandeltes Gold?

"Wir wollen jetzt Märkte schaffen, um das Gold zu verkaufen. Langfristige Handelsbeziehungen bieten Planungssicherheit. Die Bezahlung für die Schürfer wird sich verbessern. Jetzt suchen wir Käufer in Deutschland - bisher gibt es schon welche in England und der Schweiz. Sobald Käufer gefunden sind, gibt es eine Entwicklungsprämie für die ersten Anschaffungen. Es sollen auch Kindergärten und Spielplätze entstehen - aber da stehen wir ganz am Anfang. Wir hoffen sehr, das wir bis Weihnachten ins Geschäft einzusteigen." 

Und dann gehe ich zu meinem Juwelier und sage: Den Ring hätte ich gerne aus Fairtrade-Gold?

"Das wäre der Idealzustand. Aber ob ein Juwelier das nur für einen Ring macht ist fraglich. Halbfertige Erzeugnisse wie Gold als Rohstoff müssen in anderen Mengen abgenommen werden – also würde da dann mehr als ein Ring bei rauskommen. Aber wenn die Nachfrage groß ist, werden Juweliere hoffentlich anfangen und Fairtrade-Schmucklinien auflegen. Auf unserer Website wird es dann auch eine Übersicht geben, welche Juweliere das anbieten."

Wie werden die Schürfer an dem Projekt beteiligt?

Die Kooperative bekommt 95 Prozent des festgelegten Goldpreises statt sich - wie bisher - von Händlern über den Tisch ziehen zu lassen. 

Sie meinen den Preis, der zwei Mal am Tag am London Bullion Market festgelegt wird?

Genau. Und außerdem wird beim Fairtrade-Gold eine Prämie fällig – eine Pauschale, die nicht proportional mit der abgekauften Menge steigt. Diese liegt bei 2000 US-Dollar.

Also wird das fair gehandelte Gold beim Juwelier ganz schön teuer?

Nicht unbedingt. In wie weit sich diese Prämie auf den Preis beim Juwelier niederschlägt, hängt von der bestellten Goldmenge ab. Bei einem Kilogramm Gold liegt der Preis, inklusiver Prämie und Lizenzgebühr, bei zehn Prozent über dem handelsüblichen Preis. Wenn zehn Kilogramm Gold abgenommen werden, ist der Preis nur noch vier Prozent höher. Schlussendlich bleibt die Frage, wie viel die Händler und Schmuckhersteller an den Kunden weitergeben."

 

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