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2. August 2009, 20:49 Uhr
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Warum der Spritpreis Achterbahn fährt

Drei Cent rauf, zwei Cent runter. An den Tankstellen wechseln die Anzeigen immer schneller. Allein Aral hat im vergangenen Jahr den Preis 155-mal erhöht. Wer ist für das ständige Auf und Ab verantwortlich, und wer macht sich dabei die Taschen voll? Von Roman Heflik

Benzin, Sprit, Spritpreis

Die Pendlerin: Christine Adolphs ist ein fröhlicher Mensch, doch über das Preistheater ärgert sie sich. "Aber beim Tanken bin ich Leid gewohnt"© Thomas Rabsch

Köln-Mönchengladbach-Köln. 150 Kilometer, jeden Tag. Seit sieben Jahren fährt Christine Adolphs nun schon diese Strecke. Morgens um 6.45 Uhr startet die 37-jährige Restauratorin ihren Opel Corsa und ist in einer Dreiviertelstunde im Kunstmuseum.

Das Pendeln hat seinen Preis - rund 250 Euro legte Christine Adolphs in den vergangenen Jahren im Monat für den Sprit hin. Doch seit 2008 spielen die Anzeigen der Tankstellen verrückt: Im Frühsommer stieg der Preis und erreichte Anfang Juli 2008 das Allzeithoch von 1,59 Euro. "Das war für mich kaum zu bezahlen", erinnert sich Adolphs. Dann kam die Finanzkrise, und der Spritpreis fiel binnen fünf Monaten auf 111,9 Cent - zur Freude der Kölnerin und weiterer 18,5 Millionen automobiler Berufspendler.

Inzwischen aber schieben sich an den Tankstellen die Preise von Woche zu Woche wieder nach oben. Im Juni erst haben sie mit 138 Cent pro Liter ein vorläufiges Jahreshoch erreicht. Autoklubs klagen, die Preise seien "massiv überteuert", Boulevardblätter schreiben von Abzocke an der Zapfsäule. Der stern hat sich auf die Suche begeben: Wer ist dafür verantwortlich, wenn der Spritpreis Achterbahn fährt? Wer macht sich da die Taschen voll?

Der Pricing-Manager legt die Preise fest

Die Antworten müsste eigentlich Heiko Wiegand kennen. Denn als sogenannter Pricing-Manager bei Aral legt er fest, welche Preise an allen 2400 Tankstellen des Konzerns gelten. Warum also treibt er die Preise immer wieder hoch?

Wiegand lächelt nachsichtig. "Mit Preistreiberei und Profitgier hat das nichts zu tun", versichert er. Viel lieber spricht er vom "wirtschaftlich gesunden Preis" - was irgendwie netter klingt.

"Ja, wir haben die Preise erhöht, und zwar 155-mal im vergangenen Jahr", räumt der Manager ein. Mit Ferienterminen habe das übrigens nichts zu tun, behauptet er. Bei so vielen Preisrunden gebe es immer mal wieder zufällige Übereinstimmungen. Dann zeigt Wiegand ein Diagramm, das den Preisverlauf von Super und Diesel im vergangenen Jahr abbildet: Trotz all der Erhöhungen sind die Kraftstoffe am Ende sogar billiger als am Jahresanfang.

Die Tankstellen-Pächter wollen niedrige Preise

Tankstellenpächter wie Heike Kierstein sorgen bei Aral dafür, dass die Preise nicht durch die Decke gehen. Und "Rosi". So heißt das Datensystem, das Aral-Zentrale und Tankstellen verbindet. Über Rosi erhalten alle Aral-Pächter von Wiegand die Vorgabe, ob und wann sie ihre Preise zu erhöhen haben. Über Rosi übermittelt Pächterin Kierstein aber auch die Spritpreise, die sie auf ihren Kontrollfahrten bei der Konkurrenz in der Umgebung notiert hat. Verbilligen ihre Mitbewerber, beantragt sie ebenfalls eine Preissenkung. Weil sie eine feste Provision pro verkauftem Liter erhält, ist sie an niedrigen Preisen interessiert. "Dann verkaufe ich mehr Kraftstoff, und mehr Leute kaufen bei mir im Tankshop ein."

Während Preiserhöhungen meist drei Cent betragen, erfolgt die Senkung in Ein- bis Zwei-Cent-Schritten. "Der Markt beobachtet sich ständig und ruckelt sich innerhalb weniger Stunden zurecht", sagt Wiegand. "Das ist der Grund, warum die Tankstellen-Preise häufig gleich sind. Mit Preisabsprachen hat das nichts zu tun." Auch dem Kartellamt ist es nicht gelungen, solche Übereinkommen nachzuweisen.

Die knapp 15.000 Stationen in Deutschland liefern einander einen scharfen Wettbewerb. Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) nehmen daher die Tankstellenketten pro verkauftem Liter Super nur rund zehn Cent ein. "Davon bleiben uns als Gewinn gerade mal zwischen einem halben und einem Cent pro Liter", beteuert Wiegand.

Erdöl- und Mehrwertsteuer

Aus Sicht der Konzerne ist vor allem die Steuerlast der Grund für die hohen Preise. Bei einem Preis von 134 Cent pro Liter Benzin gehen zunächst 66 Cent an den Staat, unter anderem für die Erdölbevorratungsabgabe, Mineralölsteuer und Ökosteuer. "Auf all das schlägt der Fiskus noch 21 Cent für die Mehrwertsteuer auf", empört sich Karin Retzlaff vom MWV.

35,5 Milliarden Euro haben allein die Spritsteuern 2008 in die Bundeskasse gespült. Doch mit den Preisausschlägen der vergangenen Monate hat Vater Staat nichts zu tun, die Energiesteuern sind seit Jahren unverändert. Wird der Sprit teurer, kommt allenfalls durch die Mehrwertsteuer etwas mehr herein. Wer ist also dann verantwortlich, wenn Tanken immer teurer wird?

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Ausgabe 31/2009

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KOMMENTARE (10 von 13)
 
botoxia (03.08.2009, 13:57 Uhr)
Pendeln
ist teuer. Wer sich, wie die im Beitrag vorgestellte Autofahrerin, 250€ im Monat ans Bein bindet, um 1,5 Stunden am Tag hin und her zu fahren, der ist meines Erachtens nicht so ganz bei Benüll. Das dargestellte Beispiel - 21.000 € in diesen 7 Jahren, und ca 1750 Stunden Fahrerei- da könnte man doch fast mit einem Umzug liebäugeln, wa? Ich finde es ganz gut, dass die Spritpreise so hoch sind, damit sich der ein oder die andere nicht für jedes Brötchenholen hinter das Steuer klemmt. Autofahren sollte Luxus bleiben.
emay_emjay (03.08.2009, 13:48 Uhr)
unterschiedliche preise

Der Pricing-Manager legt die Preise fest
Die Antworten müsste eigentlich Heiko Wiegand kennen. Denn als sogenannter Pricing-Manager bei Aral legt er fest, welche Preise an allen 2400 Tankstellen des Konzerns gelten.
Dass ich nicht lache. Am Samstag bin ich durch 4 grösse Städt am Bodensee gefahren. An allen Aral Tankstellen, welche ich in diesen Städten gesehen habe, waren andere Preise. Am See direkt war der Sprit am teuersten. Je weiter man ins Hinterland fährt, desto billiger der Sprit. Und da heisst es schön: An allen 2.400 Aral Tankstellen gäbe es 1 Preis. Absolute Lüge und Kundenverarsche.
Auch ist deutlich zu beobachen, dass zu Ferienbeginn die Preise steigen. Das hat vor Jahren auch schon mal der ADAC beobachtet und kommentiert.
Die Grossen regieren eben !!!
Politix (03.08.2009, 09:57 Uhr)
Kaufzurückhaltung ist nicht wirklich sinnvoll
Aber: das Boykotiern eines bestimmten Konzerns und seinen Tankstellen, könnte Wirkung zeigen.
.
Wenn z.B. ARAL oder eine andere Spritmarke konsequent für mehrere Wochen nicht angefahren würden, dann müssten diese irgendwann mit dem Preis reagieren.
starmax (03.08.2009, 09:29 Uhr)
@ambio - Kaufzurückhaltung sinnlos
Es funktioniert nicht, weil dies kein freier Markt mit freier Preisbildung mehr ist.
Sinkender Absatz wird sofort mit Preiserhöhungen ausgeglichen, sinniger Weise von allen vier Mitbewerbern.
Der Staat hat an hohen Preise mehr
INteresse als an niedrigen. Das Kartellamt hat hier eine reine FeigenbattFunktion...
Gekauf wird das Öl übrigens mit langfristigen Lieferverträgen zwischen 6 und 12 Monaten.
Trotzdem (!!!) wird der Amsterdamer Spotpreis (für zusätzliche Kleinmengen) stets zu Grunde gelegt.
Warum?
tri.star (03.08.2009, 09:18 Uhr)
wie schon woanders steht...
Diese Preisachterbahn gibt es so nur in Deutschland, z.B. waren die Preise im günstigen Luxembourg vor, während und nach Ostern absolut konstant - und das bei allen Anbietern. In Deutschland ist es in jkeder region üblich die Preise teilweise mehrfach am Tag zu ändern. Typischer Ablauf hier:
Übers Wochenende sackt der Preis ab, Montag früh ist er mit am günstigsten aber da hat z.B. OMV jetzt noch die 17:00 Preissenkung um 1 Cent eingeführt, die gabs früher nicht. Dienstag gehts typischerweiuse morgens um 8-10 Cent rauf, bröckelt aber nachmittags um 1-2 Cent wieder ab. Mittwoch bleibt es gleich oder geht noch mal runter. Donnerstag ist fast so niedrig wie am Montag aber Freitag gehts dann in 1-2 Schritten wieder 8 Cent hoch. Ab Samstag mittag wieder runter und dann ist die Woche durch. Natürlich ist das nicht starr, Ferienanfang brachte hier in Bayern schon am Montag letzter Woche keine Entspannung, wohl aber am Dienstag einen Anstieg. Das Niveau haben wir auch heute noch. Der Unterschied freie Tankstelle zu Marke war am Sonntag mit 3 Cent, ungewöhnlich hoch.
OMV-Pächter treiben bei uns die Preise runter, sie geben das auch zu - ist klar, weil es beim Kunden gut ankommt. Besonders günstig auch deshalb, weil man kein Fantasie Ultra Super-Plus anbietet wie die beiden Marktführer. Ansonsten hilft noch Jet zu günstigeren Preisen. Hintergrund ist, die günstigere Lage von Shell und Aral und die bequemeren Zapfsäulen mit allen Sorten in einem Zapfpunkt. Allerdings fängt Shell an, hier nur noch an einer von 10 Säulen normales Diesel anzubieten, an den anderen gibts dann nur das teure nutzlose Vpower Diesel.
Laudage (03.08.2009, 09:00 Uhr)
Blödsinn
welcher Lobiist hat den diesen Artikel für den Stern geschrieben? Ich bin jedes Jahr für 14 Tage in Österreich. In dieser Zeit schwankt dort der Preis nur um 1 Cent und zwar in halb Österreich. In Mönchengladbach sind es 5 km weiter teilweise 6 Cent. Wenn dann um 20:00 die freien zumachen, werden bei Aral und Shell schnell die Preise raufgeschraubt.
Politix (03.08.2009, 08:52 Uhr)
Das ist der betriebswirtschaftliche Hintergrund

Yield-Management oder auch Ertragsmanagement
http://de.wikipedia.org/wiki/Ertragsmanagement
Alpinchen (03.08.2009, 08:42 Uhr)
Merkwürdig nur....
...das der Preis morgens und abends am höchsten ist. Und dann gibt es noch diese auffälligen Schwankungen zu bestimmten Wochentagen. Der beste Tipp: ich fahre schon seit 1991 LPG, was ich in D für rund 50 c/L tanke, und glücklicherweise kurz über die Grenze nach B für nur 34,5 c/L. Die Tankkonzerne können mich also mal. Aber die Entwicklung sollte gestoppt werden, Schlüsselprodukte wie ÖL, GAs und Strom sollten preislich staatlich reglementiert werden. Oder ist der"kleine Mann" wirklich verantwortlich , das sich einige wenige die Taschen voll machen können ?
ambio (03.08.2009, 08:42 Uhr)
Es ist.....
jedes Jahr der selbe Schwachsinn.Alle regen sich auf und keiner macht was.
Einfach alle mal das Maul halten,ja.
Oder endlich Konsequenzen ziehen.
Einach zur Urlaubszeit Daheimbleiben und bei Urlaubsbeginn ein paar Tage aufs Auto verzichten.
Von dem Verlust würde sich dieses Erdölpack nich so schnell erhohlen.
Aber leider sind wir Deutsche da viel zu BLÖDE !!!
sonne68 (03.08.2009, 08:31 Uhr)
ProfitGIER
letztes Jahr war ich 14 Tage auf Mallorca mit nem Mietwagen unterwegs..
der Spritpreis in dieser Zeit: 1,126 vom erstem bis zum letzen Tag!!
In dieser Zeit lag der spritpreis in Deutschland etwas höher (so um die 1,60 € der Liter).
ABER ER SCHWANKTE IN DIESER ZEIT UM CA. 20 Cent ?!?
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