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25. November 2008, 09:54 Uhr

EU fordert Steuersenkungen

Die EU-Kommission geht auf Kollisionskurs zur Bundesregierung: Sie rät im Kampf gegen die Wirtschaftskrise in Europa zu Steuersenkungen, um den Konsum wieder anzukurbeln und das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen. Die Euro-Zone steckt bereits in einer Rezession, die sich nach jüngsten Daten im kommenden Jahr verschlimmern kann.

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EU-Kommission, Mehrwertsteuer, Steuern senken, Rezession

Die EU-Kommission fordert: Die Europäische Zentralbank soll die Zinsen weiter senken© Martin Oeser/DDP

Die EU-Kommission rät im Kampf gegen eine schwere Rezession in Europa zu steuerlichen Entlastungen. "Allgemein können vorübergehende Mehrwertsteuersenkungen schnell eingeführt werden, um einen starken fiskalischen Impuls zu schaffen, der den Konsum stützt", heißt es in dem Entwurf des für Mittwoch angekündigten Konjunkturprogramms, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Die bereits vorgeschlagene reduzierte Mehrwertsteuer auf arbeitsintensive Dienstleistungen sollen die EU-Länder Anfang des Jahres verabschieden. Außerdem werde die Kommission einen Entwurf für niedrigere Sätze bei umweltfreundlichen Produkten vorlegen. Schließlich spricht sich Brüssel dafür aus, die Lohnsteuer für Geringverdiener zu senken.

Die Kommission geht mit dem Plan, der einen Rahmen für eine gemeinsame Antwort auf die Wirtschaftskrise abgeben soll, auf Kollisionskurs mit der Bundesregierung. Deutschland lehnt ermäßigte Mehrwertsteuersätze etwa für Handwerkerarbeit ab, weil damit noch mehr Ausnahmen im EU-weiten Durcheinander der Verbrauchssteuern geschaffen würden. Mit Einkommensteuersenkungen ist die Bundesregierung nicht einverstanden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will erst im Bundestagswahlkampf für eine Steuerreform werben. Eine Mehrwertsteuersenkung, wie sie Großbritannien vorhat, lehnten Deutschland und Frankreich ab, sagte Merkel am Montag nach einem Treffen mit Präsident Nicolas Sarkozy in Paris. Sarkozy quittierte die von der Bundesregierung gegen das Programm geäußerten Bedenken dabei mit der spitzen Bemerkung: "Während Frankreich arbeitet, denkt Deutschland."

Die Euro-Zone steckt bereits in einer Rezession, die sich nach jüngsten Daten im kommenden Jahr verschlimmern kann. Die Europäische Zentralbank (EZB) solle die Zinsen weiter senken, fordert die Kommission. Der EU-Plan zur Wirtschaftserholung habe das Ziel, "rasch die Nachfrage zu stimulieren und das Verbrauchervertrauen zu steigern", heißt es in dem Papier weiter. Darin lässt die Kommission die Größenordnung für das Programm aus nationalen Einzelpaketen und EU-Mitteln noch offen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatte vergangene Woche den Betrag von 130 Milliarden Euro genannt. Die Bundesregierung will zunächst nicht mehr als die bereits beschlossenen Impulse über 32 Milliarden Euro ausgeben.

Unter den Mitgliedsländern gebe es noch Differenzen darüber, wie stark sie sich engagieren können, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person zu Reuters. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sei derzeit in "Pendeldiplomatie" zwischen den Hauptstädten unterwegs, um einen Konsens über die Lastenteilung bis Mittwoch zu erreichen. Die osteuropäischen Länder hätten Bedenken gegen ein Volumen von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

An EU-Förderinstrumenten sind zusätzliche Kreditprogramme der Europäischen Investitionsbank vorgesehen. So ist für energieeffiziente Baumaßnahmen eine Milliarde Euro geplant. Die Förderkredite für eine umweltfreundlichere Autoproduktion sollen ausgeweitet werden, doch auch hier fehlt noch die Summe. Über die EU-Fonds zur Regionalförderung sollen 2009 schon Mittel ausgegeben werden, die erst für später gedacht waren.

In ein Dilemma kommt die EU mit milliardenschweren öffentlichen Ausgabenprogrammen bei der Staatsverschuldung. Die EU-Kommission will den Stabilitätspakt mit seiner Defizitgrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung nicht aussetzen, wie es in dem Entwurf heißt. "Er wird angewandt, aber es wird die vorhandene Flexibilität genutzt." EU-Staaten sollen mit ihren Konjunkturpaketen gleichzeitig festlegen, wie sie damit einhergehende Verschuldung wieder abbauen wollen. Dazu sollen sie sich in aktualisierten Stabilitätsprogrammen verpflichten. Die Behörde stellt klar, dass es Strafverfahren gegen übermäßige Defizite auch in Krisenzeiten geben kann.

Reuters
KOMMENTARE (10 von 17)
 
Countryjoe (25.11.2008, 11:30 Uhr)
Steuersenkungen unmöglich
Da wir ja noch bis 2020 die Reparationszahlungen aus WK1 und WK2 abstottern müssen, sind Steuersenkungen nicht drin.
susiwolf (25.11.2008, 10:30 Uhr)
@kaffeesatz....'unsere Perle'
Unsere Perle aus MecPom ist auch eine mathematische Perle. Abschluß Mathematik mit "1" beim Abitur 1973 (vor 35 (!) Jahren.
Sie ist jetzt seit mehr als 3 Jahren KanzlerIn und ihr Dissertationsthema lautete:
"Untersuchung des Mechanismus(ses) von
Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch... (...) ..."
Sie sehen, Sie brauchen nicht im Kaffeesatz zu lesen: Unsere Perle hat alle Voraussetzungen, auch 2009 -rein mathematisch und historisch gewachsen-
KanzlerIn zu werden................................
Corazito3333 (25.11.2008, 10:26 Uhr)
Umdenken und unser Geld nicht verschwenden
Nett, energieeffiziente Baumaßnahmen als steuerliche Entlastung, bißchen proforma was für die Umwelt tun und wem kommt die Entlastung zugute, den "armen" Bauherren aber nicht dem "Volk" den Mietern.
Entlstung der unteren Lohngruppen, damit wird auch kein großartiger Konsum erzeugt und von einer vorübergehenden Absenkung der MWSt auch nicht (aber dann gibts Hamsterkäufe, vielleicht könnte man dann auch am Wochenende öffnen, das gäbe dann Arbeitsplätze.
Lohnstuer und MWSt dauerhaft nach unten, die Renten sichern, Stabilität schaffen und dem Bürger die Angst nehmen, das wäre der Weg.
Aber dazu müßten die Politiker mal "denken" und etwas sparsamer und überlegter mit unserem Geld umgehen!!!!!!!!
Sternchen2020 (25.11.2008, 10:09 Uhr)
@kaffeesatz
Ja, ich habe mich auch einigermaßen gewundert, als sie äußerte "Wir werden in 2009 nach der Bundestagswahl senken[..]. Merkel scheint ja sehr davon überzeugt zu sein, dass sie auch über den Herbst 2009 hinaus noch irgendetwas hier im Land über die Köpfe der Bürger hinweg zu managen habe. Selbstbewußtsein ist wohl schon der halbe Wahlsieg? Wenn ihre Vorstellungen und Planungen mal nicht ins Auge gehen. Aber sie fällt ja weich. Neben Rundum-Sorglos-Paket durch die Steuerzahler (lebenslang) warten schon die Pöstchen, die das persönliche Budget weiter aufrüsten. Und da wir ja keine Karenzzeiten haben, spielt nicht einmal das Metier eine Rolle, in das sie einsteigen wird. Wie wäre es mit Vorlesungen an der Havard-Universität? Thema: So verarmt ein ganzes Land. Die Ehrendoktorwürde gibt es gratis obenauf.
Nizzre (25.11.2008, 10:08 Uhr)
Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenvers.
Es ist dabei obendrein ja nicht nur so, dass die regulär Versicherten keinen vollen Ausgleich erhalten für die Erhöhung der KK-Beiträge.
Wer Rentner, freiwillig versicherter Selbständiger oder pflichtversicherter Selbständiger (z.B über Künstlersozialkasse) ist, der zahlt gar keine Arbeitslosenversicherung, muss aber die teils massive Erhöhung ausgleichen.
In meinem Fall sind das z.B. 70 Euro jeden Monat, die ich ab nächstem Jahr mehr zahlen darf - ohne irgendwo eine "Gegenfinanzierung" zu haben.
Das ist nicht nur ärgerlich sondern auch ein schmerzhafter Griff in die Haushaltskasse.
kaffeesatz (25.11.2008, 09:58 Uhr)
Steuersenkung
In den Tagesthemen gestern Abend hat unsere Perle aus MecPom gesagt: Steuersenkung gibt es nicht für Otto-Normalverbraucher, wir senken ihm ja schon die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung! Diese Aussage zeigt ganz deutlich, dass unsere Kanzlerin überhaupt keine Ahnung hat! Diese Senkung soll angeblich die Erhöhung für den sog. Gesundheitsfonds auffangen! KKH z.Z. 13,9%, Gesundheitsfonds ab Januar 15,5%, Arbeitslosenversicherung minus 0,5%! Wo hat diese Frau Physik studiert? - sie brauchte offenbar keine Mathematik, denn bei ihr reicht es nicht einmal für die 4 Grundrechenarten!
Glaubt sie allen Ernstes, dass sie nach der nächsten Wahl noch die Gelegenheit hat Steuern zu ändern? Wenn ja, haben wir die wirklich verdient!
Nizzre (25.11.2008, 09:27 Uhr)
@gmathol: Beweise?
Ihr Zitat: "...zumal Eheman Joachim Sauer Millionen an Bestechungsgeldern bereits in London in seiner sogenannten Finanzgesellschaft gebunkert hat.
Ein Fall fuer den Staatsanwalt!"
Auch wenn Frau Merkel und ihr verbiesterter Gatte mir zutiefst unsympathisch sind, so muss ich doch die Frage stellen: Haben Sie Beweise oder zumindestens nennenswerte Indizien für diese Behauptung?
Ansonsten sollte man solche Anschuldigungen nicht erheben.
Auch nicht aus blanker Wut darüber, dass mal wieder der "deutsche Michel" gegenüber den europäischen Nachbarn als Depp dasteht, der sich in jede Tasche zweimal fassen lässt.
makira (25.11.2008, 09:24 Uhr)
Abzocker müsste man sein
Investmentbanken, die Kohle ohne Ende verzockt haben, bekommen ruckzuck staatliche Gelder. Den Arbeitnehmer entlasten, etwa durch Senkung der MWSt? Woher soll den das Geld für die Spekulanten wie Adolf Merckle herkommen?
So, jetzt aber schnell zum Autohändler und einen Neuwagen für 20.000 Euro kaufen. Dann spare ich mir clever die 250 Euro Kfz-Steuer. Hole ich meiner Frau direkt auch einen, sind's schon 500! Das nenne ich Entlastung.
Amin42 (25.11.2008, 09:17 Uhr)
Mehrwertsteuersenkung = niedrigere Preise?
Das glaubt doch wohl niemand im Ernst, oder? Soll ich mal anfangen, all die Beispiele aufzuzählen, bei denen für Produkte Einkaufskosten gefallen, aber der Preisvorteil nicht an die Kunden weitergegeben wurde? Wenn eine Senkung der Märchensteuer wirklich käme, würde vor allem und in erster Linie die Gewinnmargen der Unternehmen steigen. Die Öllobby zeigt uns ja, wie sowas geht. "knilch_59" hat in sofern sicherlich Recht, auch ich horte jeden CEnt wo es nur geht. UNd warum? Weil ich heute nicht weiss, was mir die "Regierungen" dieses Landes morgen an Steuern aufdrückt, und welche Lobbyfreundlichen GEsetze im Bundestag noch durchgewunken werden. Schaut Euch doch mal um: Gesundheitsreform, Energiemarkt, Rentenversicherungen: überall wurden Reformen dahingehend durchgewunken, dass einige wenige ( in der Regel mächtige ) Konzerne immense Gewinne auf Kosten der Bürger machen. UNd der Brüger? Darf zahlen! Und welche Firmen das sind, erkennt man immer daran, wo abgewählte Politiker ein nettees Pöstchen finden. Klar, eine Hand wäscht die andere. UNd der Bürger? Darf zahlen! So läuft das in Deutschland und nicht anders....
susiwolf (25.11.2008, 09:12 Uhr)
@knilch_59 ... das Korn
.... da freut sich das Korn, denn es ist auch blind.
...und während unser Geld-Häuptling noch auf seinem Säck'l sitzt und an den ausgeglichenen Haushalt -in Bälde- glaubt, dreht die Welt sich weiter....
schaffe, schaffe...Häusle baue...
feschte Werte schaffe
und net schpare...konsumiere ischt ang'sagt.
Was glaubet Se, wer mer sind?
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