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17. Juli 2007, 17:37 Uhr

2035 geht Deutschland am Stock

2035 wird Deutschland die älteste Bevölkerung der Welt haben. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen fordert deshalb von der Wirtschaft, sich schon jetzt auf die alternde Zielgruppe einzustellen - und wirbt gleichzeitig für ihre Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter".

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen während einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation der Studie "Wirtschaftsmotor Alter"© Markus Schreiber/AP

In knapp 30 Jahren wird Deutschland die älteste Bevölkerung der Welt haben. Darauf hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berlin hingewiesen. Der Anteil der über 50-Jährigen werde 2035 bei fast 50 Prozent liegen. Doch sei die Wirtschaft darauf noch nicht eingestellt.

Von der Leyen appellierte daher an hiesige Firmen, mehr seniorengerechte Produkte zu entwickeln und zu vertreiben. Ältere würden künftig ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und sollten es beim Einkaufen leichter haben, sagte sie.

Das Familienministerium startete eine entsprechende Initiative, die Unternehmen und Verbraucher ins Gespräch bringen soll. Die alternde Gesellschaft sei grundsätzlich keine Bedrohung, sondern eine Chance, meinte die Ministerin. "Ältere Menschen sind aktiv und konsumfreudig." Das Wachstumspotenzial in dieser Zielgruppe sei groß.

Eine Studie von Roland Berger Strategy Consultants im Auftrag des Familienministeriums bestätigt die Aussagen von der Leyens: "Die über 50-Jährigen sind die Zielgruppe der Zukunft", heißt es in dem Papier. Ihr Anteil am Konsum wird 2035 demzufolge bei 58 Prozent liegen, während die unter 50-Jährigen auf 42 Prozent kommen. Ältere Konsumenten geben ihr Geld der Studie zufolge vor allem für Gesundheitsprodukte sowie Reisen und Hotels aus. Weniger wenden sie hingegen für Verkehrsmittel oder Bekleidung auf.

Im Alter liegt der Zukunftsmarkt

Der Markt für seniorengerechte Produkte, wie etwa Mobiltelefone mit großen Displays, stecke hier zu Lande noch in den Kinderschuhen, sagte von der Leyen. Die Initiative "Wirtschaftsfaktor Alter" solle alle Beteiligten daher miteinander vernetzen und so einen Erfahrungsaustausch ermöglichen. Dafür stelle ihr Ministerium von 2008 bis 2010 vier Millionen Euro zur Verfügung. "Deutschland kann es sich nicht leisten, diesen Zukunftsmarkt anderen zu überlassen."

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft reagierte skeptisch auf das angekündigte Programm für seniorengerechte Produkte. Geschäftsführer Volker Nickel sagte im Radiosender MDR-Info, die Wirtschaft sei ohnehin schon viel weiter als die Politik.

So habe die Werbewirtschaft bereits 1986 in einer Studie festgehalten, dass man sich auf "die Ablösung der Jugendkultur durch die Altenkultur" vorbereiten müsse. Nickel ergänzte: "Das Selbstbewusstsein der Älteren wird weiter wachsen, wenn sie sehen, dass sie als Gruppe eine größere Bedeutung bekommen". Früher habe man die Senioren nur als "Kukidents" wahrgenommen, als Kranke, Schwache, Hilfsbedürftige und Kostenbelastung für den Staat. Jetzt hätten Ältere auch als Wähler größere Bedeutung. "Da wird sich mancher Politiker noch umdrehen."

AP
 
 
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