23. April 2007, 07:41 Uhr

"Wolfowitz hat Respekt verloren"

Die umstrittene Beförderung seiner Freundin bei der Weltbank bringt Institutschef Paul Wolfowitz immer mehr in die Bredouille. Nun sprechen sich auch 42 frührere Weltbank-Manager für seinen Rücktritt aus - ebenso wie die Bundesregierung.

Gerät immer stärker unter Druck: Weltbank-Chef Paul Wolfowitz©

Eine Gruppe von 42 hochrangigen früheren Weltbank-Managern hat den angeschlagenen Präsidenten der Institution, Paul Wolfowitz, zum Rücktritt aufgefordert. "Wir glauben, dass er nicht mehr wirkungsvoll führen kann", heißt es in dem Schreiben an die britische Zeitung "Financial Times", wie diese berichtet. "Es gibt nur noch eine Möglichkeit, wie Wolfowitz dem Auftrag der Bank dienen kann: Er sollte zurücktreten."

Wolfowitz ist unter Druck geraten, weil er seine damals bei der Weltbank arbeitende Freundin Shaha Riza bei seinem Amtsantritt 2005 befördert und ihr Gehalt erhöht hatte. Erst danach wurde Riza dem US-Außenministerium zugeordnet, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden. Kreisen zufolge wird über das Schicksal von Wolfowitz noch in dieser Woche entschieden.

Auch die Bundesregierung legte Wolfowitz einen baldigen Rücktritt nahe. "Die Situation ist so, wie sie sich darstellt, nicht mehr tragbar", sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul der "Financial Times Deutschland". Von der Bank müsse weiterer Schaden abgewendet werden. "Meine Schlussfolgerung ist, dass Wolfowitz der Bank einen Dienst erweisen und selbst die Konsequenzen ziehen sollte. Je schneller, desto besser."

In dem Schreiben der Ex-Weltbank-Manager, das neben anderen von Wolfowitz' ehemaligem Stellvertreter Shengman Zhang unterzeichnet ist, heißt es weiter: "Er hat das Vertrauen und den Respekt der Bank-Mitarbeiter auf allen Ebenen verloren, eine Spaltung unter den Top-Managern provoziert, ein angespanntes Verhältnis zum Direktorium entwickelt, seine eigene Glaubwürdigkeit beim Thema Regierungsführung - seinem Paradethema - beschädigt und einige wichtige Anteilseigner entfremdet."

Der "Financial Times" zufolge sieht auch die "Unabhängige Bewertungsgruppe", eine selbstständige Kontrollinstanz innerhalb der Weltbank, die Rolle Wolfowitz' kritisch. Die tägliche Arbeit der Weltbank-Mitarbeiter und die Zusammenarbeit der Institution mit ihren Partnern würden durch die Affäre in Mitleidenschaft gezogen, heiße es in einer Stellungnahme des Gremiums an das Exekutivdirektorium der Bank.

Reuters
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
waelder (23.04.2007, 20:57 Uhr)
Wolfowitz
Korrupt und skrupellos - wie halt die ganze Clique um den fundamentalistischen Christen George W. Bush. Ich wäre eher erstaunt, wenn es anders gewesen wäre.
Nach der Nummer 4 kommen denen doch alle restlichen Gebote abhanden.
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