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Lidl und der tödliche Käse

Auch der Discounter Lidl hatte ihn im Angebot: Käse mit Bakterien, der mehreren Menschen den Tod brachte. Experten fordern bessere Kontrollen, einige Bevölkerungsgruppen sind besonders gefährdet.

Von Sönke Wiese

  • Sönke Wiese

Sie lauern im Supermarktregal, im Käse - und können tödlich sein. Die Listeria-Bakterien. Im vergangenen Jahr sind sechs Menschen gestorben, weil sie Käse eines österreichischen Herstellers verzehrt hatten, der offenbar mit den Bakterien verseucht war. Auch der Discounter Lidl verkaufte zwei der betroffenen Sorten in Deutschland.

Noch ist unklar, wie der verseuchte Käse genau in die Supermarktregale gelangen konnte, wer wann bei der Produktion oder beim Vertrieb geschlampt hat. Dennoch weisen Ernährungsexperten darauf hin, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen beim Konsum von Rohmilchprodukten besonders vorsichtig sein oder ganz darauf verzichten sollten. Das gilt vor allem für Schwangere, Kleinkinder und immungeschwächte Menschen.

Zwei weitere Fälle in Rostock

"Immer wieder kommt es zu solchen Fällen", sagt Barbara Heidemann, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie rät gefährdeten Menschen, generell auf Rohmilch-Käsesorten zu verzichten - also zum Beispiel auf Harzer Käse, auf Allgäuer, auf Emmentaler, auf Limburger und auf Camembert. Bei der Produktion von Rohmilchkäse wird die Milch nicht über 40 Grad Celsius erhitzt. Deswegen können eventuell enthaltene Listerien überleben. Auch bei bestimmten Wurstsorten, Geflügelfleisch und Mayonnaise kommt es laut Heidemann oft zu übermäßigem Listerienbefall. "Als Vorsichtsmaßnahme sollten Schwangere und immungeschwächte ältere Menschen die Finger von diesen Lebensmitteln lassen", sagt Heidemann.

Listerien kommen überall in der Umwelt vor. Das Besondere an ihnen ist, dass sie auch bei niedrigen Temperaturen wachsen können, selbst in einem luftleeren Raum, im Vakuum. In der Regel führt eine Infektion mit Listerien bei einem gesunden Erwachsenen nicht zu einer gefährlichen Krankheit. Die Erkrankung nehme einen Verlauf, der einer schwachen Grippe ähnele, so Ernährungsexpertin Heidemann. "Da kommt kein Arzt auf die Idee, nach Listerien zu suchen."

In Deutschland hatte Lidl zwei Käsesorten des österreichischen Herstellers Prolactal im Angebot: die Sorten "Reinhardshof, Harzer Käse" und "Reinhardshof, Bauernkäse mit Edelschimmel". Beide enthielten offenbar Listerien. Der Discounter rief die Produkte sofort nach Bekanntwerden der Vorfälle zurück.

Zwei Deutsche und vier Österreicher sind im vergangenen Jahr gestorben, nachdem sie mit Listerien verseuchten Käse gegessen hatten, mindestens zwölf Menschen sind im vergangenen Jahr nach Käseverzehr an Listerien erkrankt. Die erste Infektion war im Juni 2009 in Österreich bekannt geworden. Zwei weitere Menschen sind jüngst in Rostock erkrankt: Sie mussten im Krankenhaus behandelt werden, ihnen geht es jedoch inzwischen besser. "Wir gehen davon aus, dass beide den Rohmilchkäse genossen haben", sagte eine Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Rostock. Der aus Österreich gemeldete Bakterienstamm stimme mit dem Befund im Blut der beiden Patienten überein.

"Wir brauchen dringend mehr Kontrolle"

Der Pressesprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), sagt, nicht jeder Harzer Käse sei ein Risiko. Dennoch rät er Verbrauchern: "Empfindliche Produkte sollten möglichst kühl gelagert und vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum verspeist werden."

Der Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem Prolactal-Käse konnte erst jetzt hergestellt werden, nachdem ein Mitarbeiter der Österreichischen Agentur für Gesundheits- und Ernährungssicherheit (AGES) monatelang Einkaufszettel von Erkrankten untersucht hatte, bis die Experten den verseuchten Käse identifizierten. Das österreichische Gesundheitsministerium legte im Januar die gesamte Käse-Produktion der Firma vorläufig still, bis die genaue Ursache der Verunreinigung geklärt ist. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es zu weiteren Todesfällen komme, hieß es. Österreichische Medien berichten über den Verdacht, dass Prolactal bereits im Herbst 2009 von übermäßig verseuchten Proben Bescheid wusste. Das bestritt eine Sprecherin des Unternehmens jedoch.

Verbraucherschützerin Heidemann fordert in jedem Fall: "Wir brauchen dringend mehr Kontrollen bei den Herstellerbetrieben." Ursache für Listerien-Verseuchung seien meistens Schlampereien in der Produktion oder beim Transport. "Bei Rohmilch-Produkten muss ganz besonders auf Hygiene geachtet werden", sagte Heidemann stern.de.

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