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30. Dezember 2008, 10:07 Uhr

Strom wird billiger - aber erst später

Bislang kennen die Strompreise nur eine Richtung: nach oben. Das wird zunächst auch so bleiben. Anfang des Jahres langen viele Anbieter noch einmal mit kräftigen Aufschlägen zu, trotz des Preisverfalls an den Strombörsen. Von diesem werden laut Branchenverband auch die Kunden profitieren - aber erst später.

Energiekonzerne, Strompreise, Gewinne, Studie, Verbraucher

Benzin wird billiger, die Gaspreise sinken - doch Strom wird immer teurer© Michael Probst/AP

Nach dem Strompreis-Anstieg 2008 stellt der Branchenverband BDEW für die nächste Zeit wieder einen Rückgang in Aussicht. "Die deutlich gesunkenen Börsenpreise werden sich auch auf die Verbraucherpreise auswirken", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft der "Frankfurter Rundschau". So sei der Strompreis an der Energiebörse seit dem Anstieg auf den Rekordwert von 90 Euro je Megawattstunde im Juli 2008 auf zuletzt 58 Euro gesunken und liege damit wieder auf Vorjahresniveau.

Zum Jahresanfang bekommen die Verbraucher jedoch erst einmal die Strompreisexplosion im ersten Halbjahr 2008 angesichts der Rekordstände beim Öl zu spüren. Denn einige Versorger hätten sich aus Furcht vor weiter steigenden Preisen zu überzogenen Kursen mit Strom für 2009 eingedeckt und gäben dies nun an die Kunden weiter. Die Bevorratung mit Strom auf Termin sei insbesondere für viele Stadtwerke notwendig, die keine eigenen Kraftwerke unterhielten, argumentierte der BDEW-Sprecher. "Die Börsenentwicklung der vergangenen ein bis zwei Jahre drückt sich in den Preisen von heute aus."

Mit Blick auf die deutlichen Gewinnsteigerungen der großen deutschen Energiekonzerne haben Politiker der SPD und der Grünen die Preispolitik von Eon, RWE, EnBW und Vattenfall kritisiert. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Kelber riet den Verbrauchern in den "Ruhr Nachrichten", zu billigeren Anbietern zu wechseln. Der "Bild"-Zeitung sagte er, Ziel müsse es sein, "die Markanteile der großen Energieerzeuger zu senken und so für mehr Wettbewerb zu sorgen. Jetzt können sie ihre Monopolpreise durchsetzen, weil sie 90 Prozent der Stromerzeugung kontrollieren."

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, sagte laut "Bild": "Die vier Unternehmen diktieren die Preise und füllen sich die Taschen auf Kosten der privaten Haushalte." Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, appellierte in den "Ruhr Nachrichten" an die Verbraucher: "Wechseln Sie zu billigeren Anbietern." Zwar habe der Anteil der Wechsler im vergangenen Jahr bereits deutlich auf knapp 20 Prozent zugenommen. Besser wäre es jedoch, wenn mindestens die Hälfe der Verbraucher einen neuen Stromanbieter wählen würde.

Laut einer Studie im Auftrag der Grünen haben sich die Gewinne der vier großen deutschen Energiekonzerne seit 2002 verdreifacht und den Unternehmen einen Gesamtgewinn von knapp 100 Milliarden Euro beschert. Bezahlt hätten das vor allem die privaten Haushalte. Seit 2000 habe sich für sie der Strompreis um rund 50 Prozent verteuert, hieß es in der Studie.

DPA/AP

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