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Ackermann soll Schuldenschnitt aushandeln

Erst gab es mal wieder Kritik an Josef Ackermann, jetzt soll Deutschlands Top-Banker offenbar an Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Griechenland mitmischen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist einem Zeitungsbericht zufolge zentral an Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Griechenland beteiligt. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf Finanz- und Regierungskreise berichtet, geht es um einen Erlass von bis zu 50 Prozent der griechischen Schulden, den die privaten Banken formal freiwillig leisten sollen. Ob dies bis Ende dieser Woche zustande komme, sei sehr fraglich. Ackermann ist Vorsitzender des Internationalen Bankenverbandes (IIF). Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich am Sonntag zu dem Bericht nicht äußern.

Die privaten Gläubiger Griechenlands hatten bereits im Juli einem Verzicht auf durchschnittlich 21 Prozent ihrer Forderungen auf freiwilliger Basis zugestimmt. Derzeit ist ein zusätzlicher Schuldenschnitt für Athen im Gespräch: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte vor wenigen Tagen gesagt, eine größere Beteiligung der Banken an dem zweiten Hilfspaket für Griechenland werde geprüft. Bis zu ihrem Gipfel am kommenden Sonntag wollen die Euro-Länder ein umfassendes Paket zur Lösung der Schuldenkrise vorlegen.

Schuldenschnitt von bis zu 60 Prozent möglich

Die Hinweise auf eine harte Umschuldung Griechenlands hatten sich zuletzt verdichtet. Aktuell werden in der Eurogruppe Szenarien für einen Schuldenschnitt von bis zu 60 Prozent durchgespielt. Gläubiger Griechenlands müssten dann auf diesen Anteil ihrer Forderungen verzichten. Als problematisch gilt die Auswirkung eines solchen Schritts auf die europäischen Banken.

Ackermann hatte zuletzt mal wieder einiges an Kritik hinnehmen müssen. Auslöser: Er hatte am Donnerstag die Debatte um eine Rekapitalisierung von Geldhäusern als kontraproduktiv bezeichnet. Sie sende an die Märkte das Signal, dass ein Schuldenschnitt Griechenlands immer wahrscheinlicher werde. Die EU und auch die G20 fordern, dass die Banken von den Staaten mit mehr Eigenkapital ausgestattet werden, um die Eurokrise besser verkraften zu können. Wie schon in der Finanzkrise 2008 sieht der Chef der Deutschen Bank keinen Bedarf bei seinem Geldhaus für staatliche Unterstützung - und auch nicht bei anderen. Ackermann wortwörtlich: "Nicht die Kapitalausstattung der Banken ist das Problem, sondern die Tatsache, dass Staatsanleihen ihren Status als risikofreie Aktiva verloren haben."

Hintergrund der Äußerungen: Ackermann will nicht, dass seine Bank in die Abhängigkeit von der Politik gerät. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Die Chefin der CSU-Landesgruppen im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sagte im "Spiegel", Ackermann trage als Vertreter einer wichtigen Bank "große wirtschaftliche, aber auch gesellschaftliche Verantwortung". CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt kritisierte diejenigen Institute, die "immer noch Erträge vorwiegend in Boni und Dividenden stecken". Grünen-Chef Özdemir sagte dem Magazin: "Ich frage mich, ob Herr Ackermann überhaupt an einer dauerhaften Lösung der Krise interessiert ist." Es dürfe nicht sein, dass Banken massive Risiken eingehen können, sich selbst über beide Ohren verschulden und die Steuerzahler dann dafür geradestehen müssten."

Laut "Bild am Sonntag" sieht der Chef der Deutschen Bank auch eine mögliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms skeptisch. Ackermann habe auf einem Kongress seiner Bank gesagt: "Rettungsschirme mögen aus Sicht von Investoren ganz richtig sein, aber damit ist das Problem an sich nicht gelöst. Wir können uns Rettungsschirme in dieser Größenordnung gar nicht erlauben. Das werden die Gerichte, aber auch die Bevölkerungen an sich nicht zulassen." Notwendig sei eine schrittweise Haushaltskonsolidierung in den Euro-Ländern zur Bewältigung der Krise.

Politik schießt sich auf Banker ein

SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht die Branche generell als renovierungsbedürftig an und spricht sich für eine Trennung von Investmentbanking und Geschäftsbanken aus. Die Banken müssten wieder "zu Dienern der Realwirtschaft" werden, sagte Gabriel dem Nachrichten-Magazin "Spiegel". "Jeder Mittelständler, der einen Kredit braucht, wird morgen in Schwierigkeiten kommen, wenn eine Bank pleitezugehen droht, weil sie sich im Investmentbanking verzockt hat." Gabriel weiter: "Ich möchte, dass beim Geschäftsfeld des Investmentbankings ein ganz großes Schild an der Tür steht mit der Aufschrift "Hier endet die Staatshaftung"." Er habe überhaupt nichts dagegen, dass Leute mit ihrem Geld spekulierten. "Aber wenn die Zockerei schiefgeht, sollten die Spekulanten mit ihrem Geld dafür haften und nicht unschuldige Dritte", sagte Gabriel. "Was wir derzeit haben, ist ein Verlustsozialismus. Was schiefgeht, trägt die Allgemeinheit, und was gutgeht, wird privatisiert."

Privatbanken sehen Politik in der Krise

Dagegen warnten die Privatbanken angesichts der Debatte über die EU-Bankenpläne vor einer Eskalation des Streits. "Die Politik darf uns jetzt nicht den Krieg erklären - sondern lieber mit uns bei Wasser und Brot ins Kloster gehen und arbeiten, bis weißer Rauch aufsteigt und es eine gemeinsame Lösung gibt", sagte der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Andreas Schmitz "Bild.de". "Wir haben keine Bankenkrise, sondern eine politische Vertrauenskrise", so Schmitz weiter. In der Finanzkrise 2008 hätten manche Banken die Staaten in Schwierigkeiten gebracht. Schmitz sieht es ähnlich wie Kollege Ackermann: "Heute ist es umgekehrt. Manche Staaten bringen einige Banken in Schwierigkeiten."

swd/ben/DPA/DPA
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