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Leichte Erholung bei gleichen Problemen

Für die deutschen Kinos geht es nach einer tiefen Talsohle wieder ein kleines Stück bergauf. Doch obwohl Filme wie "Ice Age II" und "Da Vinci Code" für mehr Besucher sorgten, bleiben die grundsätzlichen Probleme erhalten.

Nach einem wahren Katastrophenjahr 2005 ist die Kinobranche wieder auf dem Weg der Besserung. Dank Filmen wie dem Animationsstreifen "Ice Age II" und dem Religionsthriller "Da Vinci Code" kamen im bisherigen Jahresverlauf wieder mehr Besucher in die Lichtspielhäuser als im Vorjahr, das mit einem Besucherminus von 19 Prozent auf 127 Millionen verkaufte Tickets zu den schlechtesten überhaupt gehörte. Die Kinobetreiber schoben das auf die schwachen Filme aus Hollywood; es fehlten echte Blockbuster. Doch die Krise der Branche hängt nicht nur mit dem Filmangebot zusammen und ist keineswegs vorbei.

Heimkino als scharfe Konkurrenz

Für 2006 rechnen die Kinos mit einem Zuschauerzuwachs von fünf bis zehn Prozent, das wären ungefähr 7 bis 13 Millionen zusätzlich verkaufte Kinokarten. Auch mit einem solchen Plus lägen die Besucherzahlen aber immer noch niedriger als in den Jahren von 1999 bis 2004. Gegen das Kino laufen einige große Trends, die auch mit guten Filmen nicht zu überdecken sind: Die Konkurrenz durch Internet und Videospiele, die demographische Ausdünnung der kinofreundlichen jüngeren Jahrgänge und die technische Aufrüstung der heimischen Wohnzimmer mit Großbildfernsehern, DVD-Playern und Dolby- Surround-Anlagen.

"Das erste Halbjahr war soweit ganz gut, trotz der Fußball-WM und der großen Sommerhitze", sagt Arne Schmidt von der Hamburger Kino-Kette CinemaxX. Zwar kamen während der WM nur wenige Besucher in die Kinos, um sich einen Film anzusehen, aber die Übertragung der Spiele in die gut klimatisierten Kinosäle fand ihr Publikum. "Damit sind wir wieder ein Stück vorangekommen, das Kino zu einem Treffpunkt zu machen", meint Schmidt.

Punktgenaue Angebote sollen locken

Die Kinobetreiber auf dem deutschen Markt, der von CinemaxX, Greater Union ("Cinestar"), UCI und einigen kleineren Ketten dominiert wird, wollen Zielgruppen wie Frauen, ältere Menschen, Fußballfans oder Musikliebhaber mit punktgenauen Angeboten in die Kinos locken. Dazu hat die Branche eine Image-Kampagne unter der Überschrift "Kino - dafür werden Filme gemacht" gestartet, um sich der Krise entgegen zu stemmen. "Die Resonanz ist sehr positiv, aber es wird ein wenig dauern, bis sich die Kampagne in steigenden Besucherzahlen niederschlägt", sagt Jan Oesterlin, Geschäftsführer der Zukunft Kino Marketing GmbH in Berlin.

Das große Kinosterben, dass nach dem Aufbau erheblicher Überkapazitäten in den neunziger Jahre befürchtet wurde, bleibt vorläufig aus. Lediglich zwei größere Multiplex-Kinos in Berlin und Hamburg gaben auf. "Ein Trend ist das nicht", sagt Oesterlin. Großartig Geld verdienen lässt sich allerdings in der Branche kaum. Der börsennotierte CinemaxX-Konzern hat bislang noch nicht einmal einen Abschluss für das Jahr 2005 vorgelegt und begründet die Verzögerung mit der aufwendigen Umstellung der Bilanz auf den internationalen Standard IFRS.

Kassenknaller in der Pipeline

Greater Union, deren Muttergesellschaft Amalgamated Holdings an der Börse in Sydney notiert ist, hat erst vor einem guten halben Jahr 4,7 Millionen australische Dollar (2,8 Millionen Euro) auf die deutschen Kinos abgeschrieben. Konkrete Zahlen über Zuschauer und Besucher gibt die deutsche Organisation nicht preis. "Es ist kein Geheimnis, dass die deutschen Kinobetreiber noch keinen Grund zum Jubeln haben", sagt Cinestar-Sprecher Thomas Schulz. Die Überkapazitäten drücken auf die Renditen.

Für den Rest des Jahres gibt sich die Branche dennoch zuversichtlich. Johnny Depp als Captain Jack Sparrow hat in "Fluch der Karibik II" bereits stark eingeschlagen, ebenso die Animationsfilme "Hui Buh, das Schlossgespenst" und "Ab durch die Hecke". Einige Kassenknaller sind noch in der Pipeline. Die Hoffnung der Kinobetreiber richtet sich nun auf die Literaturverfilmung "Das Parfüm", einen neuen James-Bond-Film, die Fortsetzung der "Sieben Zwerge" mit Otto und anderen Comedians sowie vielleicht die Rückkehr von "Superman" und "Miami Vice".

Eckart Gienke/DPA/DPA

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