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China überholt Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft

Nach mehr als 40 Jahren muss Japan den zweiten Platz in der Tabelle der stärksten Wirtschaftsmächte räumen. Das Wirtschaftswachstum des Landes ist im zweiten Quartal fast zum Stillstand gekommen. Nachbar China zieht an dem Inselstaat vorbei.

China hat Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den USA überholt. Nach vorläufigen Berechnungen der Regierung in Tokio belief sich Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Kalenderquartal auf 1,28 Billionen Dollar, während China auf 1,33 Billionen Dollar kam.

Zwar lassen sich die Zahlen nicht ohne weiteres vergleichen, da sie nicht um saisonale Faktoren bereinigt sind. Dennoch gilt es als wahrscheinlich, dass der aufstrebende Nachbar Japan auch aufs ganze Jahr gesehen als Nummer Zwei ablöst.

BIP Japans steigt minimal

Japans Wirtschaft ist zwar weiter gewachsen, jedoch deutlich langsamer als von Volkswirten erwartet. Nach den Berechnungen der Regierung stieg das BIP im Berichtszeitraum angesichts geringerer Exporte und des schwachen Privatkonsums nur noch mit einer hochgerechneten Jahresrate von 0,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorquartal sei das BIP im Zeitraum von April bis Juni um 0,1 Prozent gestiegen, teilte die Regierung in Tokio am Montag weiter mit. Dazu trug nicht zuletzt bei, dass die Wirkung der von der Regierung in der Krise ergriffenen Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur nachlässt.

Zwischen Januar und März war Japans Wirtschaft noch um 4,4 Prozent gewachsen und im Vorquartal um 4,1 Prozent. "Ich denke, die jüngsten Daten zeigen, dass die Wirtschaft weiter stetig zugelegt hat", sagte der japanische Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Satoshi Arai. Er warnte jedoch vor Risiken für Japans nach wie vor stark exportabhängiger Wirtschaft wie den unklaren Konjunkturaussichten in China, den USA und in Europa, auch wenn die Exporte nach Europa zuletzt um 5,9 Prozent zulegten. Zugleich befindet sich Japans Wirtschaft weiter im Griff einer Deflation mit andauernd fallenden Preisen.

Eine Deflation hat schlimme Auswirkungen auf die Wirtschaft. Sie drückt die Umsätze und Gewinne der Unternehmen, die dann Abstand von Investitionen nehmen und Arbeitsplätze abbauen. Verbraucher halten dann wiederum mit Anschaffungen zurück, wodurch sich der Preisverfall noch verschärft. Die jüngsten schwachen BIP-Daten könnten den Druck zum einen auf die Regierung erhöhen, neue Konjunkturmaßnahmen zu ergreifen, um die Erholung aufrechtzuerhalten. Zugleich könnte sich die Zentralbank gezwungen sehen, die ohnehin bereits extrem losen geldpolitischen Zügel noch weiter zu lockern.

Seit 40 Jahren an Nummer zwei

Die Verbraucherausgaben, die in Japan zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, erhöhten sich im Berichtszeitraum um lediglich 0,03 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im Vorquartal waren sie noch um 0,5 Prozent gestiegen. Ein weiteres Indiz für die nachlassende Binnennachfrage ist die Entwicklung der Unternehmensinvestitionen, die sich nur noch um 0,5 Prozent erhöhten. Die jüngste rasante Festigung des Außenwerts des Yen könnte die Investitionslust der Unternehmen noch weiter trüben. Der Wechselkurs zum Dollar hat vergangene Woche den höchsten Stand in 15 Jahren erreicht.

Japan hielt seit 1968 den Titel als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hinter den Vereinigten Staaten. Damals überholte Japan Deutschland. Die Japaner gehören trotz allem aber immer noch zu den reichsten Völkern der Welt. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen betrug im vergangenen Jahr umgerechnet 37.800 Dollar, während die Chinesen nur auf 3600 Dollar pro Kopf kamen. Die Amerikaner lagen mit 42.240 Dollar deutlich auf Platz eins.

swd/DPA/APN/DPA
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