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4. Juli 2008, 16:02 Uhr

Spritpreise erreichen Rekordhöhe

Die Benzinpreise in Deutschland kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Erstmals kostete ein Liter Superbenzin 1,60 Euro. Experten gehen davon aus, dass der Ölpreis in den kommenden Tagen weiter anziehen wird - und damit auch an den Tankstellen weitere Preisschübe auslösen wird.

1,60 Euro für einen Liter Benzin - Die ständig steigenden Weltmarkt-Preise für Rohöl und Ölprodukte auf den Endverbraucher durch© Uwe Lein/AP

Ein Liter Benzin kostet in Deutschland erstmals im bundesweiten Durchschnitt 1,60 Euro. Gleichzeitig stieg der Dieselpreis nach einer von Shell angeführten Preisrunde auf 1,56 Euro je Liter, teilten Sprecher der Mineralölwirtschaft in Bochum und Hamburg mit. Damit schlagen die ständig steigenden Weltmarkt-Preise für Rohöl und Ölprodukte auf den Endverbraucher durch. Die Nordsee-Ölsorte Brent, die für den europäischen Markt maßgeblich ist, kostete erstmals mehr als 146 Dollar je Barrel (159 Liter). Nach Einschätzung der Commerzbank ist der Anstieg des Ölpreises auf die 150-Dollar-Marke "reine Formsache und nur eine Frage von wenigen Wochen oder sogar Tagen".

Für Preisdruck sorge nicht nur die anhaltend enge Angebots-Nachfrage-Situation am Ölmarkt, sondern auch geopolitische Risiken wie der andauernde Konflikt um das iranische Atomprogramm. Zudem mache sich die Nähe zur "magischen Grenze" von 150 Dollar in einem anhaltenden spekulativen Umfeld bemerkbar.

Mehrere Faktoren sorgen für Preisdruck

Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ist unterdessen erstmals über die Marke von 140 Dollar gesprungen. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel am Donnerstag 140,73 Dollar. Das waren drei Dollar mehr als am Mittwoch. Die OPEC berechnet ihren Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.

Angesichts der steigenden Rohstoffpreise riefen Wirtschaftsforscher zum effizienteren Umgang mit Energie auf. Energiesparen sei die wichtigste Maßnahmen, die man überhaupt treffen könne, sagte der Umwelt- und Rohstoffexperte des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, Gernot Klepper, in einem Interview mit der "Landeszeitung Lüneburg". "Denn was man nicht verbraucht, muss man auch nicht bezahlen." Dazu bedürfe es aber des Bewusstseins der Verbraucher und entsprechender Regulierungen und staatlicher Unterstützung.

"Wir müssen effizienter mit Energie umgehen, stärker auf alternative Energien setzen und dafür sorgen, dass die Verbraucher diese auch nutzen können", sagte Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Kemfert gehört zu der Expertengruppe, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die Entwicklung der Energiepreise untersuchen soll. Mit kurzfristigen Steuersenkungen oder der Einführung von Sozialtarifen würde der Verbraucher langfristig nicht entlastet werden. "Wir brauchen langfristige Lösungen, wie wir umsteuern und eine Energiewende erreichen können", sagte Kemfert. Erste Ergebnisse des Gremiums sollen laut Kemfert im September vorliegen.

Effizienter mit Energie umgehen

Klepper rief dazu auf, beim Thema regenerativer Energie über nationale Grenzen hinaus zu denken. Man müsse "den Import auch dieser Energieformen ins Auge fassen, wie wir das ja bei Öl, Kohle und Gas schon lange tun". Deutschland selbst seien natürliche Grenzen gesetzt, um auf erneuerbare Energien aus heimischer Erzeugung umzuschwenken, sagte der Professor. So gebe es beispielsweise für Energie aus Biomasse nicht genug Flächen für einen signifikanten Beitrag zum Energiehaushalt und die Expansionsmöglichkeiten bei der Windenergie seien nicht mehr so groß.

Angesichts dramatisch steigender Spritpreise wächst die Sorge vor dem Verlust Tausender Jobs in Deutschland. Vor allem das Taxi- und das Transportgewerbe rechnen mit Stellenstreichungen. Nach einer "Bild"-Umfrage sehen mehrere Branchenverbände bis zu 140.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Experten erwarten allerdings durch die hohen Energiepreise neue Stellen in anderen Bereichen.

DPA/AP
 
 
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