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Kinderarbeit für Damen-Top von Esprit

Skandal um Kinderarbeit bei Esprit: Die Modemarke hat ein Damen-Top verkauft, das indische Kinder unter unmenschlichen Bedingungen gefertigt haben, berichtet der stern. Unglaublich: Auch Firmen wie KarstadtQuelle, Metro, C&A und Lidl wollen Kinderarbeit nicht ausschließen.

Ein zurzeit zehntausendfach von der Modemarke Esprit verkauftes Damen-Top wurde von Kindern in Indien unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt. Das berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe. Das olivgrüne Hemd mit auffallendem Perlenbesatz im Ausschnitt und der Modellnummer S40762 wurde in einer Werkstatt in Neu Delhi, einem so genannten „Sweat-Shop“, von Jungen bestickt, die zum Teil gerade elf Jahre alt sind. Sie wurden größtenteils von ihren Eltern in die Sklavenarbeit in der Hauptstadt verkauft. stern-Mitarbeiter interviewten sie an ihrem Arbeitsplatz, an dem sie auch wohnten.

"Wir sind betrogen worden"

Mit Arbeitsproben und Beweisbildern konfrontiert, bestätigte Esprit-Chef Thomas Grote den Fall, der nach den Einkaufs-Verträgen von Esprit, die Kinderarbeit explizit ausschließen, eigentlich nicht möglich sein sollte. Grote zum stern: "Das geht gar nicht. Wir dachten, wir hätten eine lückenlose Kette. Wir sind eindeutig betrogen worden."

Esprit hat jegliche Zusammenarbeit mit dem Unter-Auftragnehmer, der seinerseits inzwischen abgetaucht ist, abgebrochen. Die auch nach indischem Recht illegale Werkstatt mit den Kinder-Sklaven ist aufgelöst. Esprit konnte bisher erst eines der Kinder finden und wird ihm nun eine Ausbildung finanzieren. Nach weiteren Jungen wird noch gesucht.

Firmen wollen Kinderarbeit nicht ausschließen

Der stern befragte in diesem Zusammenhang die größten deutschen Textileinzelhändler, ob sie garantieren können, dass ihre Textil-Produkte ohne Kinderarbeit hergestellt werden. Ergebnis: Die Mehrheit kann oder will das nicht. Nur fünf der 15 Unternehmen, die auf die Anfrage antworteten, sagten, sie könnten diese Garantie übernehmen. Die meisten schränkten ihre Aussage allerdings direkt wieder ein wie etwa das Modehaus Sinn-Leffers: "Im Rahmen des Machbaren". Neun weitere Firmen, darunter KarstadtQuelle, Metro, C&A, kik, Lidl und Plus wichen in ihren Stellungnahmen konkreten Zusagen aus. Nur die schwedische Modekette H&M antwortete, es sei "leider unmöglich, eine solche Garantie zu geben". Aldi Süd und Nord, Rewe sowie das Versandhaus Klingel verweigerten die Antwort.

Der stern berichtet außerdem über den Leidensweg von Kindern, die in den unzähligen Sweat-Shops der Slums von Neu Delhi auch für die westliche Textilwirtschaft arbeiten. Viele von ihnen kommen aus der armen Provinz Bihar und werden von ihren Eltern gegen falsche Versprechungen und gegen Zahlung von umgerechnet manchmal gerade zehn Euro über ein Netz von Schleppern verscherbelt.

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