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Eine Form von Korruption

Ohne auch nur eine Sekunde mit der Wimper zu zucken, wechselt Transnet-Chef Norbert Hansen die Fronten und wird Mitglied im Vorstand der Bahn. Ein einmaliger Vorgang - noch nie in der Geschichte der Gewerkschaften ließ sich jemand so schamlos einkaufen.

Von Arno Luik

Die Zeit der Scham ist vorbei. Nein, falsch, so einen Begriff wie Scham scheint es für manche Kreise in diesem Land nicht mehr zu geben. Man kümmert sich einfach nicht mehr um so merkwürdige Dinge wie Anstand und Moral.

Norbert Hansen, ehemaliger Chef der Eisenbahngewerkschaft Transnet, wechselt nun also zur Mehdorn-Bahn, wechselt als Vorstandsmitglied auf die Seite des Kapitals. Man ahnte es, nun erklärt sich der Eifer des 55-Jährige Hansen, mit dem er sich in den vergangenen Jahren so vehement gegen die offizielle Linie der Gewerkschaften in Sachen Bahnprivatisierung gestellt hatte, weshalb er sich in seiner Gewerkschaft, in seiner SPD so heftig für die Privatisierung à la Bahnchef Mehdorn stritt.

Sehnsucht nach alten Zeiten

Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung, dass sich ein Arbeiterführer so schnell, so wahrhaft schamlos für seine Hilfsdienste einkaufen ließ. Überspitzt könnte man zum Fall Hansen sagen: Es ist eine Form der deutschen Korruption - bezahlt wird hinterher.

Fast sehnt man sich in diesen Tagen nach einem Gewerkschafter wie Franz Steinkühler zurück. Der IG-Metall-Chef machte vor fast zwei Jahrzehnten ein paar Zehntausend Mark Gewinn nach einem Insider-Geschäft. Bei allem Unanstand hatte er noch Anstand: Er trat zurück.

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