Seit einem Jahr versucht der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou, seinen überschuldeten Staat zu sanieren - bislang ohne Erfolg. Dem stern erzählte er, wie er die Herkules-Aufgabe trotz größter Widerstände im Land noch meistern will und warum sich Deutschland um sein Geld nicht sorgen muss. Von Katja Gloger

Der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou© Sean Gallup/Getty Images
Der Mann muss eine Menge Hohn einstecken und bitteren Spott, vor allem aus Deutschland. Man schimpfte ihn "Pleite-Griechen", seine Landsleute werden gerne als streikwütige, korrupte und jammerige Faulpelze beschrieben, die mit 45 Jahren in Rente gehen - all' das auf Kosten der fleißigen deutschen Steuerzahler und zu Lasten des Euro.
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen - der Mann scheint es gelassen zu nehmen. Seit einem Jahr versucht der griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou, 58, nun, seinen faktisch bankrotten Staat zu sanieren. Mit eher gemischtem Erfolg: Das Euro-Land überlebt nur dank eines Milliarden-Kreditpaketes des Internationalen Währungsfonds IMF und der EU.
Das Volk leistet Widerstand gegen die verordneten Reformen, mittlerweile wird jeden Tag irgendwo gegen irgendwas gestreikt. Und weil man da schon mal den Überblick verlieren kann, hilft seit neuestem eine eigens eingerichtete Streik-Webseite. Die Staatsverschuldung steigt weiter, die Kreditwürdigkeit des Landes sinkt trotz Milliardenhilfen - mittlerweile werden griechische Schuldscheine wie Schrottanleihen gehandelt. In einem Verzweiflungsakt will der Staat jetzt gar eine "Diaspora"-Anleihe auflegen, die Auslandsgriechen sollen an ihrer Ehre gepackt werden, dem Staat ihr Geld leihen.
Die Arbeitslosigkeit steigt, nach Umfragen zehren zwei von drei Griechen mittlerweile ihre Ersparnisse auf. Junge Menschen verlassen das Land auf der Suche nach Arbeit und Zukunft, man geht in die USA, nach Indien und in die Türkei. Dabei gilt die Türkei immer noch als politischer Erzfeind Griechenlands.
Am Donnerstag beginnt der große EU-Gipfel, auf dem die Regierungschefs nun die Rettung des Euro beschließen wollen. Der existierende Rettungsschirm soll faktisch ausgeweitet, in zwei Jahren dann ein neuer, dauerhafter Rettungsschirm gespannt werden, 500 Milliarden Euro groß, mehr als 20 Milliarden muss die Bundesregierung in diesen "Europäischen Stabilitäts-Mechanismus" (ESM) einzahlen. Und damit, so Kritiker, werde Europa faktisch zu einer Transferunion. Von nun an werde es in Europa so ähnlich zugehen wie beim Länderfinanzausgleich: Die reichen Euro-Länder im Norden (also vor allem Deutschland) werden für die klammen Länder des Südens einstehen. Es ist, so die Kritiker, der Anfang vom Ende des Euros. Vor zehn Jahren hatte sich Griechenland mit ebenso phantasievoll wie umfänglich gefälschten Statistiken in den Euro geschummelt. Der damalige Außenminister hieß übrigens - Georgios Papandreou.