Neue Führung krempelt Deutsche Bank um

11. September 2012, 14:10 Uhr

Jürgen Fitschen und Anshu Jain wollen die Kosten des größten deutschen Geldhauses drücken und die Konzernkultur revolutionieren. Auch für die milliardenschweren Risikopapiere der Bank haben sie Pläne.

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Deutsche Bank, Bad Bank, Eigenkapitalquote, Investment, Anshu Jain

Erste gemeinsame Pressekonferenz: Das neue Führungsduo der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain©

Das neue Führungsduo der Deutschen Bank will den Konzern mit einem neuen Strategiepapier zukunftsfähig machen: Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen die Ausgaben drücken und Deutschlands größter Bank ein neues Image verschaffen.

Bei ihrer ersten gemeinsamen Pressekonferenz nach dem Amtsantritt im Juni stellten sie mit ihrer "Strategie 2015+" klar: Der Konzern will von einer starken Heimatbasis Deutschland aus weiterhin weltweit als Universalbank mit Privatkunden und Kapitalmarktgeschäft erfolgreich sein. Zugleich jedoch müsse sich die Unternehmenskultur ändern. "Wir sehen keinen Widerspruch zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Akzeptanz", sagte Fitschen in Frankfurt.

Kosten sollen um 4,5 Milliarden Euro sinken

Bis 2015 sollen die jährliche Kosten um 4,5 Milliarden Euro sinken. "Um auf lange Sicht wettbewerbsfähig zu bleiben, wird die Bank zur Steigerung ihrer operativen Leistungsfähigkeit in den kommenden Jahren in erheblichem Umfang Kosten, Redundanzen und Komplexität verringern", erklärte die Bank.

Erreicht werden sollen die Einsparungen unter anderem durch den Verkauf von etwa 40 Gebäuden. Knapp 40 Prozent oder 1,7 Milliarden Euro der geplanten Einsparungen entfallen auf die Infrastruktur einschließlich Investitionen in neue IT-Plattformen, eine Neuordnung der Geschäftsabwicklung und die Zentralisierung des Einkaufs. Die Kosten für die Straffung bezifferte die Bank auf rund vier Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre.

Duo schließt Stellenabbau nicht aus

Ein Abbau weiterer Stellen wurde nicht ausgeschlossen. Bevor eine konkrete Zahl genannt werden könne, werde das Management aber den Dialog mit den Betriebsräten suchen, sagte Fitschen. Im Juli hatte das Institut angekündigt, dass noch in diesem Jahr 1900 Arbeitsplätze wegfallen sollen, 1500 davon im Investmentbanking.

Im vergangenen Herbst hatte die Deutsche Bank noch unter der Führung von Josef Ackermann 500 Stellen im Investmentbanking gestrichen. Die Deutsche Bank beschäftigte Ende Juni dieses Jahres 100.654 Vollzeitkräfte weltweit.

Manager müssen länger auf Boni warten

Auch bei den - gerade in Krisenzeiten umstrittenen - Bonuszahlungen für Manager tritt die Deutsche Bank nun auf die Bremse. Boni für das Topmanagement sollen länger gestreckt werden: "Vorgesehen ist eine Einmalzahlung nach fünf Jahren anstelle gestaffelter Auszahlungen über drei Jahre hinweg." Darüber hinaus setzt die Bank ein unabhängiges Expertengremium mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft ein, das Struktur und Ausgestaltung der Vergütungspraxis überprüfen soll. "Die Empfehlungen des Panels werden schon die Jahresvergütung für 2012 beeinflussen", erklärte die Bank.

Schon für das vergangene Jahr hatte die Deutsche Bank die variablen Vergütungen um 17 Prozent gekürzt. Die Sofort-Boni, die in bar ausgezahlt werden, wurden auf 100.000 Euro begrenzt und die langfristigen Komponenten erhöht

Bank lagert riskante Papiere aus

Mit einer Art eigener "Bad Bank" will die Deutsche Bank ihr Kerngeschäft um riskante Papiere in Milliardenhöhe entlasten. Um den Abbau von Vermögenswerten zu beschleunigen, die nicht zum Kerngeschäft zählen, bildet die Bank soll eine Geschäftseinheit mit dem Namen "Non-Core-Operations" gebildet werden. Dort sollen risikogewichtete Aktiva im Volumen von rund 135 Milliarden Euro gebündelt werden. Dabei geht es vor allem um verbriefte Wertpapiere, die bisher in der Investmentbanksparte des Instituts geparkt waren. Die neue Einheit soll nach Vorstellung des Managements "Vermögenswerte möglichst effizient für die Bank verwalten und veräußern": Angestrebt werde zunächst eine Verringerung der Aktiva in Höhe von 45 Milliarden Euro beziehungsweise 33 Prozent bis März 2013.

fw/DPA
 
 
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