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Schuldenschnitt und raus aus dem Euro

Radikaler Schuldenschnitt und in der Folge der Ausstieg aus der Eurozone: So sieht nach Ansicht von Otmar Issing die Zukunft Griechenlands aus. Im stern redet der ehemalige EZB-Chefvolkswirt Klartext.

  Hält eine Selbstheilung Griechenlands für "ausgeschlossen": Otmar Issing

Hält eine Selbstheilung Griechenlands für "ausgeschlossen": Otmar Issing

Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, fordert einen Schuldenschnitt für Griechenland und hält in der Folge einen Ausstieg des Landes aus der Eurozone für unvermeidlich. In einem Interview mit dem stern sagte der langjährige Notenbanker, er halte es für "ausgeschlossen" dass Griechenland mithilfe radikaler Sparmaßnahmen wieder auf die Beine komme. Das Land würde im kommenden Jahr eine Schuldenquote von 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. "Den Schuldendienst für diese horrende Last kann das Land schlicht und einfach nicht mehr leisten", sagte Issing.

Neben dem ehemaligen EZB-Ökonomen plädiert eine ganze Reihe von Volkswirten für einen Schuldenschnitt. So hatten zehn Experten in der "Financial Times Deutschland eine Umschuldung gefordert. In einem Gastbeitrag für stern.de sprach sich auch der Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HHWI), Thomas Straubhaar, dafür aus forderte die Politik auf, die Voraussetzungen zu schaffen, dass ein Euro-Land auch Pleite gehen können.

Der renommierte Wirtschaftsprofessor folgerte: "Ohne einen gravierenden Schuldenschnitt kommt das Land nicht mehr auf die Beine." Dieser müsse "mindestens 50 Prozent, wahrscheinlich mehr" betragen. Das gehe nicht innerhalb der Währungsunion. Daher müsse Griechenland nach einem Schuldenschnitt aus der Eurozone ausscheiden. Issing begründete dies im stern so: "Eine Umschuldung in der Eurozone wäre ein faktischer Freibrief für Griechenland und andere hoch verschuldete Länder, sich über eine Reduzierung der Schulden ihrer Probleme zu entledigen." Das wäre "das Ende der Währungsunion".

Issing warnte vor eine Ansteckung anderer Euroländer durch die aktuelle Krise. Dies müsse verhindert werden, denn etwa Italien sei "viel zu groß, um von anderen gerettet zu werden". Der Ökonom hält die Warnung des Internationalen Währungsfonds (IWF) für berechtigt. In einem solchen Falle könne das ganze Finanzsystem zusammenbrechen: "Diese Gefahr besteht in der Tat."

Auch vor Eurobonds, also gemeinsamen Anleihen der Eurozone, warnte der Ökonom. "Wer Eurobonds will, wird sich als Totengräber eines stabilen Euro erweisen", sagte Issing. "Am Ende drohen bislang solide Länder in einem Verschuldungsstrudel zu versinken. Dann würde auch Deutschland finanzpolitisch ersticken. Dann ist das Projekt stabiler Euro gestorben."

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