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Familie Stoiber filmt Merkel

Der Schwiegersohn von Edmund Stoiber produziert die Internetvideos der Kanzlerin. Familienverhältnisse sollen bei der Wahl keine Rolle gespielt haben. Wie viel billiger die Spots werden, ist jedoch nicht bekannt.

Der Schwiegersohn von CSU-Chef Edmund Stoiber übernimmt die Produktion der wöchentlichen Videos der Bundeskanzlerin im Internet. Die Münchner Internetagentur Evisco habe sich im Auswahlverfahren gegen 17 andere Bewerber durchgesetzt, weil sie das wirtschaftlichste Angebot abgeliefert habe, sagte eine Regierungssprecherin in Berlin. Dabei sei es um die Angebote der Firmen gegangen und nicht um die Familienverhältnisse ihrer Beschäftigten. Einer der Vorstände von Evisco ist Stoibers Schwiegersohn Jürgen Hausmann.

Der Informatiker Hausmann ist seit Ende 1998 mit Stoibers ältester Tochter Constanze verheiratet. Hausmann sagte der "Augsburger Allgemeinen": "Ich habe schon erwartet, dass nun Fragen nach meinen familiären Bindungen kommen." Beziehungen hätten bei der Auftragsvergabe aber keine Rolle gespielt. "Wir haben den Auftrag durch Leistung und einen guten Preis gewonnen." Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" gilt der Auftrag mit einem Volumen von rund 40.000 Euro bis Ende des Jahres. Der bisherige Anbieter sei teurer als Evisco gewesen.

Hochwertiger und leichter zugänglich

Die Entscheidung für Evisco sei in einem siebenköpfigen Gremium aus Mitarbeitern verschiedener Abteilungen gefallen. Die Ausschreibung und die entsprechende EU-Richtlinien seien streng eingehalten worden. "Die Bewerber wurden in einem transparenten Verfahren nach einem festgelegten Schlüssel beurteilt", so die Regierungssprecherin. Kritiker hatten geklagt, dass die Kosten pro zweiminütigem Spot anfänglich etwa 6500 Euro betrugen. Die ersten Videoblogs der Kanzlerin waren noch von der Firma RCC des Journalisten und Merkel-Biografen Wolfgang Stock produziert worden. Wie viel das Videoblog nun kostet, gab das Bundespresseamt nicht bekannt.

"Es werden sich Dinge ändern", kündigte Evisco-Vorstand Götz Schulz-Temmel an. Merkels Videos sollen hochwertiger produziert werden und leichter zugänglich sein. Es werde auch darüber nachgedacht, wie die Spots in Zukunft dargestellt werden könnten. Merkel selbst hatte zu Beginn ihrer Internetauftritte in einem Interview mit der Bloggerin Katharina Borchert festgestellt: "Dann ist mir auch aufgefallen, dass es vielleicht für die, die da gucken noch ein bisschen steif ist, wenn ich da immer so vom Teleprompter ablese."

Nächste Übertragung Ende August

Evisco solle weiter jeden Samstag eine Videobotschaft der Kanzlerin produzieren. Der Auftrag laufe vorerst bis Jahresende, hieß es im Bundespresseamt. Nachdem Merkel derzeit im Urlaub ist, werde die nächste Übertragung wahrscheinlich Ende August wieder im Internet stehen.

Merkel war erstmals am 8. Juni per Videoblog aufgetreten - und nutzte damit als weltweit erste Regierungschefin das neue Medium. Zu dieser Zeit hatte der Merkel-Biograf Wolfgang Stock die redaktionelle Leitung inne. Später wurde der Auftrag nach Kritik öffentlich ausgeschrieben. Die Firma Evisco wurde laut Schulz-Temmel im Jahr 2000 gegründet und beschäftigt derzeit etwa 30 Mitarbeiter.

DPA/AP/Reuters/AP/DPA/Reuters
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