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7. August 2007, 08:34 Uhr

Dreistellige Millionenverluste pro Tag

Bald streiken die Lokführer im Güterverkehr. Davon wird der normale Bahnreisende nur wenig mitbekommen - dafür aber die Wirtschaft, so Experten. Zwei- bis dreistellige Millionenverluste seien pro Tag drin, heißt es. Die Bahn-Gewerkschaft Transnet hält die Forderungen der Lokführer für überzogen.

Zoom

Beim Güterverkehr auf der Bahn fängt der Lokführerstreik an© Andreas Rentz/Getty Images

Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, hat die Forderungen der Lokführer-Gewerkschaft GDL kritisiert und eine Verrohung der Sitten beklagt. "Wir erhalten anonyme Briefe und E-Mails von angeblichen GDL-Mitgliedern. Das reicht von Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen", sagte Hansen der "Neuen Presse".

Transnet hat eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent mit der Bahn AG vereinbart. Die GDL fordert 31 Prozent. Hansen beklagte, der Friede sei nachhaltig gestört. "Es kam bereits zu schrecklichen Szenen im Betrieb." Er bezeichnete die Forderungen der Lokführer als überzogen und aus der Luft gegriffen. Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell wolle mit aller Gewalt einen Spartentarifvertrag durchsetzen, um seine eigene Macht zu stärken.

Auch andere Tarifverträge neu verhandeln

Hansen sagte zudem, dass der von den Gewerkschaften Transnet und GDBA abgeschlossene Tarifvertrag neu verhandelt werden müsste, wenn die GDL einen höheren Abschluss erzielen würde. Er sei jedoch überzeugt, dass die GDL nicht mehr erzielen werde. Bahnchef Hartmut Mehdorn könne es sich nicht erlauben, die Lokführer dafür zu belohnen, dass sie ihre Organisationsmacht gegen die Interessen der Gemeinschaft stellten. Die GDL-Mitglieder haben für einen unbefristeten Streik gestimmt und wollen zuerst im Güterverkehr ab Donnerstag in den Ausstand treten.

Die deutsche Unternehmen müssen sich nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wegen der angekündigten Streiks der Lokführer auf erhebliche Verluste einstellen. Komme es zu flächendeckenden Arbeitsniederlegungen bei der Güterbeförderung, "wären durchaus zwei- bis dreistellige Millionenbeträge pro Tag fällig", sagte DIW-Verkehrsexpertin Claudia Kemfert sagte der "Frankfurter Rundschau".

Während Betriebe der Nahrungsmittelbranche im Notfall noch auf Lkw umsteigen könnten, seien insbesondere die Stahlhersteller und Metallverarbeiter "stark auf die Bahn angewiesen". Müsse die Produktion gestoppt werden, könnten sehr schnell hohe Kosten anfallen. Große Unternehmen befürchten bereits Auswirkungen auf die Produktion. Bei einer längeren Blockade könne es Engpässe bei der Rohstoffversorgung geben, hatte der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) mitgeteilt.

"Streik für zwei, drei Tage überbrücken"

BME-Verbandsgeschäftsführer Holger Hildebrandt sagte, die meisten Unternehmen könnten einen Streik von ein bis zwei Tagen überbrücken. "Danach wird sich der Versorgungsengpass auf die Produktivität auswirken." Ein Sprecher der Salzgitter AG sagte: "Für die Stahlindustrie ist das Verkehrsaufkommen, das wir mit der Bahn haben, gewaltig." Auch den Autobauer Volkswagen würde ein Arbeitskampf treffen. "Wir nehmen den Streik mehr als ernst", sagte ein Sprecher. Die Bahn will die Folgen für ihre Kunden möglichst gering halten, vor allem für wichtige Branchen wie Energieversorgung und Autoindustrie.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte beide Tarifparteien erneut zu Kompromissbereitschaft auf. Eine Lösung sei nur möglich, "wenn Extrempositionen verlassen werden", sagte er der "Saarbrücker Zeitung".

DPA
KOMMENTARE (10 von 12)
 
hardrain (07.08.2007, 16:56 Uhr)
Ja, Mr. Spock, das sind die Punkte
über die man nachdenken muß!
Und dann sollten alle Beteiligten sich an ihrer Redlichkeit messen lassen - ohne Drohungen - aber mit Ziel!
Danke - ausgezeichneter Kommentar!
Spocks_Kommentar (07.08.2007, 15:47 Uhr)
Die Zeichen der Zeit
Der Wind hat sich gedreht. Die Märchen vom Wohlstand durch Lohnverzicht haben sich totgelaufen und werden selbst von denen nicht mehr geglaubt, die sie erfunden haben und: Sie waren noch nie richtig.
Die Zeiten, in denen man dem Mann auf der Straße erzählen konnte, koreanische Löhne in Deutschland seien gut für ihn und sozial sei was Arbeit schafft, auch wenn man davon nicht leben kann, sind unwiderruflich vorbei und das ist gut so.
Die GdL hat als erste ein Faß aufgemacht, das dringend aufgemacht werden muß, weil sie die entsprechende Machtposition hat um diesen Kampf zu führen: Den guten alten Klassenkampf.
16 Jahre Kohl-Mißwirtschaft und eine wirtschaftspopulistische SPD unter dem Genossen der Bosse haben Umstände einkehren lassen, unter denen es vielen Menschen heute viel schlechter geht als vor 25 Jahren und ein Ende der Spirale nach unten ist nicht abzusehen, im Gegenteil, weitere Schritte zu einer breiten Schicht Armer und einer zunehmenden Privilegierung der ohnehin wohlhabenden sind bereits in Vorbereitung.
Arbeit muß sich lohnen in Deutschland, jawohl, aber auch für die, die sie machen und nicht nur für die, die sie machen lassen.
Wir stehen vor einer Zeit des Wandels und es gibt 2 Möglichkeiten: Wenn die etablierten Parteien, allen voran die SPD, ihre Fehler erkennen und korrigieren, kann alles vernünftig ablaufen.
Wenn nicht, heißt der nächste Kanzler irgenwie aber der übernächste Lafontain. Und wenn auch das nicht, dann gibt es irgendwann eine Explosion und dann hätte Marx am Ende doch recht behalten. Das wäre irgendwie schade.
Es wird Zeit, die Zeichen der Zeit zu erkennen und das Erwirtschaftete gerechter zu verteilen. Die GdL ist nur ein erstes Warnsignal. Wer die Zeichen der Zeit nicht sehen will, wird fühlen müssen.
hardrain (07.08.2007, 15:24 Uhr)
Es ist nicht leicht, in die Tiefen
dieser Argumentation zu folgen:
Schluck aus der Pulle - paßt zu Ihrer
Lebensweise - nicht zum Gegenstand der Diskussion. Wissen Sie, wenn wir alle der europäischen Martlage folgen wollen, dann fragen Sie doch mal die Kollegen, deren Arbeitsplätze in europäische Länder wegen der dortigen Kosten ausgelagert wurden!
Auf sich aufmerksam machen - auf dem Rücken der Bevölkerung mit Forderungen, die jedem anständigen Handwerker und Landwirt, der wahrlich härter arbeitet als jeder Lokführer, die Zornesröte ins Gesicht treibt. Und was nicht ausdrücklich verboten ist, ist noch lange nicht in Ordnung! Darum: Abmahnung, Kündigung, Haftbarhaltung und Neueinstellung zu geänderten Bezügen: Hart und Fair!
Betonpaul (07.08.2007, 13:33 Uhr)
Die Lokführer haben Recht !
Wenn ich diesen geistigen Dünnschiß lese, den hier ein paar ablassen, werde ich stinksauer.
Wir leben in einer freien Marktwirtschaft. Und hier hat jeder das Recht, seine Leistung marktgerecht zu verkaufen.
Dabei sind europäische Maßstäbe anzulegen, das tuen wir ja schließlich auch sonst in allen Marktbereichen.
Und da stellt sich nun mal heraus, daß die deutschen Lokführer, gemessen am Durchschnitt ihrer europäischen Kollegen am wenigsten verdienen und das vor diesem Hintergrund die Forderung nach einer Lohnerhöhung um 31 % geradezu moderat ist.
Nicht zu vergessen, daß der Vorstand der DB sich angesichts der glänzenden Geschäftsergebnisse eine Gehaltserhöung um schlappe 62 % im Jahr 2006 genehmigt hat.
Und wenn die solche kräftigen Schlucke aus der Pulle nehmen, wieso sollen das ausgerechnet die Lokführer, in deren Händen das Leben aller Bahnreisenden liegt, nicht tun dürfen???
Die Argumentation, daß hier 8.000 Menschen Millionen erpressen würden, ist absolut daneben. Ein Streik ist immer mit finanziellen Verlusten des Bestreikten verbunden und auch mit Ärger und Kosten für die betroffene Bevölkerung. Das gerade ist ja der Sinn eines Streiks, auf die eigene Bedeutung hinzuweisen.
Das alles findet also in einem gesetzlichen Rahmen statt und ich, der ich auch Bahnkunde bin, aber auch so flexibel, daß ich mein Überleben auch während des Streiks organisieren kann, wünsche unseren Lokführern, daß sie Mehdorn und Suckale so richtig heimleuchten.
Botschafter (07.08.2007, 12:53 Uhr)
Verhandelt
Bei dem ganzen Dilemma des bevorstehenden Streikt möchte ich folgendes zu bedenken geben:
Wie ist es möglich heute eine Gehaltssteigerung von 30% zu verlangen, wenn man sich vor Jahren für den Beruf des Lockführers entschieden hat, einen Arbeitsvertrag unterzeichnet hat und sich auf ein entsprechendes Gehalt geeinigt hat?
Wenn ein Lockführer zu wenig verdient, hätte er eben etwas anderes lernen sollen. Die Arbeitsbedingungen und die entsprechenden Rahmenbedingungen waren ja zum Zeitpunkt der Ausbildung bereits bekannt!
Der Gewerkschaft kann ich nur empfehlen, eine moderate Lohnsteigerung jetzt zu akzeptieren und LANGFRISTIG über 30%+ zu verhandeln (7...10 Jahre), denn solch eine Forderung ist pure Unverschämtheit und kann auch nicht verhandelt werden, weil eine Einigung auch nicht möglich ist (Verstellung eines Kleinkindes)
Bitte kommt zur Vernunft!!!
hardrain (07.08.2007, 12:21 Uhr)
Tut mir leid, aber
die jetzt streiken, werden alle im Laufe der Zeit rausfliegen. Garantiert und zu Recht. Kein Unternehmen mit der Verantwortung für einen großen Teil der Volkswirtschaft kann ein solches Verhalten dulden, ohne dabei in den Ruin zu geraten. Es sei denn, die Menschen sind bereit, bis zu 20% mehr für ihre Fahrkarten zu bezahlen. Na, wem mag das schmecken??? Na also!
angerston (07.08.2007, 11:58 Uhr)
Auf diesen Streik darf es nur eine Antwort
Es ist an der Zeit Menschen mit dieser Ansicht zu zeigen wo der Hammer hängt.
CeeTo (07.08.2007, 11:54 Uhr)
-.-
hardrain
was ist das denn für eine assoziale Einstellung? In Deutschland ist es mögich einen Arbeitskampf zu führen. Also ist es völlig legitim diesen durchzuführen. Soweit ich weiß wurde dies ja sogar von Gerichten bestätigt.
Man darf niemanden wegen eines Streikes abmahnen, geschweige denn Kündigen.
Ich kann nur hoffen dass du mal ungerecht behandelt wirst und dann keine Möglichkeit hast dich zu wehren.
hardrain (07.08.2007, 11:48 Uhr)
Auf diesen Streik darf es nur eine Antwort
geben: Abmahnung, Kündigung und Neueinstellung zu geänderten Bezügen!
Der wirtschaftliche Gesamtschaden steht in keinem Verhältnis zu den völlig überzogenen Forderungen der organisierten Lokführer. In der Privatwirtschaft kann man von deren Gehältern nur träumen - und dann mit diesem sichern Arbeitsplatz im Rücken! Hart - aber Fair. Die Kabelbäume für alle FORD-Limousinen werden schon seit Jahren in Ungarn gefertigt, die ungarischen Lokomotivführer sprechen alle Deutsch...
RomanTicker (07.08.2007, 11:46 Uhr)
Gewerkschaft schadet den Arbeitnehmern
Die uneinsichtige Gewerschaft der Lokführer schadet mit ihren unagemessenen Forderungen den Arbeitnehmern, der Wirtschaft und letzten Endes allen Gewerkschaften. Wenn eine Minderheit schamlos die Mehrheit der Gesellschaft erpressen möchte, weil ihnen ca. 4,5 Prozent Lohnerhöhung und bessere Rahmenbedingungen als Angebot von der Unternehmerseite nicht ausreichen, dann wird politisch die Frage aufkommen, ob die Tarifautonomie und die Stellung der Gewerkschaften in Zukunft noch tragbar sind. Wir befinden uns schließlich in einem globalen Wettbewerb. Wieso sollten die Lokführer ein besseres Angebot bekommen als alle anderen Mitarbeiter der Bahn? Hier wird egoistisch die Existenz vieler Firmen und Mitarbeiter dieser Firmen, die auf die Bahn angewiesen sind, aufs Spiel gesetzt. Einem solchen Treiben sollte ein Ende gesetzt werden. Es ist doch vollkommen lächerlich, wenn die Lokführer mit beliebig hohen Forderungen die Bahn und die Wirtschaft erpressen. Hier zeigen die Lokführer eindeutig, dass mehr Wettbewerb auf der Schiene nötig ist.
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