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7. Mai 2004, 12:24 Uhr

Frau & Geld

In die Ermittlungen gegen Leo Kirch kommt Schwung. Unterlagen aus der Schweiz zeigen: Über ein Geheimkonto, das Frau Kirch zugeordnet wird, flossen Millionen. Liegt dort eine schwarze Kasse?

Schweizer Connection: Ruth Kirch mit ihrem Mann, dem Medienmogul Leo Kirch© Volker Dornberger/DPA

Ruth Kirch ist eine patente Frau, doch in die Milliardengeschäfte ihres Mannes hat sie erkennbar nie eingegriffen. Vor knapp 50 Jahren gab sie Leo Kirch ein bisschen finanzielle Starthilfe für seine ersten Schritte als Filmhändler, später tauchte sie bei Feierlichkeiten an der Seite des Medienmoguls auf. Das war's. Oder auch nicht. Das Schweizer Bundesgericht in Lausanne hat jetzt einem Rechtshilfeersuchen der Münchner Staatsanwaltschaft stattgegeben. "Wir erwarten die Überstellung der Schweizer Unterlagen in ein bis zwei Wochen", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld.

Zwei Jahre nach der Pleite des Kirch-Imperiums bringt das Schweizer Urteil, das dem stern vorliegt, neue Bewegung in die Ermittlungen gegen Leo Kirch und zwei seiner damaligen Topmanager wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs. Erstmals wird zudem erkennbar, dass auch Ruth Kirch eine wesentlich aktivere Rolle bei den Geschäften ihres Mannes eingenommen haben könnte als bislang bekannt. Die eidgenössischen Behörden rechnen ein neu aufgetauchtes Schweizer Nummernkonto der Ehefrau Kirchs zu.

Der spektakuläre Fund nährt eine alte Frage: Besitzt Kirch schwarze Kassen im steuerbegünstigten Ausland? Und er löst eine neue Frage aus: Ist Ruth Kirch die Hüterin des Schatzes?

Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit einem der letzten großen Geschäfte Leo Kirchs: dem milliardenteuren Kauf der Formel 1 im Jahr 2001. Um den Rennzirkus bezahlen zu können, benötigte der damals finanziell schon angeschlagene Medienunternehmer viel Geld. Mit Verträgen von April, Mai und September 2001 sprang die Schweizer Großbank Credit Suisse mit einem Darlehen über rund 120 Millionen Dollar ein, das sie der von Kirch gegründeten Formel Eins Beteiligungs GmbH (FEB) gewährte. Wenig später steuerte Kirch in die Pleite, im Juni 2002 war auch die FEB zahlungsunfähig.
Die Credit Suisse, so schien es, würde auf ihrem Millionenkredit sitzen bleiben. Zumal die FEB auch noch von einer anderen Kirch-Firma, der Kirch Media, Geld bekommen hatte, wie Oberstaatsanwalt Schmidt-Sommerfeld jetzt dem stern bestätigte. Und die Kirch Media rangierte mit ihrer Forderung - samt Zinsen 246 Millionen Euro - an erster Stelle.

Pech für die Banker, könnte man meinen. Da wurden Kirch und sein ehemaliger Vize Dieter Hahn offenbar aktiv: Die beiden Herren, das glauben die Ermittler in München, hätten sogar vor dem Fälschen von Urkunden nicht zurückgeschreckt. Und das soll sich im Sommer 2002 folgendermaßen abgespielt haben: Da Kirch und Hahn zu diesem Zeitpunkt schon keinen Zugang mehr zu ihren alten Geschäftsräumen in Ismaning bei München hatten, habe Ex-Finanzchef Herbert Schroder, der den Insolvenzverwaltern damals noch als Berater zur Seite stand, "Ende Juli/Anfang August 2002" einen Blanko-Briefbogen der Kirch Media beschafft "und eine Urkunde erstellt", fasst das Urteil die Vorwürfe zusammen. In der Urkunde stand, dass die Kirch Media zugunsten der Credit Suisse auf ihre Sicherheit bei dem Formel-1-Kredit verzichte. Dann sei das Schriftstück "auf den 14. September 2001 rückdatiert" und vom längst nicht mehr zeichnungsberechtigten Pleitier Kirch unterschrieben worden. Schroder habe sich "Zutritt zu den Räumen der Finanzbuchhaltung" im alten Unternehmen verschafft und das gefälschte Schreiben unter die Akten geschmuggelt.

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