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25. September 2008, 17:44 Uhr
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Augen zu und durch reicht nicht

Im Bundestag hat Finanzminister Peer Steinbrück wohlfeil auf die USA eingedroschen und versucht, damit eigene Versäumnisse zu verdecken. Deutschland schlittert in eine Rezession, die Koalition schaut tatenlos zu. Die US-Regierung macht das besser: Immerhin tut sie etwas. Ein Kommentar von Marcus Gatzke

Will so weitermachen wie bisher: Finanzminister Peer Steinbrück© Miguel Villagran/AP

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat in seiner Regierungserklärung zur Finanzkrise über eine "überzogene Renditefixierung" gemeckert und über den unerschütterlichen Glauben an die absolute Freiheit der Märkte geschimpft. Er weiß genau, hier hat er wenig Widerspruch zu erwarten. Vor allem aber machte Steinbrücks Rede eins allzu deutlich: Die Große Koalition hat kein Rezept gegen die drohende Rezession in Deutschland.

Das Epizentrum des "Erdbebens", wie der Minister die Krise bezeichnete, liegt zweifelsohne an der Wall Street. Aber die Erdkruste zittert auch in Deutschland. So richtig die Kritik am Verhalten der Banken und der US-Regierung und so wichtig die Forderung nach einer internationalen Regulierung als Lehre aus der Finanzkrise auch sind. Der Finanzminister sollte sich viel stärker mit der Frage beschäftigen, was getan werden kann und muss, um Deutschland wieder auf einen Wachstumspfad zu bringen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert für das dritte Quartal eine rote Null. Die deutsche Wirtschaft würde damit in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpfen und sich damit nach klassischer Definition in einer Rezession befinden. Die Unternehmen blicken so pessimistisch in die Zukunft wie seit Februar 1993 nicht mehr. Die Ursache hierfür ist nicht allein die Finanzkrise, die Situation an der Wall Street macht die Lage in Deutschland aber keinesfalls einfacher. Im Gegenteil.

Auch für Steinbrück sind die Gefahren für die Konjunktur nicht zu übersehen und die Krise wird "tiefe Spuren hinterlassen", gleichzeitig sieht er aber "keinen Grund zur Panik". Wie passt das zusammen? Natürlich sind die Ersparnisse der Bürger nicht gefährdet, wohl aber deren Arbeitsplätze, sollte der Abschwung länger anhalten. Für diese Entwicklung hat der Minister aber kaum Worte, geschweige den Lösungen, parat. "Den Kurs beibehalten" will der Minister. Welchen Kurs?

Die US-Regierung, deren unerschütterlichen Glauben an die Märkte Steinbrück so vehement kritisiert, hat in der Krise rasch und pragmatisch reagiert. Nicht nur den angeschlagenen Finanzinstituten hat sie geholfen, auch den Bürgern hat sie mit so genannten Steuerschecks unter die Arme gegriffen. Die Verfechter einer neoliberalen Wirtschaftspolitik in Washington wissen genau, wann es notwendig ist, staatlich gegenzusteuern. Die Bürger wurden massiv finanziell entlastet. Den Deutschen droht dagegen Anfang 2009 durch deutlich höhere Kassenbeiträge eine zusätzliche Belastung.

Die Bundesregierung läuft sehenden Auges in die Krise. Eine Politik mit "Augenmaß" wie sie Steinbrück mit Verweis auf den Nationalökonomen Max Weber fordert, sieht anders aus.

Ein Kommentar von Marcus Gatzke
KOMMENTARE (10 von 20)
 
wolfi0410 (25.09.2008, 16:47 Uhr)
Warum aufregen.....
die Diäten und steuerfreien Aufwandspauschalen sind doch sicher.
Es kommt doch nicht von ungefähr das die Nullen im anzug die sich Politiker nennen mit 7% auf der Bewertungsskala an letzter Stelle der Vertrauensliste liegen.
Wenn man erstmal dran ist am Trog wird wild um sich gebissen, damit kein anderer dran kommt.
Als die sog. "große" Koalition sich gründete habe ich schon gesagt: "Wieder 4 verlorene Jahre, wird eh nur Wahlkampf."
Was ist aus den vollmundigen Ankündigen geworden außer der größten Steuerehöhung die das deutsche Volk je zu verkraften hatte - nichts!!!
Adieu - armes Deutschland.
peterpan1001 (25.09.2008, 16:34 Uhr)
meine profezeiung
verarmung der bevölkerung in deutschland, zusammenbruch der wirtschaft, neue steuern,die keiner zahlen kann und will, die linken/kommunisten werden sich an die regierung putschen, bürgerkrieg, viele politiker werden am galgen enden!
ich habe eigentlich erst in 5 jahren damit gerechnet, aber es geht doch schneller.
übrigns: präs bush hat sich schon eine ranch in paraguay gekauft als fluchtpunkt.
MikaelP (25.09.2008, 15:43 Uhr)
Finanzkrise
Ich warte eigentlich schon die ganze Zeit auf eine Aussage von Bush wie folgt:
Wir planen eine Koaltion der Willigen (KdW *lol*) und wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns und in dieses Land wird einmarschiert.
Erinnert mich alles ein wenig an 2001-2002.
Wenn nix mehr geht in USA dann sollen die anderen helfen, davor sind so unwichtig wie ein Kropf.
albundy69 (25.09.2008, 15:42 Uhr)
Steinmeier ist natürlich Steinbrück, sorry !
---
Gisella (25.09.2008, 15:42 Uhr)
Finanzprobleme
werden in den USA gelöst werden-egal ob sie das Geld drucken oder sonstwo zusammen -suchen. Die lassen ihr Land nicht untergehen-das können sie sich nicht leisten. Ich bin immer ein großer Kritiker, was dieses Land anbelangt-aber die werden es machen. Ich weiß nicht, was Steinbrück eigentlich will? Wer hat unsere Banken gezwungen, diese faulen Hypotheken aufzukaufen , also mitzumachen?? Einige unserer europäischen Länder haben nicht an dieser "Gier" Geld zu machen, teilgenommenund haben deswegen auch keine Probleme. Unsere Elite verschleudert und "überweist" unsere Steuergelder und macht dann die USA nieder??? Das nenne ich die eigenen Fehler verschleiern.
albundy69 (25.09.2008, 15:40 Uhr)
Fest- und Hochzeit für die SPD
Halleluja SPD; ja ist denn heute euer Glückstag ? Steinmeier kann die USA beschimpfen, die liberale Wirtschaftsordnung herabmachen und gegen alle hetzen, die ihm irgendwie stinken. Oskar kriegt eins eingepackt, Guido ist das Abbild des Bösen, die Kanzlerin, von der man ja sowieso weiss, dass Münte es besser machen würde und die Grünen lobt man, den Speichellecken bringt Regierungsposten. Weiter so SPD !
terrax (25.09.2008, 15:36 Uhr)
@Steinbrück
Sie schimpfen immer auf die Spekulanten und? Haben Sie sich mal den Allianz-Chart angeschaut? Trotz Short-Selling-Verbot gehts dort heiß zu! Immer die Schuld auf uns schieben und von sich weg lenken! Wer hat denn die Krise verursacht? Die Banken oder wir? Und was die Nachfrage am Binnenmarkt angeht, daß hat ja wohl Ihre Superkoaltion verzapft! Aber immer mit dem Finger auf andere zeigen. Die Finanzkrise wird natürlich politisch optimal genutzt um Fehler von sich auf Andere zu lenken! Die Binnennachfrage ging schon vor der Finanzkrise dank ihrer tollen Minilohnpolitik zurück. Und nun haben die Leute kein Geld mehr und jetzt ist der Zeitpunkt natürlich günstig Anderen die Schuld zu geben.
whismerh2 (25.09.2008, 15:15 Uhr)
@simie
Und nicht vergessen sollte man,
das trotz vergangener Mehreinnahmen an Steuern,das dem Bürger mehr rausgepresst worden ist, Null aber Null zum Schuldenabau verwendet worden ist.Wie will diese Trantüte bei zu erwartenden weniger Einnahmen,
einen besseren Haushalt hinlegen.
Und wer auf eine verfassungswiedrigen Haushalt verweist, aufgrund der Pendlerpauschale, hat bei mir eh verschissen.
bR4iNST0RM (25.09.2008, 15:15 Uhr)
Wann ist es genug?
Für die CDU/CSU/SPD/FDP gilt eine Lösung: alles dem Volk. Natürlich ist mit „alles“ der Schuldenausgleich bzw. die Geldspritze für die armen Banken gemeint.
Für Herrn Steinbrück gibt es im Hinterkopf Lösungen: Steuern auf 25%, Lohnnebenkosten auf über 60%. Wären da nicht die doofen Wähler.
Einzig die Maßregelung der nach oben oft unverhältnismäßig hoch proportionierten Gehälter einiger Gierlappen, welche nicht mal in fünf Leben ausgegeben werden können, ist ein Ansatz, aber nicht die endgültige Lösung!
Generell wirft sich hier eine Frage auf: Wann hat EIN Mensch genug Geld „verdient“ (wie auch immer)? Irgendwann ist doch ein Zenit erreicht, wo allein aus den Zinsen eine ganze Stadt ihr Einkommen sicherstellen könnte.
Was sich diese Leute wohl kaum vorstellen können: nach dem Ableben hat das letzte Hemd keine Taschen.
equityshark (25.09.2008, 14:43 Uhr)
dreiste Lüge!
dreister gehts nimmer: "Die Verfechter einer neoliberalen Wirtschaftspolitik in Washington wissen genau, wann es notwendig ist, staatlich gegenzusteuern. Die Bürger wurden massiv finanziell entlastet." Hat der Kommentator nicht mitbekommen, dass der amerikanische Steuerzahler mit dem Paulson Plan in unlimitierter Höhe zu Kasse gebeten werden soll? Un das unter gleichzeitiger Ausschaltung jeglicher demokratischer Kontrolle. Paulson will die Diktatur der Finanzwirtschaft über die Gesellschaft. Bitte, liebe SZ, verschone uns vor weiterer Desinformation!
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