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Kanaren wehren sich gegen geplante Bohrungen

Noch in diesem Jahr will der spanische Mineralölkonzern Repsol mit der Erdölsuche vor den Kanarischen Inseln beginnen. Die Bewohner wollen das verhindern - und planen jetzt sogar ein Referendum.

  "Wir leben hier, wir entscheiden hier" steht auf den Plakaten: Auf Teneriffa protestierten Hunderte gegen die geplante Erdölsuche vor den Kanarischen Inseln

"Wir leben hier, wir entscheiden hier" steht auf den Plakaten: Auf Teneriffa protestierten Hunderte gegen die geplante Erdölsuche vor den Kanarischen Inseln

Tausende Arbeitsplätze und Einnahmen in Millionenhöhe: Dies verspricht der spanische Mineralölkonzern Repsol den Kanarischen Inseln, wenn seine Erdölsuche im Atlantik erfolgreich ist. Ein großer Teil der Bewohner der Urlaubsinseln will von den geplanten Probebohrungen vor den Küsten von Lanzarote und Fuerteventura aber nichts wissen. Am Wochenende protestierten Tausende Menschen gegen das Vorhaben.

Dazu gehörte auch Paulino Rivero. Der Ministerpräsident der kanarischen Regionalregierung schloss sich auf La Graciosa, mit 700 Einwohnern die kleinste bewohnte Insel des Archipels, den etwa 150 Demonstranten an. Seine Regierung setzte für den 23. November ein Referendum an, bei dem die Bewohner der Inselgruppe über die Erdölsuche abstimmen sollen. Die spanische Zentralregierung will das Votum jedoch - ebenso wie das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien - durch das Verfassungsgericht unterbinden lassen. Die ersten Schritte zu einer Verfassungsklage leitete Madrid bereits ein.

Kanaren fürchten um den Tourismus

Die spanische Regierung hatte Repsol vor zwei Monaten offiziell die Erlaubnis erteilt, etwa 60 Kilometer östlich von Lanzarote und Fuerteventura von Schiffen aus drei Probebohrungen bis in Tiefen von 3000 bis 6900 Metern vorzunehmen. Wenn Gefahren für die Umwelt auftreten oder Erdbeben von einer Stärke von über 4,5 registriert werden, müssen die Bohrungen sofort gestoppt werden.

Auf den Kanaren sind neben der Regionalregierung alle politischen Parteien - außer der konservativen Volkspartei (PP) des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy -, die Gewerkschaften, die Tourismusbranche und Umweltschutzgruppen gegen das Vorhaben. Ihr wichtigstes Argument lautet: Ein Unglück kann dramatische Konsequenzen haben und bewirken, dass die Urlauber wegbleiben. Der Tourismus bildet mit rund 30 Prozent der Wirtschaftskraft die Lebensgrundlage der Kanaren.

Repsol verspricht tausende Arbeitsplätze

Demgegenüber betonen Repsol und die Madrider Regierung, dass es sich nur um Probebohrungen handele. Die Erfolgsaussichten werden auf etwa 20 Prozent geschätzt. Für eine Erdölförderung muss eine neue Genehmigung beantragt werden. "Spanien kann sich den Luxus nicht leisten, auf die Erdölsuche zu verzichten", sagte Industrieminister José Manuel Soria, der selbst von den Kanaren stammt. Spanien hänge beim Mineralöl zu 99 Prozent von Importen ab. "Es würde sich lächerlich machen, wenn es auf die Suche verzichtete und dann Marokko vor seiner Küste Erdöl fände."

Falls bei den Kanaren Öl gefördert werden kann, sollen auf den Inseln 3000 bis 5000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden und der Archipel im Jahr 300 bis 400 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen erhalten. "Erdölsuche und Tourismus schließen sich nicht aus", meinte Repsol-Präsident Antonio Brufau. Als Beispiele für eine Koexistenz nannte er Tarragona, Rio de Janeiro oder Malibu im US-Bundesstaat Kalifornien. Die Probebohrungen will das Unternehmen noch in diesem Jahr beginnen.

Dagegen hält Rivero der Zentralregierung vor, die Kanaren "wie eine Kolonie" zu behandeln. "Man versucht, uns weiszumachen, dass das Erdöl dem Volk Reichtum bringe. Aber da braucht man nur nach Nigeria, Mexiko oder Venezuela zu schauen", sagte der kanarische Regierungschef. Antonio Hormiga, Verbandspräsident der Tourismusunternehmer auf Fuerteventura, sagte der Zeitung "El País": "Das Meer, die Strände und der Tourismus - das sind unser Erdöl. Das Beste wäre, wenn man bei der Suche kein Öl fände."

Hubert Kahl, DPA/DPA
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