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Die Bank, der Wind und die Mafia

Italienische Behörden haben einen Windpark in Kalabrien beschlagnahmt, weil er angeblich der Geldwäsche dient. Und wer hat das 200-Millionen-Projekt finanziert? Die HSH Nordbank.

Von Sandro Mattioli

  Windpark Isola di Capo Rizzuto in Kalabrien: Ein Geldwäscheprojekt der Mafia? Finanziert mit Geld der HSH Nordbank

Windpark Isola di Capo Rizzuto in Kalabrien: Ein Geldwäscheprojekt der Mafia? Finanziert mit Geld der HSH Nordbank

Der krisengeschüttelten HSH Nordbank droht ein neuer Skandal. Nach Erkenntnissen des #link;www.stern.de;stern# hat das Kreditinstitut mit rund 200 Millionen Euro einen Windpark in Süditalien finanziert, der von den dortigen Behörden beschlagnahmt wurde. Der Verdacht: Es handele sich um ein Geldwäsche-Projekt der kalabrischen Mafia. Die Bank bestätigte gegenüber dem stern die Beschlagnahme, wollte sich aber wegen der laufenden Untersuchungen nicht zu Details äußern. Gegen die HSH Nordbank selbst wird nicht ermittelt.

Die Bank war zuletzt wieder in die roten Zahlen gerutscht. Im Jahr 2009 musste sie von Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro und zusätzlichen Garantien über zehn Milliarden Euro gerettet werden.

Ein Geldwäsche-Projekt der Mafia?

Im neuen Skandal geht es um eine 96-Megawatt-Anlage namens Wind Farm ICR in der Nähe der Provinzhauptstadt Crotone mit einem Investitionsvolumen von mehr als 200 Millionen Euro. Der Windpark wurde von deutschen Unternehmen geplant, finanziert und gewartet. Bei Ermittlungen ist die italienische Finanzpolizei darauf gestoßen, dass mutmaßlich der Arena-Clan hinter dem Projekt steckt. Die Arena-Familie soll seit Mitte der 70er-Jahre mit Gewinnen aus dem Handel mit Drogen und Waffen sowie Schutzgelderpressung großen Reichtum angesammelt haben.

Nach umfangreichen Ermittlungen ließen die italienischen Behörden den Windpark im Juli diesen Jahres beschlagnahmen. Die entsprechende Verfügung liegt dem stern vor. Demnach gehen die Ermittler davon aus, dass das ganze Projekt der Geldwäsche dient. Laut Ermittlungsunterlagen stammt die Idee für den Windpark von Pasquale Arena, der als Vermögensverwalter des Clans gilt.

Kontakt von Bank-Vertretern zur Arena-Familie

Die HSH bestätigte dem stern, dass sie im Jahr 2007 "für eine deutsche Projektentwicklungsgesellschaft die Errichtung eines Windparks in Süditalien" finanziert habe. Seit Anfang 2010 habe man Kenntnis von den italienischen Ermittlungen, den Behörden Unterlagen übergeben und die "volle Unterstützung" zugesichert. Nach stern-Informationen spielt die HSH Nordbank in abgehörten Gesprächen und Telefonaten der Arena-Familie mehrfach eine Rolle. So ist die Rede davon, dass ein Mitglied der Arena-Familie mit einem Direktor der HSH befreundet sein soll. Am 16. Dezember sollen den Abhörprotokollen zufolge Bank-Vertreter den Windpark besichtigt haben – zusammen mit einem Mitglied der Arena-Familie.

Durch die Beschlagnahme drohen der HSH womöglich Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Bei Projektfinanzierungen ist es üblich, als Sicherheit Anteile an der Projektgesellschaft, den Anlagen selbst und die Erlöse aus Stromlieferverträgen zu verpfänden. Zurzeit wird der Windpark treuhänderisch verwaltet. Dazu laufen Untersuchungen, ob es sich sogar zum Teil um einen Schwarzbau handelt. "Aufgrund des Bankgeheimnisses" wollte sich die HSH gegenüber dem stern nicht über die Höhe ihres Engagements und zu den Folgen der Beschlagnahme äußern.

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