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Die besten Geschäftsideen des Jahres

Windradpioniere und Müsli-Mischer sind die Sieger des diesjährigen Gründerpreises, der vom stern vergeben wird. Sie setzten sich unter anderem gegen Einparkroboter und ein Chirurgen-Navi durch.

Von Jan Boris Wintzenburg

  Startup-Gründer des Jahres: Martina Kuhlmann und Rolf Rohden auf ihrem Schiff "Lev Taifun"

Startup-Gründer des Jahres: Martina Kuhlmann und Rolf Rohden auf ihrem Schiff "Lev Taifun"

Das Leben von Martina Kuhlmann und Rolf Rohden verlief in ruhigen Bahnen und es ging stetig bergauf: Sie arbeitete im Management eines führenden deutschen Windanlagen-Bauers, er war dort der Entwicklungsleiter. Spannende Jobs, ordentlich bezahlt. Trotzdem schmissen sie hin. Kuhlmann und Rohden wollten noch einmal auf eigene Faust anfangen, ein Unternehmen gründen, eigene Windräder entwickeln. Sie kauften eine alte Halle und fingen an, sie für den Bau von Prototypen gewaltiger Windkraftanlagen umzurüsten. Allein die Bodenplatte muss hunderte Tonnen Gewicht aushalten können.

Klingt verrückt? Ist es aber nicht: "Die Zusage für den ersten Großauftrag ist da", sagt Rohden stolz. Sein Design verspricht nämlich deutlich effizienter zu sein, als das bisheriger Anlagen. "Bei gleichem Wind können wir deutlich mehr Energie ernten." Martina Kuhlmann hält derweil geschäftlich die Fäden zusammen. Die junge Firma ist profitabel. Sogar ein eigenes Forschungsschiff leistet sich Innoven mit Sitz in Bremerhaven inzwischen. Auf der "Lev Taifun" sollen neue Antriebstechniken erprobt werden, um irgendwann die Erfahrungen aus der Windkraft auch aufs Wasser zu übertragen. Und ganz nebenbei schippert sie durch die Windparks der Nordsee, um die Monteure zu versorgen. "Unser Brot- und Butter-Geschäft", sagen die beiden.

Für soviel Gründermut und ihre guten Ideen haben die beiden am Dienstagabend in Berlin den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie "Startup", für bis zu drei Jahre alte Unternehmen erhalten. Die Auszeichnung wird vergeben vom stern, zusammen mit den Sparkassen, dem ZDF und Porsche und steht unter der Schirmherrschaft von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler.

Außerdem als Startup nominiert:

- das Team von Serva Transport Systems um Rupert Koch und Leopold Meirer aus Bernau am Chiemsee. Sie haben einen Einpark-Roboter entwickelt, der Autofahrern die lästige Suche nach einem freien Platz im Parkhaus abnimmt. Die Maschine schafft es, auf der gleichen Fläche bis zu 60 Prozent mehr Autos zu parken.

- die EICS-Group von Hasan Kurum, ein Ingenieur-Dienstleistungsunternehmen aus München, das darauf spezialisiert ist, Bauteile und kleine Serien für die Auto- und Luftfahrtindustrie zu entwickeln und zu produzieren.

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  Aufsteiger des Jahres: Philipp Kraiss, Max Wittrock und Hubertus Bessau (v.l.) von Mymuesli

Aufsteiger des Jahres: Philipp Kraiss, Max Wittrock und Hubertus Bessau (v.l.) von Mymuesli

Mymuesli überzeugt die Jury

In der Kategorie Aufsteiger, also bei den drei bis neun Jahre alten Unternehmen, setzte sich das Unternehmen Mymuesli aus Passau durch. Hubertus Bessau, Philipp Kraiss und Max Wittstock gründeten 2006 das Startup mit dem Ziel, individuelles Müsli zu mischen, dass sich die Kunden aus hochwertigen Zutaten im Internet selber zusammenstellen können. Das Konzept funktionierte – auch dank ihrer Liebe zum Detail. Inzwischen beschäftigen die Drei rund 150 Mitarbeiter.

Außerdem als Aufsteiger nominiert:

- Dr. Timo Krüger, Gründer von Fiagon in Hennigsdorf bei Berlin. Er hat ein Navigationssystem für die Kopf-Chirurgie entwickelt. Der Operateur kann seine Instrumente live am Bildschirm in den zuvor aufgenommenen Tomographen-Bildern des Patienten sehen. Das macht Operationen kürzer, besser und sicherer.

- die Firma Averbis von Phillipp Daumke und Dr. Kornél Markò in Freiburg, die Sinn in unübersichtliche Datenberge bringt. Die Suchalgorithmen von Averbis ordnen zum Beispiel medizinischen Daten und gewinnen so wertvolle Informationen für Ärzte wie Patienten, etwa wenn Krankheiten diagnostiziert werden können, die sehr selten sind und die unter normalen Umständen kaum ein Arzt erkennt.

Sonderpreise für Tunnelbohrer und Skateboard-Pionier

Der Preis für das Lebenswerk geht in diesem Jahr an Martin Herrenknecht, Gründer des gleichnamigen Unternehmens. Er hat mit seinen vollautomatischen Tunnelbohrmaschinen den Tunnelbau revolutioniert. Die Herrenknecht AG, deren Ursprung als Ein-Mann-Firma im Jahr 1975, liegt, beschäftigt weltweit inzwischen rund 5000 Mitarbeiter und setzte im letzten Jahr 1,1 Milliarden Euro um. Die Maschinen des Tiefbau-Spezialisten buddeln Tunnel überall auf der Welt – in Rio, Istanbul, Las Vegas oder unter den Alpen. Die dunkelste Stunde von Martin Herrenknecht: "Als eine Maschine unter den Royal Docks in der Themse versank." Sein bester Moment: "Der Durchstich des St. Gotthard-Tunnels nach sechs Jahren Bauzeit."

Der Sonderpreis der Jury geht an Titus Dittmann, den Skateboard-Pionier aus Münster. Er brachte die Skater-Kultur nach Deutschland und baute rund herum sein Unternehmen auf. Er erlebte schwere Krisen, kämpfte sich aber wieder hoch. Inzwischen hat der immer noch begeisterte Skateboard-Fahrer die Geschäfte an seinen Sohn abgegeben und versucht Schüler und Studenten bei Vorträgen und Vorlesungen mit seinem Gründergeist anzustecken. Außerdem kümmert er sich um seine Stiftung "Skate Aid", die Jugendlichen in der Dritten Welt, etwa in Afghanistan, das Skateboarden beibringt. Dittmanns Motto: "Wenn ich die Kids für's Skaten gewinne, haben die Taliban keine Chance."

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