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12. Oktober 2007, 18:28 Uhr

Vom Schweinestall zur Weltspitze

Wie sieht man aus, wenn man an die Weltspitze will? Ziemlich cool. Fridtjof, Christian und Matthias arbeiten hart, bieten Homepages für Jedermann an und nehmen den ganzen Web-2.0-Hype echt locker. Im Gespräch mit stern.de erklären die drei Ostfriesen, wie sie die Welle reiten.

Zoom

Born to be nordish: Matthias Henze, Christian Springub und Fridtjof Detzner© Gernot Kramper

Lüdingworth, ein kleines Dorf in Ostfriesland. Der Herbststurm treibt die Wolken über das moosbedeckte Dach des alten Hofes, bedrohlich streichen die Äste über das Dach. Alles schläft, nur im alten Schweinestall brennt noch Licht. Fridtjof Detzner und Christian Springub programmieren. Tagelang, nächtelang bauen sie Internetseiten für Bekannte und kleine Firmen aus der Region. Nebenbei gehen sie zur Schule.

Acht Jahre später sind die Jungs aus Lüdingworth nach Hamburg Bahrenfeld umgezogen und aus zwei sind drei geworden. Nach dem BWL-Studium kam Matthias Henze dazu. Zusammen sind sie "Jimdo". die Plattform auf der jeder, aber auch wirklich jeder innerhalb von Minuten seine eigene kostenlose Homepage zusammenbauen kann.

Mit dem Hype um Web 2.0 kam der zweite Schub der Start-Ups. Jimdo steht unmittelbar vor dem Einstieg von Großinvestoren und damit vor dem großen Durchbruch. Von der hektischen Nervosität des einstigen Börsenfiebers ist bei der neuen Generation der Beinahe-Millionäre nichts zu spüren. Auf dem Tisch steht Tüten-Zucker der Billigmarke. Alle warten auf Fridtjof, der ist noch zu Hause "in Cux" (Cuxhaven) der Wagen wollte nicht anspringen. Dafür kommt Christian pünktlich. "Will einer was von dem Brötchen haben?" Rhetorische Frage, Christian schiebt Brötchen und Hörnchen zu sich rüber und frühstückt erstmal, Matthias übernimmt das Gespräch. Die Espresso-Maschine im Büro ist hin, dafür gibt es Melitta-Plörre.

Matthias und Christian, ihr habt gleich zwei Firmen?

Matthias: Unser Konzept bei NorthClick ist die "einfache Pflege von Webseiten" für kleine Unternehmen. Unser Content Management System ist extrem einfach. Das ist die eigentliche Innovation. Das kann jeder pflegen, ohne zu einer Agentur zu gehen. Unsere erste Firma "NorthClick" richtet sich an Geschäftskunden, das vermieten wir für 29 Euro im Monat. Mit "Jimdo" verschenken wir im Grunde Webseiten. Jeder kann sich mit Jimdo kostenlos eine eigene Webseite gestalten.

Christian: NorthClick haben wir damals noch im Stall gegründet. Da war noch ein Schwein mit dabei.

Matthias: Wir haben alle früh angefangen. Fridtjof und Christian hatten schon die Agentur aus der Schulzeit. Ich habe nach dem Studium auf dem Bau und im Call-Center gearbeitet. So konnten wir uns über Wasser halten. Die Jungs haben ein halbes Jahr entwickelt und ich habe das Geschäftsmodell gemacht. Dann haben wir noch einen Wettbewerb gewonnen und 18.000 Euro bekommen. Das war unser Startkapital.

Das ist ja nicht viel Geld. Und damti kam der Erfolg?

Christian: Das dachten wir zumindest, damals hatten wir ja null Ahnung. Wir haben so geplant: Unser Produkt ist super, das braucht jeder. Also kauft das auch jeder. Und so sah unsere Kurve auch aus, nach zwei Jahren wären wir mehrfache Millionäre gewesen. Aber schnell war klar: "Mmmh, nur ein gutes Produkt reicht offenbar nicht."

Fridtjof: Das war eine harte Ernüchterungsphase. Wir haben die Ziele alle nicht erreicht, kein Stück. Damals mussten wir echt mit uns kämpfen.

Inzwischen habt ihr Kunden wie die CDU und den Bundesverband der Unternehmensberater. Wie habt ihr das hinbekommen?

Matthias: Da haben wir mächtig Stoff gegeben, um Kunden zu kriegen.

Christian: Bei der CDU ging das fast von allein, die haben uns eingeladen. Also haben wir schnell einen Anzug von Papa angezogen. Das war dann cool zu sehen, wie die keine Scheu davor gehabt haben, dass wir etwas anders aussehen.

Fridtjof: Unsere Kunden sehen meist streng nach Business aus. Zuerst hatten wir Angst, dass das bei uns mit dem Anzug immer mehr wird. War aber nicht. Jetzt ziehen wir fast nie Anzüge an.

Der Investor Die Samwer-Brüder Marc, Alexander und Oliver investieren über ihren European Founders Fund in Jimdo. Oliver Samwer: "Jimdo ist für uns so interessant, weil die Jungs ein wirklich innovatives und überzeugendes Produkt entwickelt haben. Es gibt im Moment einfach keine einfachere und bessere Möglichkeit, sich selbst eine Webseite einzurichten. Noch dazu hat uns das Gründerteam absolut überzeugt: Christian, Fridtjof und Matthias sind auf dem Boden geblieben und höchst professionell."

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