Blusen aus Kinderarbeit verkauft

31. Januar 2007, 13:09 Uhr

stern-Recherchen zufolge hat der Heine-Versand, eine Tochter des Otto-Konzerns, Blusen verkauft, die Kinder in einer indischen Kellerwerkstatt unter erbärmlichen Bedingungen hergestellt hatten. Otto hat den Kontakt zu dem verantwortlichen Lieferanten inzwischen eingestellt.

Die halbfertigen Blusen tragen bereits das Label des deutschen Versandhauses, dass sie für 39,90 Euro anbietet©

Das Versandhaus Heine, eine Tochter des Otto-Konzerns, hat nach Recherchen des Hamburger Magazins stern Blusen verkauft, die von Kindern unter erbärmlichen Bedingungen in Indien bestickt wurden. Wie das Magazin in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, wurden in einer Kellerwerkstatt in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi Blusen mit Pailletten versehen, die im Winterkatalog von Heine für knapp 40 Euro angeboten werden.

In der Werkstatt waren auch Kinder beschäftigt, die bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten mussten. Einige von ihnen wurden nach den Recherchen des stern von ihren Familien als Arbeitssklaven verkauft und erhielten keinen Lohn.

Nach Hinweisen des stern auf die Vorfälle untersuchte die Otto-Gruppe den Fall. Vertreter des Konzerns bestätigten dem stern, dass es in der Werkstatt sowohl Kinder- als auch Zwangsarbeit gegeben habe. Es handele sich um einen schlimmen Einzelfall. Die Otto-Gruppe sagte Hilfe für die Betroffenen zu und löste die Geschäftsbeziehung zu dem indischen Lieferanten, der die Aufträge an den Betreiber der Kellerwerkstatt vergeben hatte.

Mehr zum Thema im aktuellen stern, der ab Donnerstag am Kiosk liegt

KOMMENTARE (10 von 16)
 
pinkkitty (02.02.2007, 19:56 Uhr)
Naivität ohne Grenzen
Ich finde es furchtbar, wie sich einige Personen hier äußern. Ich bin selbst in der Textilbranche tätig und weiß genau, wie um die günstigsten Preise gekämpft wird. Natürlich ist Kinderarbeit dafür nicht zu rechtfertigen, allerdings möchte ich mal die Leute kennenlernen, die nicht gern günstig einkaufen. Würde man entsprechendes Shirt in Deutschland fertigen lassen, würde der Verkaufspreis sicherlich über 89,90 liegen. Wer würde die Bluse noch kaufen? Und an alle, die den Otto-Versand boykottieren wollen: Nur weil dieser Fall jetzt ans Licht gekommen ist, heißt es nicht, dass es Kinderarbeit nur bei der Otto-Group gibt. Oder wie sonst erklären Sie sich, dass in Textil-Discountern Winterjacken, für die die Seefracht schon 2,50 Euro pro Stück beträgt, für 15,00 Euro verkauft werden können? Die werden ja kaum so gutmütig sein und ihre Sachen verschenken!!!
Außerdem kann man Indien nicht mit Deutschland vergleichen. Den Kindern wird Bildung nicht frei zugänglich gemacht und Armut ist an der Tagesordnung. Die Kinder müssen arbeiten, um nicht zu verhungern. Die Arbeit ist und bleibt ihre einzige Chance. Wer damit nicht einverstanden ist, der sollte lieber Geld an entsprechende Hilfsorganisationen spenden und nicht so viel Zeit damit verbringen, sich groß aufzuregen.
hkaufmann (02.02.2007, 09:09 Uhr)
Da reiben sich die Linken wieder mal die Hände
Geiz ist Geil - wer kauft sich denn T-Shirts die in Deutschland/Europa produziert werden für 200 € ???
oder Teppiche ??
das ist doch verlogen
Wie soll man denn bei 44 Mio.Kinderarbeitern in Indien jeden Keller kontrollieren um nachzuschauen ob da nicht irgendwo ein Kind mitarbeitet.
Bildung ist das einzige Heilmittel
und ohne jede Arbeit würden wohl sehr sehr viele dieser Kinder verhungern. Man kann nicht europäische Standarts auf Asien und Afrika so einfach übertragen. Das sind Prozesse die sich mind. über Jahrzehnte hinziehen, und OTTO und andere verantwortungsvolle Unternehmen sind die einzigen die dafür einstehen und das Ganze fördern. Ich hoffe der Stern wird sich mit seien Gewinnen sich auch daran beteiligen und nicht nur darüber schreiben und den Profit einsacken
wernerl (01.02.2007, 09:49 Uhr)
Ball flach halten...!
Aus meiner Sicht, der häufig in Indien gewesen ist, ist das Thema sehr vielschichtig. Natürlich ist es reißerisch (vom STERN) in dieser Form darüber zu berichten und ein namhaftes Unternehmen in Misskredit zu bringen. Heute Otto, gestern Tchibo, übermorgen sonstwer.
Ich empfehle dem STERN - trotz der Betroffenheit, die sich auch bei mir breit macht - diesen Vorfall zu verwenden, um über die Lebensbedingungen in diesen Ländern detaillierter zu berichten - ohne gleich jemandem auf die Anklagebank zu setzen.
Es ist u.a. das Kastensystem in Indien verantwortlich für solche Verwerfungen, die weder von hier aus kontrolliert noch verhindert werden können. Es ist unmöglich in die indische Struktur einzudringen - trotz allen guten Willens und dem Code of Conduct oder Rugmark oder Fair Trade - und was es sonst noch alles gibt.
Geiz ist geil trägt einen Teil Mitverantwortung. Aber selbst wenn wir jetzt in den Spiegel schauen und Konsumgüter in diesen Ländern nicht mehr produzieren lassen - wer kümmert sich eigentlich dann um diese Kinder ? Um die Lebensverhältnisse in den Slums dieser Welt ?
Sorry, aber für mich ist diese Art der Berichterstattung reiner Boulevard... und der STERN tendiert ja schon länger in diese Richtung (weshalb ich mein Abo vor einem Jahr gekündigt habe). Wäre dieser Vorfall bei einem Importeur Müller und nicht bei Otto/Heine aufgetaucht... es wäre nicht mal eine Fußnote wert.
Sorry - das Thema Kinderarbeit, Sozialstandards ist zu wichtig, um es in dieser Form anzugehen.
/wl.
Mark-Man (01.02.2007, 09:40 Uhr)
Ethikstandards überfällig
Danke Stern-Redaktion, dass Sie diesen Missstand aufgedeckt haben. Aber sind wir nicht primär betroffen, weil die unter unwürdigen Bedingungen erzeugten Produkte auf unseren heiligen, heimischen Markt kommen? Tatsächlich sind End- und Vorprodukte, die auf systematischer Umgehung von Arbeitsstandards entstehen, alle auf irgend einem Markt der Welt unterwegs. Und damit erst wird Unterdrückung ökonomisch sanktioniert.
Was wir brauchen, sind verbindliche Ethikstandards für die Bekleidungsindustrie, welche diejenigen Unternehmen, die sie einhalten, auch den Verbraucherinnen und Verbrauchern kommunizieren können. Ähnlich, wie bei Fairtrade-Produkten bei Nahrungsmitteln. Wenn man in Geschäften danach fragt, erntet man nur Erstaunen, mit ganz wenigen Ausnahmen bei der Damenbekleidung.
Für die Bekleidungsindustrie ist hier ein Feld, auf dem vieles zu bestellen ist. Ich denke, dass nur mutige Firmen hier die Führung übernehmen können. Allgemeine Codes of Conduct sind definitiv zu wenig.
Wenn jemand Bekleidungsmarken kennt, die sich ethischen Standards verpflichten, wäre es ein guter Weg, diese zu bekannt zu machen. Sicherlich wird das die Missstände nicht unterbinden, aber wir sorgen dann dafür, mehr Bewusstsein für das zu erzeugen, was wir täglich, stündlich und minütlich an unserem Körper als zweite Haut tragen.
joee (01.02.2007, 08:08 Uhr)
Kinderarbeit in Deutschland...
...selbst die sind bei uns zu teuer. Aber Spaß beiseite. Ich finde es nicht richtig die Gesetze des Marktes "Nutzen- und Gewinnmaximierung" als Entschuldigung oder Rechtfertigung für Kinderarbeit herranzuziehen. Der Käufer ist ganz sicher nicht Schuld, wenn er den niedrigsten Preis sucht. Im Fall der Kinderarbeit bewegen wir uns im ökonomischen Spektrum der Kriminalität.
@rbauchinger
Das der Zweck die Mittel heiligt kann ja wohl nicht dein Ernst sein. In diesen Ländern gehen die Kinder zur "Arbeit" und auch zur Armee um Brot und Wasser zu bekommen. Dort leiden sie dann vielleicht keinen Hunger mehr, dafür ihre Gesundheit dahin, sie haben keine Ausbildung... Auch Menschen in der 3. Welt sind Menschen mit mehr als nur physiologischen Bedürfnissen. "Ist es angekommen"???? .......
rbauchinger (01.02.2007, 00:55 Uhr)
Kinderarbeit notwendig??????
Kinderarbeit ist tatsaechlich zu verurteilen aber in den armen Laendern sehr oft notwendig das eine Familie und somit auch das Kind ueberleben kann. Meine lieben Leute vom "STERN" seit jetzt so fair und ernaehrt jetzt die Kinder die durch Ihre gut gemeinten Aktion ihre Arbeit verloren haben und hungern muessen. Die Leute von "OTTO" wollen nur billig einkaufen um hinterher teuer zu verkaufen, animiert Einkauf Genossenschaften faire Preise fuer die Arbeit in den armen Laenden zu zahlen damit die Eltern soviel verdienen damit die Kinder zur Arbeit nicht benoetigt werden. Dass die Kinder arbeiten wollen diese Eltern auch nicht. "Ist es angekommen"???? ....... PS Wenn es in Deutschland so weiter geht werden unsere Kinde auch wieder arbeiten muessen, gelle. Oder wir vergreisen ganz weil wir keine Kinder mehr zeugen.
weimi (31.01.2007, 21:12 Uhr)
Zu kurz gedacht
Ziemlich bigott erscheint mir die massive Kritik an Otto. Wir alle rennen - Geiz ist geil - hinter Schnäppchen her, kaufen unsere Klamotten so günstig wie möglich. Aber verschwenden wir auch nur einen einzigen Gedanken daran, wie diese Preise möglich sind? Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, von meinen Schnäppchen jagenden Freundinnen je auch nur einen Satz darüber gehört zu haben.
Es mag unbequem sein, daran zu denken, aber Fakt ist: Unser Hunger auf billige Klamotten hat Folgen. Und des sind eben auch Lohndumping und Kinderarbeit. Dass sich dazu auch noch die Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland gesellt, weil die hohen Arbeitskosten hierzulande eine so billige, in Geizland marktfähige Produktion nicht zulassen, wird auch verdrängt.
Vor diesem Hintergrund ist es fatal, dass ausgerechnet ein Unternehmen wie Otto, dass seinen Lieferanten strenge Sozialregeln auferlegt, betrogen worden ist. Die Schwarzen Schafe der Banche, darunter sicher einige Textil-Dicounter, lachen sich ins Fäustchen und machen munter weiter wie bisher: Keine verpflichtenden sozialen Standards für die Lieferanten, keine Kontrollen. Leidtragende sind Frauen und Kinder, die für Hungerlöhne in China, Indien, Pakistan und Bangladesch unter unmenschlichen Bedingungen schuften. Menschen, die mit ihren mageren Salären ihre Familien durchbringen und von uns, den Verbrauchern und Käufern der Waren, gnadenlos ausgebeutet werden.
Die Nachfrage nach Billigklamotten schaffen wir, die Kunden. Es liegt in unserer Macht, durch unsere Kaufentscheidung auf auf die Arbeitsbedingungen in diesen Ländern Einfluss zu nehmen.
Statt zu verdammen sollten wir Firmen wie Otto stärken, die ihren Lieferanten strenge Regeln auferlegen. Je mehr Unternehmen das tun, desto schwerer werden es langfristig die Menschenverächter und Betrüger in Indien und anderswo haben, ihre Waren loszuschlagen.
joee (31.01.2007, 18:29 Uhr)
späte Betroffenheit
schade das die großen Worte immer erst Kommen wenn alles aufgedeckt wird - bitte mehr Hang zur Selbstkontrolle! Hinterher tuts immer jeden leid und in 3 Monaten ist alles wieder vergessen. Nicht mit mir!
OttoGroup (31.01.2007, 18:00 Uhr)
Wir sind ebenso betroffen ...
Liebe Kommentarschreiber,
erlauben Sie uns einen Beitrag von „offizieller“ Seite: Wie Sie, so sind auch wir sehr betroffen darüber, dass ein Artikel der Firma Heine unter Mitarbeit von Kindern in unwürdigen Verhältnissen entstanden ist. Gerade wir bei der Otto Group sind ja seit vielen Jahren bekannt dafür, dass wir höchste Sozialstandards bei unseren Lieferanten fordern und auch garantieren - damit Sie mit einem guten Gefühl bei uns einkaufen können.
Der Vorfall ist ein sehr bedauerlicher Einzelfall. Er trug sich bei einem Vorlieferanten zu, mit dem Heine gar kein direktes Vertragsverhältnis hatte. Gleichwohl machen wir unseren Hauptlieferanten dafür verantwortlich. Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass der Heine-Lieferant entgegen seiner vertraglichen Verpflichtungen die Arbeitsbedingungen bei seinem Vorlieferanten nicht überprüft hat. Das hätte er tun müssen und das hat er uns schriftlich gegeben. Doch leider führte wohl menschliches Versagen dazu, dass der Lieferant einen schweren Fehler begangen hat.
Im Vordergrund unserer Bemühungen standen natürlich die betroffenen Kinder. Gemeinsam und in Abstimmung mit indischen Behörden und Sozialorganisationen vor Ort haben wir deshalb sofort alle erforderlichen Schritte unternommen, um den Vorlieferanten vor Ort ausfindig zu machen und die betroffenen Kinder in Obhut zu nehmen. Wir werden den Kindern eine schulische und berufliche Ausbildung ermöglichen und ihnen damit die Chance für ein selbstbestimmtes Leben eröffnen.
Selbstverständlich werden wir sowohl mit dem Vorlieferanten des Lieferanten als auch dem Lieferanten nicht mehr zusammen arbeiten, weil das Vertrauen in beide nachweislich nicht gerechtfertigt ist.
Kinderarbeit ist nicht nur ein klarer Verstoß gegen indisches Recht. Sie widerspricht auch den Bestimmungen des seit 10 Jahren geltenden Code of Conduct, auf dessen Einhaltung alle Unternehmen der Otto Group ihre Lieferanten vertraglich verpflichten. Der Code of Conduct sieht das Verbot von Kinderarbeit nicht nur beim Lieferanten selbst vor. Er bestimmt überdies, dass der Lieferant die Einhaltung dieser Bestimmung auch bei den von ihm vor Ort beauftragten Vorlieferanten feststellt.
Dennoch haben wir den uns nun bekannt gewordenen Vorfall zum Anlass genommen, die bisherigen Kontrollmechanismen in unserem Sozialmanagementsystem noch einmal zu überprüfen und festzustellen, wie die Einhaltung von Sozialstandards auch bei Vorlieferanten in Zukunft noch besser gewährleistet werden kann. In einer umgehenden Aktion werden zur Zeit alle Lieferanten in Indien nochmals auf die Einhaltung der Sozialstandards, auch bei den Vorlieferanten überprüft – damit Sie auch weiter mit gutem Gefühl bei uns einkaufen können.
Wir hoffen, Ihnen deutlich gemacht zu haben, wie betroffen uns dieser Ausnahmefall gemacht hat und welche Schritte wir gehen, damit so etwas nicht wieder geschieht.
Für Rückfragen wenden Sie sich gerne an mich.
Thomas Voigt
Pressesprecher Otto Group
thomas.voigt@ottogroup.com
042020 (31.01.2007, 16:39 Uhr)
einzelfall
ist man so blod zu glauben das dieser fall aus Indien ein einzelfall ist. das gibts und geht weiter. hauptsache fur "OTTO" ist
viel geld zu machen damit noch mehr geld verdienen.Leute, bleibt alle weg da zu kaufen dan mal shen wie es geht.
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