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Neue Autobahn schon wieder durchlöchert

Wie kann das sein? Nur wenige Wochen nach ihrer Freigabe sind Teile der A1 wieder ein Sanierungsfall. "Der oberste Belag bröselt einfach weg", klagt die Straßenbaubehörde. Und wie beim U-Bahn-Pfusch in Köln und Düsseldorf fällt auch im Norden der Republik der Name einer bestimmten Baufirma.

Schwere Unfälle, kilometerlange Staus und genervte Autofahrer: Die A1 als wichtigste Verkehrsader zwischen Bremen und Hamburg schafft immer neue Negativ-Schlagzeilen. Zu den Dauerbaustellen beim sechsspurigen Ausbau der Autobahn kommen jetzt noch zahlreiche Löcher im Asphalt. Und wie bei den Pfusch-Vorwürfen beim U-Bahn-Bau in Köln und Düsseldorf taucht auch dort der Name eines Baukonzerns auf: Bilfinger Berger.

"Der oberste Belag bröselt einfach weg", beschreibt Heiko Gerken von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Verden die Probleme. "Die Fahrbahndecke löst sich vier Zentimeter tief auf." Zweieinhalb Monate nach der Freigabe wird ein Autobahn-Teilstück bei Bremen damit schon wieder zum Sanierungsfall. Umfang der Schäden, Kosten und Dauer der Reparatur sind bisher nicht abzusehen, heißt es bei den Behörden.

Das Desaster wirft einen Schatten auf das bisher größte Gemeinschaftsprojekt von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft (Public Private Partnership) in der Bundesrepublik: Das Konsortium "A1-mobil" finanziert den Ausbau der 73 Kilometer langen Strecke sowie deren Betrieb und Erhaltung. Wesentlich beteiligt sind der internationale Baukonzern Bilfinger Berger aus Mannheim und die Bunte-Gruppe aus Papenburg.

Der Firmenverbund äußerte sich am Mittwoch nur knapp zu den Schäden: "Die Ermittlungen der Ursachen dauern an." Die Bauzeit bis Ende 2012 werde sich nicht verzögern. Nach Medienberichten soll im April ein Gutachten vorgelegt werden. Auf das Ergebnis ist auch die Landesregierung in Hannover gespannt. "Es ist Aufgabe des Konsortiums, wie es zum Ziel kommt. Die Verantwortung trägt 'A1-mobil'", sagte Heike Haltermann von der Landesstraßenbaubehörde.

"So etwas kennt man nicht von neuen Straßen"

Unterdessen rätseln die Experten weiter über die Ursachen der Pannen. Auch Dirk Matthies vom ADAC Weser-Ems in Bremen wundert sich. "Das ist schon sehr merkwürdig. So etwas kennt man nicht von neuen Straßen." Der als Flüsterasphalt bekannte Belag sei nicht zum ersten Mal verwendet worden, auch Frost dürfte kaum eine Rolle gespielt haben. Aus Sicht des ADAC-Mannes kann nur ein Fehler bei der Verfahrensweise verantwortlich sein.

Die als Hansalinie bezeichnete A1 ist in Deutschland eine der wichtigsten Straßen. Sie verbindet im europäischen Fernstraßennetz die deutschen Seehäfen und die skandinavischen Länder mit den süd- und südwesteuropäischen Wirtschaftsräumen. Täglich rollen 70.000 Fahrzeuge zwischen Hamburg und Bremen über die Autobahn. Rund ein Viertel davon sind Lastwagen.

Hans-Christian Wöste, DPA/DPA
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