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17. September 2008, 10:14 Uhr
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US-Regierung rettet AIG

Gute Nachricht für die weltweiten Finanzmärkte: Nach einer dramatischen Wende hat die US-Notenbank dem schwer angeschlagenen Versicherungsriesen AIG einen Kredit von 85 Milliarden Dollar zugesagt. Im Gegenzug übernimmt die Regierung in Washington den Konzern zu 80 Prozent. Der Dow Jones und die asiatischen Börsen reagierten mit deutlichen Kursgewinnen.

Endlich eine gute Nachricht: Zur Freude von Börsenhändler Daniel Ryans rettet die US-Regierung den Versicherungskonzern AIG mit einem 85-Milliarden-Dollar-Kredit© Richard Drew/AP

Die US-Notenbank Fed rettet den ums Überleben kämpfenden Versicherungskonzern American International Group (AIG) mit einem Kredit in Höhe von 85 Milliarden Dollar (60 Milliarden Euro). Im Gegenzug erhält die US-Regierung einen Anteil von 79,9 Prozent an AIG, erklärte die Fed am Mittwoch in New York. Ein Bankrott des Versicherers könne die wegen der Finanzmarktkrise bereits angeschlagenen Märkte untergraben, begründete die Fed ihre Entscheidung.

Mit der überraschenden staatlichen Rettungsaktion wollen US-Regierung und Notenbank die Finanzkrise eindämmen. Die drohende Pleite des weltweit zweitgrößten Versicherungskonzerns hätte die globalen Finanzmärkte in weitere schwere Turbulenzen gestürzt. AIG war wegen Milliardenverlusten im Zuge der Kreditkrise in akute Kapitalnot geraten. Die Aktie des Versicherers verlor seit Jahresbeginn mehr als 90 Prozent ihres Werts.

Regierung und Notenbank hatten bis zuletzt staatliche Hilfen für AIG immer wieder ausgeschlossen. Eine konzertierte Rettungsaktion innerhalb der Branche durch andere Versicherer und Banken sei aber nicht zustande gekommen, berichtete etwa die "New York Times" unter Berufung auf Verhandlungskreise.

Schon kurz vorher hatten US-Medienberichte über mögliche staatliche Hilfen für positive Reaktionen an den Finanzmärkten gesorgt: Die amerikanischen Börsen schlossen nach einer wilden Achterbahnfahrt im Plus. Der Dow-Jones-Index stieg um 1,30 Prozent auf 11.059 Punkte.

Für weitere Aufhellung sorgte die zweitgrößte US-Investmentbank Morgan Stanley, die nach Börsenschluss vergleichsweise gute Zahlen vorlegte. Der Überschuss lag demnach Ende August abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal bei 1,4 Milliarden Dollar und damit nur acht Prozent unter dem Vorjahr. Die Bekanntgabe der Zahlen war eigentlich erst für Mittwoch geplant. Angesichts der jüngsten Turbulenzen bei Wettbewerbern wie Lehman Brothers und Merrill Lynch hatte sich die Bank aber zur früheren Veröffentlichung entschlossen.

Barclays kauft Teile von Lehman

Gute Nachrichten kommen auch von der britischen Bank Barclays. Sie kauft Medienberichten zufolge Teile der insolventen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. Durch die Übernahme für rund zwei Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) könnten rund 9000 Lehman-Beschäftigte unter dem Dach von Barclays ihren Job behalten, berichtete das "Wall Street Journal Online". Insgesamt zählte Lehman zuletzt rund 25.000 Mitarbeiter. Der Kauf müsse noch vom Insolvenzgericht abgesegnet werden, hieß es weiter. Die Übernahme umfasse das Investmentbanking von Lehman in den USA sowie das Kapitalmarktgeschäft.

Nach dem "schwarzen Montag" an den internationalen Finanzmärkten erholten sich die Börsen bis Mittwochmorgen von ihren anfänglichen Verlusten. Nach den lateinamerikanischen Finanzmärkten, die schon am Dienstagabend etwas Aufwind registriert hatten, zogen am Morgen auch die asiatischen Börsen nach oben. Unter anderem notierte in Tokio der Nikkei für 225 führende Werte zur Halbzeit einen deutlichen Aufschlag von 241,06 Punkten. Zuvor hatte die japanische Zentralbank noch weitere zwei Billionen Yen, umgerechnet 13,2 Milliarden Euro, in den Geldmarkt des Landes gepumpt.

Die Pleite von Lehman Brothers hat derweil auch Auswirkungen auf deutsche Banken. Die Insolvenz kostet die bundeseigene KfW-Bank einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge vermutlich einen dreistelligen Millionenbetrag. Die KfW habe Engagements mit Lehman im mittleren dreistelligen Millionenbereich bestätigt, schreibt das Blatt. Mögliche Ausfälle bedrohten jedoch weder die Existenz der Bank noch deren Förderfähigkeit, sagte ein Sprecher.

Milliarden-Belastungen für Einlagensicherungsfonds befürchtet

Auf den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) rollt unterdessen nach einem Bericht des "Handelsblatts" der bislang größte Schadensfall der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu. Der Kollaps von Lehman Brothers könnte den Sicherungsfonds laut Finanzmarktkreisen mit bis zu sechs Milliarden Euro belasten, weil die deutsche Tochter der Entschädigungseinrichtung mit einer Deckungssumme in dieser Höhe angeschlossen sei, schreibt das Blatt.

Der BdB wollte die Schadenssumme im Fall Lehman Brothers weder bestätigen noch dementieren. Anleger in Deutschland müssen aufgrund der aktuellen Finanzmarktturbulenzen jedoch keine Sorge um ihre Ersparnisse haben, erklärte der Verband. Die Sicherungssysteme hierzulande griffen, die Banken seien robust. Die Gesamtverbindlichkeiten von Lehman in Deutschland belaufen sich auf 14,3 Milliarden Euro.

DPA/AP
KOMMENTARE (10 von 13)
 
DasBertl (17.09.2008, 20:03 Uhr)
Der kapitalistische Tiger stirbt
und alle die vorher geschrien haben man möge sich nicht in seine Natur einmischen schliessen jetzt die Infusionen (mit dem Blut der Opfer des Tigers und jeder wird zur Spende gezwungen) an... Eine heuchelei Sondersgleichen
DrNoHamburg (17.09.2008, 10:53 Uhr)
Rettung? Hinausschieben!
Verstaatlichung?!?! Eher ein Hinauszögern des Zusammenbruches!
Das erinnert mich irgendwie an die 90er Jahre in Deutschland, als der listige Theo Waigl seine Milliardenforderungen fein säuberlicher in kleine Häppchen aufteilte, zur Besseren Verdauung des Bürgers. Und so präsentierte er fast jede Woche ein neues "Milliardenloch", welches durch Kürzungen, Einsparungen und Steuererhöhungen zu Stopfen sei. So ähnlich macht es jetzt wohl auch die US-Regierung?! Zerfall in Raten. Besser viele kleine Beben als ein riesen RUMPS! Dann schluckts der Bürger besser, der diese Desaster dann auch noch finanzieren muß! Mit 100Mrd € sind wir Europäer dabei, die Säulen zu stützen. Ganz Locker in den Markt geschmissen. Wenn es um Bildung oder Armutsbekämpfung gehen würde, müßte man für lächerliche Millionen Euro Hilfe monatelang kämpfen...
laeppe (17.09.2008, 10:27 Uhr)
Wer gibt den Amis das Geld ?
Jemand der in diesem Jahr allein
ca 600 Milliarden Handelsdefizite
ausweist - eine Verschuldung die man
horrend bezeichnet - bei dem spielt
es wohl keine Rolle mal eben
85 Milliarden für eine Versicherung
locker zu machen.
Kapitalismus soll aber etwas anderes
sein als Banken und Versicherungen
zu kaufen die vorher abgewirtschaftet
wurden.
bernie-abg (17.09.2008, 10:26 Uhr)
Hallo liebe Bankkunden...
...nachdem eure Steuergelder in die Pleitebanken geflossen sind dürft ihr jetzt auch noch den Einlagensicherungsfond wieder auffüllen.
Entgegen der irreführenden
Information, daß "die Banken" den Fond mit "ihrem" Geld füllen, fragt euch doch mal woher "die Banken" das Geld haben.
(säuerlich grins)
Pamela_1971 (17.09.2008, 10:19 Uhr)
Verstaatlichung der Banken und Konzerne....
"Nach einer dramatischen Wende hat die US-Notenbank dem schwer angeschlagenen Versicherungsriesen AIG einen Kredit von 85 Milliarden Dollar zugesagt. Im Gegenzug übernimmt die Regierung in Washington den Konzern zu 80 Prozent."
.
=> Interessante Entwicklung: In den USA werden im Zuge der Finanzkrise immer mehr Konzerne und Banken (Fannie Mae, Freddie Mac ... jetzt AIG) verstaatlicht - während in Deutschland die Forderung nach einer Verstaatlichung der Banken noch immer als "linksextremistisch" oder gar noch schlimmeres gilt... hier kommt man ja schon mal in den Verfassungsschutzbericht, wenn man genau das fordert, was in den USA zur Zeit alltäglich passiert...!
.
Interessant ist auch, dass aus der neoliberalen Ecke da gar niemand aufheult... ansonsten gilt doch in diesen Kreisen immer der strikte Grundsatz, dass sich der Staat aus der Wirtschaft gefälligst draußen zu halten habe. Freier Markt, und so. Bloß keine staatliche Regulierung. Und jetzt wird in den USA die ur-linke, ur-sozialistische, ja: ur-kommunistische Forderung nach einer Verstaatlichung der Banken und Konzerne fast im Wochentakt umgesetzt... und trotzdem schreit niemand auf. - Eine durchaus bemerkenswerte Entwicklung! :-)
chb74 (17.09.2008, 09:48 Uhr)
Bildbeschriftungen
Die Bildbeschriftungen der Fotostrecke hat wohl der Pförtner vom "stern" gemacht: "City-Group", ich lache mich scheckig! Da spricht ja richtig geballtes Wissen über die Materie aus dem Text. Liebe stern-Redakteure, die Bank heisst "Citigroup" und wird genauso (und nicht "City") geschrieben (siehe http://www.citigroup.com/)!
esopherah (17.09.2008, 09:28 Uhr)
wie bei uns
für kinder die nur noch nudeln essen, schulen die bücher von 1970 haben, betreuung von wirklich hilfsbedürtigen ist kein geld da....
....aber ner LB millionen hinterherwerfen ist ok....
für diesen zustand gehören die verantworlichen.....
DasBertl (17.09.2008, 09:28 Uhr)
Schlechtschreibung
ups... das sollte natürlich Rettung heissen, nicht Retten
DasBertl (17.09.2008, 09:25 Uhr)
wieder einmal
zahlt die Zeche für die Gier der Finanzunternehmen der Steuerzahler, aber wenn das so weiter geht, wird dieser den Oberen noch den Vogel zeigen und laut fragen: WAS habt Ihr für mich gemacht, außer mir meinen Arbeitsplatz und zusätzliche Steuern gekostet? Ihr zahlt euch selbst Millionen und speist eure Mitarbeiter mit Kleinvieh ab, Ihr kauft marode Unternehmen um sie zu Tode auszuquetschen und die Mitarbeiter treibt Ihr in den Ruin, Ihr vernichtet Millionen Arbeitsplätze auf der Welt. Und WIR zahlen dafür auch noch eure Retten? Und was macht Ihr an der Regierung? Ihr verschenkt unser aller Geld an die geldgierigste Meute aller Zeiten und das, wo Ihr doch immer die Selbstheilungskräfte des Marktes propagiert, aber nur dann, wenns um die Jobs des kleinen Mannes geht. LANG geht das sicher nicht mehr gut, der wahre Sturz wird erst noch kommen....
whismerh2 (17.09.2008, 09:22 Uhr)
@provocateur
Hy
Schöne Geschichte, und sehr wahrscheinlich bald Wirklichkeit.
Ich betrachte das mal ganz nüchtern,
In Anbetracht der Tatsache das hier schierlos Geld in eine Option geschüttet wird, die scheinbar eh zum scheitern verurteilt ist, muss es ja wohl vielen Leuten um Kopf und Kragen gehen.
Des weiteren verhungern bekanntlicherweise immer noch genug Menschen insbesondere Kinder auf dieser Welt, für die scheinbar weniger Interesse der Kreditvergabe oder auch Rettung vorhanden ist.
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