VWs wichtigster Scheich

22. April 2010, 15:47 Uhr

Bei VW beginnt eine neue Ära: Ein Vertreter des Großaktionärs Katar wird in den Aufsichtsrat gewählt. Dahinter steckt ein ehrgeiziger Strategiewechsel der Investoren. Von Claus Hecking, Riad und Margaret Hucko

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Mehr Tempo für VW: Hussain Ali Al-Abdulla ist Chef der Qatar Holding©

Wolfsburg? Hussain Ali Al-Abdulla stutzt. Wolfsburg? Ratlos blickt er zu seiner PR-Frau, die ihm auf die Sprünge hilft. "In Wolfsburg ist der Sitz von Volkswagen", sagt sie dem Mann aus Katar, der vor wenigen Stunden in Hamburg gelandet ist. "Ja, ich war schon mal da", entsinnt sich Al-Abdulla schließlich. Dann lacht er freundlich, nippt an der weißen Tasse und schluckt den kleinen Fauxpas mit grünem Tee hinunter.

"In den letzten 50 Jahren bin ich nie länger als 15 Tage an einem Ort gewesen", sagt er. In Wolfsburg war er bloß drei Stunden - für eine Werksführung und eine Vertragsunterzeichnung. Das war im August vergangenen Jahres, als die Qatar Holding beim Wolfsburger Autobauer einstieg.

"Volkswagen ist der beste Autokonzern der Welt"

Nun sitzt Al-Abdulla, Chef der Qatar Holding, im Café des Hamburger Fünf-Sterne-Hotels Vier Jahreszeiten, direkt an der Alster. Gleich wird er das Management und die Aufsichtsratsmitglieder von VW treffen - zum lockeren Kennenlernen. Einen Kreis, zu dem er schon bald gehören wird.

Al-Abdulla ist schlank, nicht groß, trägt einen grauen Anzug, weißes Hemd, eine blaue Louis-Vuitton-Krawatte. Er sieht aus wie ein Londoner Investmentbanker, smart, weltläufig, und spricht auch so. "Wir möchten Geld machen", sagt er und lächelt. "Volkswagen ist der beste Autokonzern der Welt", schiebt er nach. "Die haben das Wissen und die Technologie, um zehn Millionen Autos pro Jahr zu bauen." Besser hätte das VW-Vorstand Martin Winterkorn auch nicht formulieren können.

Arabische Investoren sind keine Seltenheit

Da ist er also, einer der neuen Herren bei VW, einer der großen Unbekannten aus dem fernen Katar. Es ist mehr als ein Anstandsbesuch. Am Donnerstag wird Al-Abdulla auf der VW-Hauptversammlung in Hamburg als erstes Mitglied des neuen Großaktionärs aus dem Golfstaat zum Aufsichtsrat von Europas größtem Autobauer gewählt. Er will mitreden, mitbestimmen.

Nicht nur für die Wolfsburger beginnt damit eine neue Ära. Arabische Investoren sind in deutschen Konzernen keine Seltenheit. Doch bisher haben sie sich meist nur beteiligt - und im Hintergrund gehalten. Die neue Generation vom Schlage Al-Abdullas will mehr sein als Geldgeber und stiller Teilhaber. Diese arabischen Investoren bringen nicht nur Kapital mit, sondern Strategien, Pläne und Ehrgeiz. Sie wollen gestalten und anpacken, nüchtern und pragmatisch. Daran lässt auch Al-Abdulla bei seinem Besuch in Hamburg keinen Zweifel. "Ich möchte den Anteilseignern helfen, mehr Geld zu machen", sagt er. Er ist überzeugt, dass VW von seiner Kenntnis des Marktes profitieren kann.

Kaum einer hatte mit Engagement gerechnet

Er ist promovierter Ökonom, studiert hat er an der englischen Universität in Bradford. Seit 1990 arbeitet der 53-Jährige in Führungspositionen, etwa bei der International Islamic Bank oder Qatar Petroleum.

Als der Staatsfonds von Katar vergangenen Sommer bei VW einstieg, hatte mit so viel Engagement kaum einer gerechnet. Monatelang hatte der damalige Porsche -Chef Wendelin Wiedeking um die Gunst und das Geld der Scheichs gerungen - dringend brauchte er Kapital, um die Sportwagenschmiede vor der Insolvenz zu retten.

Ursprünglich wollte Porsche den größeren VW-Konzern schlucken. Aber Wiedeking hatte sich bei der Übernahme verhoben, häufte Schulden von rund zehn Milliarden Euro an. Das Geld der Banken reichte nicht, um die Zukunft der Zuffenhausener zu sichern. Dann kam die rettende Zusage der Scheichs.

Dieser Artikel wurde übernommen...

Dieser Artikel wurde übernommen... ... aus der aktuellen Ausgabe der "Financial Times Deutschland"

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