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25. Oktober 2007, 08:01 Uhr

Kampf der Kaffee-Kolosse

"Frappuccino", "Tall Decaf Latte" oder "Iced Americano": Starbucks-Filialen findet man inzwischen fast überall auf der Welt. Überall? Nein, ein kleines Land in Südeuropa wehrt sich bisher tapfer gegen die drohende Invasion der US-Kaffeekette. Von Luisa Brandl

Zoom

Eine Starbucksfiliale in Manhattan, New York. Was hier gut ins Bild passt, ist in Rom noch schwer vorstellbar© Shannon Stapleton/Reuters

Zwei Italiener, weißgekleidet, schweben auf einer watteweißen Wolke vor blauem mit Wölkchen garniertem Himmel. Sie haben die Beine lässig übereinander geschlagen, nippen an ihren Espressotassen und lächeln. Soweit der Werbespot des Kaffeerösters Lavazza.

Die Realität sieht alles andere als watteweich aus. Die italienischen Markenführer befinden sich seit Jahren in einem beinharten Abwehrkrieg mit dem US-Kaffeemulti Starbucks, der seinen weltweiten Eroberungszug auf Italien ausdehnen will. Nun hat die Konzernspitze in Seattle angekündigt, dass sie ihren Expansionskurs beschleunigen will.

Italien als Gründungsmythos

Firmengründer Howard Schultz will Starbucks in so ziemlich jedes Land der Welt bringen, auch nach Italien. 14.500 Kaffeehäuser betreibt er weltweit, in den nächsten Jahren sollen es 40.000 Niederlassungen werden, dann hätte Starbucks mehr Filialen als McDonalds. Aber ausgerechnet im Espresso-Land-Italien hat der Gigant keinen einzigen Coffee-Shop eröffnet. Dabei ist die typisch italienische Bar der Gründungsmythos von Starbucks.

In Italien ist der durch hohen Wasserdruck erzeugte Espresso an der Bar ein sozialer Ritus, der den Tag einteilt. 38 Millionen Tässchen werden hierzulande jeden Tag am Tresen gekippt. Mit Grauen beobachten die Italiener nun, wie das US-Unternehmen wichtige europäische Kaffeebastionen besetzt. Gegenüber dem Hotel Sacher in Wien etwa verkauft Starbucks jetzt "Frappuccinos", "Tall Decaf Latte" und "Iced Americano".

Italiens Kaffeeindustrie rüstet auf

Gegen den Expansionsdrang des Kaffeeriesen pumpen die italienischen Hersteller jetzt Millionenbeträge in neue Strategien. Dabei geht es nicht nur um Marktanteile, sondern auch um den Erhalt und die Verbreitung der italienischen Kaffeekultur. An vorderster Front der Marktführer Lavazza (930 Millionen Euro Umsatz).

Lavazza präsentierte kürzlich seinen neuen Hochglanzkalender mit Fotos des schottischen Talents Finlay Mac Kay, dessen Bilder auch die 21 Millionen Euro teure Werbkampagne bestücken. Der Kaffeeröster setzt zudem auf Expansion: Lavazza betreibt 84 Coffee-Shops in Europa, vor allem in Spanien, Portugal und Frankreich und 170 in Indien, deren Zahl in den nächsten drei Jahren verdoppelt werden soll.

Großes Wachstum verspricht der Markt der Einzelportionen. Lavazza kommt in diesen Tagen mit einem neuen Produkt heraus. "A Modo Mio“ (auf meine Art) besteht aus einer Saeco-Kaffeemaschine mit einem Pad-System für Privathaushalte.

Zehn Millionen Euro habe Lavazza in das Produkt investiert und sechs Millionen Euro ins Marketing, so Giuseppe Lavazza, der Marketing-Verantwortliche des Familienbetriebs. Angestrebtes Ziel: der Verkauf von 250.000 Kaffeemaschinen und 100 Millionen Pads bis Ende 2008. Auch die Traditionsmarke Bialetti (208,5 Millionen Euro Jahresumsatz) hat ein Kapsel- und Pad-System aus Aluminium entwickelt.

Qualität statt Franchise

Das Triester Kaffeeunternehmen Illy pflegt hingegen sein Image als Edelmarke. Ein großer Marketingerfolg war die Idee, Tassen von Künstlern gestalten zu lassen. Illycaffé bringt jedes Jahr etwa drei Tassen-Kollektionen junger Talente und anerkannter Künstler heraus. Ab 2008 wird Illy in einer Joint-Venture mit Coca Cola eine neue Produktlinie mit hochwertigen Kaffeegetränken lancieren. Das Abkommen ist eine Antwort auf die Firmenallianz von Starbucks mit dem Coca-Cola-Konkurrenten Pepsi.

Um den Qualitätsstandard des italienischen Kaffees zu verbreiten hat Riccardo Illy eigens eine Universität in Triest gegründet. Die "Università del caffè" bietet ein anspruchsvolles Weiterbildungsprogramm für Kaffeehersteller und Kaffeehausbetreiber. Gelehrt wird alles von der Kaffeeherstellung bis zur Produktauswahl, von der Zubereitung bis zur Präsentation, aber auch das richtige Marketing und Management.

Riccardo Illy hat sich wie kein zweiter dem Kampf um die Wahrung der italienischen Tradition verschrieben. Immer wieder wird der Firmenboss mit seinem berühmten Satz zitiert: "Die Welt lässt sich in zwei Sorten Menschen einteilten: In Espresso-Trinker und andere. Wir Italiener sind Espressotrinker. Die Amerikaner sind andere Menschen."

Von Luisa Brandl
KOMMENTARE (10 von 18)
 
chapultepec (25.10.2007, 11:39 Uhr)
eine westliche Kultur wäre vielleicht eine gute Idee (Ghandi)
welche Kultur steckt hinter ein System, das Produkte in einer Art und Weise herstellt, die Menschen verhungern lässt und die Umwelt verpestet?
Sagen wir in einer der produzierenden Länder herrscht eine Diktatur. Die Bevölkerung setzt Sklaven ein um ihre Produkte herzustellen. Ein Unternehmen kommt und unterstützt den Diktator, weil die Produktionskosten ach so niedrig sind und verkauft sie woanders zu horrend hohe Preise. Würde man ihre Produkte kaufen? Und dann nenne ich das ganze Konsum-"Erlebnis" Kultur???
Oder reden wir von Waffen. Soldaten schwärmen wahrscheinlich auch über die tollen Waffen die sie zum töten einsetzen. Wahrhaftig eine Schießkultur.
Dialogus (25.10.2007, 11:00 Uhr)
2 Punkte gegen Starbucks
1. Starbucks suggeriert Kaffekultur. Das wäre, als wenn Microsoft bedienerfreundliche und zuverlässige Betriebssysteme vertreibe. Tut es das wirklich?
Eher nein, denn durch die Masse denken das viele. Also nimmt man das, was alle Anderen nehmen.
2. Starbucks bezieht Kaffee, u.a. aus Südamerika zu Preisen, die selbst den Kaffeebauern dort zu niedrig sind.
Machbar ist das deswegen, weil Harvard Anwälte und Strategen im Namen Starbucks' die dortigen Bauern "überrumpelt" haben.
Sie ziehen einen/ihren intelektuellen Vorteil daraus und "bescheissen" (sorry) die Bauern und kommen sich dabei unglaublich toll vor.
Anstatt die Bauern am Gewinn teilhaben zu lassen, genau das Gegenteil.
Das sind leider amerikanische Tugenden im Bereich der Unternehmensführung.
Das ist aber Starbucks. Schade eigentlich.
beansidhe (25.10.2007, 10:39 Uhr)
Ein Hoch auf den italienischen caffè...
Ich hoffe, den Italienern gelingt die Abwehr... ich habe fast 3 Jahre in Italien gelebt und habe es genossen, in kleine Bars an der nächsten Ecke zu gehen und einen caffè zu genießen... das hat nichts mit dem Zeugs zu tun, was man bei Starbucks bekommt. Schon von der Menge her nicht, und von der Qualität erst recht nicht. Ein guter Caffè will Liebe, die richtige Kaffeesorte und das richtige Wasser... und ein bißchen gehört das Barambiente auch dazu. Schließlich ist eine Bar nicht nur ein Ort, wo man seinen caffè trinkt...
Wer jemals in Rom sein sollte: Probiert mal den caffè in der Tazza d'Oro schräg gegenüber vom Pantheon - danach ist man hoffentlich von jeder Art Starbucks kuriert. DAS ist caffè!
Beansidhe
chapultepec (25.10.2007, 10:15 Uhr)
Die Kaffee Krise
Oxfam
http://www.maketradefair.com/en/index.php?file=issues_coffee.htm#
http://www.maketradefair.com/en/index.php?file=16092002163229.htm
"...Ziegler beschreibt hier die humanitäre Katastrophe in Äthiopien, einem vergleichsweise fruchtbaren Land, das jedoch durch den Zusammenbruch der Weltmarktpreise für Kaffee in eine entsetzliche Armut getrieben wurde. So wurden die Kaffeepreise über dreißig Jahre lang durch das International Coffee Agreement (ICA) relativ stabil gehalten. 1989 schaffte man das ICA jedoch ab. Schließlich musste man ja jetzt keine Angst mehr haben, dass arme, aber geostrategisch wichtige Länder sich dem Sowjetblock zuwenden könnten. Seitdem herrscht das Recht des Stärkeren. Zwischen 1980 und 1990 belief sich der Preis beim örtlichen Produzenten auf 1,20 Dollar pro Pfund, heute liegt er unter 50 Cent. Die Gewinne von Nestlé sind im Jahr 2000 um 25%, die von Tschibo um 47% gestiegen. Die Gesetze des Marktes sind einfach: Von 25 Millionen Kaffee produzierenden Familien müssten mindestens 10 Millionen verschwinden, so die Botschaft aus der Führungsetage von Nestle - verschwinden, um "den Markt zu sanieren"! Eine geradezu euphemistische Sprachregelung angesichts des Hungertodes von Millionen Menschen..."
http://www.randomhouse.de/dynamicspecials/ziegler_imperiumderschande/index.jsp?men=0&page=1
chapultepec (25.10.2007, 10:03 Uhr)
CoffeeCalculator
interessanter Link
Black Gold Film
http://www.blackgoldmovie.com/CoffeeCalculator/
gerd. (25.10.2007, 09:55 Uhr)
@Luisa Brandl
Im Artikel steht "Die italienischen Markenführer befinden sich seit Jahren in einem beinharten Abwehrkrieg", nur geht aus ihm nicht hervor, aus welchem Grund es denn bisher keine einzige Starbucks-Filiale in Italien gibt. Es wird doch niemand verhindern können, dass Starbucks damit einfach anfängt!? Will Starbucks denn nun nach Italien oder genau nicht - weil sich der Markt dort nicht rechnet und recht gut besetzt ist?
Ryan2k (25.10.2007, 09:37 Uhr)
also mal im ernst...
so wirklich SUPER schmeckt er nicht der Kaffee. Aber man kann ihn trinken. Und wenn man mal schaut wer den in solchen Läden rumsitzt, dann ist das eher das jüngere Publikum. Und es hat mehr mit dem Image zu tun das man dort seinen Kaffee trinken geht statt irgendwo, wo man nicht gesehen wird. Ich bin ab und zu mal im Starbucks mit Freunden Pause machen usw. Aber wenn man in ruhe einen guten Kaffee trinken will sollte man sich nicht in einen Starbucks laden setzen.
gmathol (25.10.2007, 06:49 Uhr)
Kleiner Nachtrag zu Starbucks...
Nicht alle Starbucks Niederlassungen schenken den Kaffee in Pappe oder Plastik aus.
Berkeley und viele Starbucks in der Schweiz benutzen Porzellan.
gmathol (25.10.2007, 06:48 Uhr)
Starbucks Kaffee Bohnen sind ok, aber...
...was in den Starbucks Lokalen als Kaffee oder Kaffee Getraenk serviert wird ist meistens ungeniessbar und ueberteuert.
Die French Roast Bohnen von Starbucks (Columbia, etc.) sind zu Hause genossen ausgezeichnet. Der geroestete Kaffee ist frisch und das kann man an den vorhandenen Oelen in auf den Kaffeebohnen erkennen. Was Tchibo und Eduscho als Kaffee verkaufen hat die Qualitaet von Eichelkaffee. Sorry.
Gute Kaffeebohnen und eine Schweizer Kaffeemaschine (leider etwas teuer ca. 600-800 Euro) sind das Paradies fuer den Kaffeegeniesser.
Sorry, ich liebe diese Getraenk.
tripex (25.10.2007, 03:43 Uhr)
Kaffee ist ungsund
Starbucks reiht sich in die Erfolgsgeschichte von Fastfood wie McDonald (more than 99 billion served) prima ein. Das hat aber herzlich wenig mit Qualitaet zu tun. Weder beim Personal und ganz bestimmt nicht beim Produkt. Es ist einfach nur Marketing. Es ist angeblich eben cool, einen Mega XXL-Pappbecher ueber die Strasse zu tragen. Dass der Inhalt (2L Wasser mit etwas Kaffeegeschmack) ab der Haelfte schon kalt ist, interessiert doch nicht. Genausowenig der Preis. Hauptsache ich komme "cool" (arme(r) Irre(r)) ins Buero. Kaffee ist so oder so ungesund, aber das ist eine andere Geschichte.
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