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Deutsche Wirtschaft bricht um 5,0 Prozent ein

Es ist der stärkste Einbruch seit Ende des Zweiten Weltkriegs: Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ist 2009 um 5,0 Prozent geschrumpft. Die Haushaltslage sieht nicht besser aus. Mit einem Defizit von 3,2 Prozent überschritt Berlin die EU-Grenze.

Die deutsche Wirtschaft hat 2009 den stärksten Einbruch der Nachkriegszeit erlitten. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte um 5,0 Prozent im Vergleich zu 2008, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten lediglich mit einem Minus von 4,8 Prozent gerechnet. 2008 war die Wirtschaft noch um 1,3 Prozent gewachsen, 2007 sogar um 2,5 Prozent.

Grund für die schwere Rezession war der Einbruch bei Exporten und Investitionen. Die Ausfuhren gingen um 14,7 Prozent zurück, während die Unternehmen 20,0 Prozent weniger für Maschinen, Fahrzeuge und andere Investitionsgüter ausgaben. Auch die Bauinvestitionen schrumpften um 0,7 Prozent. Der private Konsum zog dagegen um 0,4 Prozent an, weil die Preise kaum stiegen und die Abwrackprämie den Autokauf kräftig angekurbelt hatte. Der Staatskonsum nahm um 2,7 Prozent zu.

Für 2010 erwarten Volkswirte, dass die deutsche Konjunktur die Folgen der Krise zunehmend hinter sich lassen wird. Die Wachstumsprognosen reichen von 1,6 Prozent bis 2,3 Prozent. "Die Rezession ist ganz klar vorbei, aber noch nicht die Wirtschaftskrise", mahnte allerdings Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Die Unternehmen werden immer noch viel weniger produzieren als vor der Krise."

Schon im vierten Quartal 2009 geriet die Erholung laut Statistischem Bundesamt ins Stocken. "Das BIP hat preisbereinigt im vierten Quartal auf dem Niveau des Vorquartals stagniert", sagte ein Statistiker. Im zweiten (plus 0,4) und im dritten Quartal (plus 0,7) hatte das BIP zugelegt. Im ersten Quartal 2009 hatte es einen Rückgang von um 3,5 Prozent zum Vorquartal gegeben.

Verschuldung übersteigt EU-Grenze

Die Staatsverschuldung stieg im Krisenjahr 2009 deutlich. Das Defizit von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen erhöhte sich auf 77,2 Milliarden Euro. Die Summe entspricht 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Damit wurde die im EU-Stabilitätspakt festgesetzte Schuldengrenze von 3,0 Prozent erstmals seit 2005 wieder verletzt.

Ökonomen hatten mit einem solchen Ergebnis für 2009 gerechnet: wegen Mehrausgaben für Konjunkturprogramme, Kurzarbeit und zugleich sinkenden Steuereinnahmen. "Damit weist Deutschland aber nach Luxemburg die niedrigste Defizitquote von allen Euro-Ländern aus", sagte Krämer. 2008 hatte der Staat lediglich 1,05 Milliarden neue Schulden aufgetürmt, was einer Defizitquote von null Prozent entsprach.

Reuters/DPA/DPA/Reuters

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