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16. September 2008, 14:55 Uhr

Wen kümmern arbeitslose Spekulanten

Ruhe bewahren und durchatmen! Bei der Finanzmarktkrise handelt es sich bislang lediglich um eine gesunde und notwendige Korrektur. Dass dabei einige gut bezahlte Investmentbanker ihren Job verlieren, ist weder sozial noch volkswirtschaftlich ein Problem. Ein Kommentar von Sebastian Dullien

Zoom

Viele Banker an der Wall Street fürchten um ihren Job© Mark Lennihan/AP

An der Wall Street scheint diese Tage der Himmel einzustürzen: Innerhalb weniger Tage sind zwei der größten US-Investmentbanken als unabhängige Institute verschwunden. Von jenen fünf großen Investmentbanken, die noch Anfang des Jahres um das Geld ihrer Kunden buhlten, existieren heute nur noch zwei, Morgan Stanley und Goldman Sachs. Kommentatoren warnen schon vor einer ähnlich gefährlichen Finanzkrise wie nach dem Börsencrash 1929, als die Weltwirtschaft in eine jahrelange Depression rutschte. In den Schreckenszenarien ist die Pleite von Lehman Brothers erst der erste Dominostein, der in den kommenden Wochen und Monaten immer mehr Banken mitreißt und am Ende zu einem weitgehenden Zusammenbruch des US-Finanzsystems führt - wie in der großen Depression, als innerhalb von wenigen Jahren fast die Hälfte der US-Banken unterging.

Eine gesunde Korrektur

Tatsächlich scheinen diese Befürchtungen aber trotz der dramatischen Ereignisse der vergangenen Tage übertrieben. Es stimmt zwar, dass der Finanzwelt der USA große Veränderungen bevorstehen. Mit dem Ende der Verbriefungen von Hypotheken im großen Stil, das in den vergangenen Jahren den Investmentbanken Rekordumsätze und Profite beschert hat, wird es für die Institute eng. Andere Banken haben sich mit Risiken verschätzt, und stehen nun vor der Pleite. Am Ende der Krise wird der US-Finanzsektor ein ganzes Stück kleiner sein als heute, viele einst hoch angesehene Namen werden von der Bildfläche verschwunden sein. Gut möglich, dass sogar keine einzige der Investmentbanken als unabhängiges Institut übersteht.

Zumindest zum Teil ist dies aber eine gesunde Korrektur der Übertreibungen der vergangenen Jahre. Der Finanzsektor hat sich seit der Jahrtausendwende ein immer größeres Stück der Wertschöpfung angeeignet. Sechsstellige Boni auch für einfache Mitarbeiter waren in einigen Instituten an der Tagesordnung. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Sektor Gewinne von 430 Milliarden Dollar - rund ein Drittel der gesamten Unternehmensgewinne der USA, obwohl die Finanzinstitutionen nur gerade einmal fünf Prozent der US-Arbeitskräfte beschäftigen.

Dieser Trend konnte nicht weitergehen, zumal ein Gutteil dieser Profite nur dadurch zustande kam, dass die Institute immer höhere Risiken eingingen. Dass einige gut bezahlte Investmentbanker nun ihren Job los sind, ist weder volkswirtschaftlich noch sozial ein Problem.

Natürlich ist dieser Schrumpfungsprozess auch für den Rest der Wirtschaft mit negativen Folgen verbunden. Die Krise am US-Immobilienmarkt ist noch lange nicht vorbei. Hauspreise dürften noch weiter fallen. Mit der Krise im Finanzsektor wird es tendenziell für Unternehmen schwieriger, neue Kredite für Investitionen zu bekommen. Eine Rezession ist nicht ausgeschlossen. Auch Deutschland und Europa sind davon betroffen, weil unsere Exporteure weniger Bestellungen aus den USA erhalten.

Keine Depression, keine tiefe Rezession

Allerdings muss das alles weder zu einem Totalzusammenbruch des US-Finanzsystems noch zu einem Abrutschen der Wirtschaft in eine Depression oder auch nur eine tiefe Rezession führen. Seit der großen Depression haben Notenbanker und Wirtschaftspolitiker gelernt, wie man den ganz großen Knall vermeiden kann. Zentral ist zu verhindern, dass die Krise im Finanzsektor die Realwirtschaft, also die produzierenden Unternehmen, ihre Investitionen, den Hausbau oder den Konsum der breiten Masse beeinträchtigt und sich eine selbst verstärkende Abwärtsspirale entwickelt.

US-Finanzminister Hank Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke haben gezeigt, dass ihnen diese Logik wohl bewusst ist: Bei den systemwichtigen Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac organisierte Paulson eine staatliche Auffanglösung, bei dem aus seiner Sicht entbehrlichen Geldhaus Lehman Brothers ließ er die Banker und ihre Aktionäre fallen. Paulson wird mit Sicherheit auch wieder mit Steuergeldern eingreifen, wenn er eine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems sieht.

Und auch die Folgen auf das Wirtschaftswachstum können mit der richtigen Politik begrenzt werden: Notenbankchef Bernanke hat seit Beginn der Krise bereits entschieden die Zinsen gesenkt, Beobachter rechnen mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik. Die Politik in Washington hat den US-Bürgern Steuerrückzahlungen per Scheck nach Hause geschickt. Das Ergebnis: Bislang ist die US-Wirtschaft trotz der bereits ein Jahr andauernden Krise noch nicht geschrumpft. Und um weitere Folgen abzumildern, plant der Kongress bereits die nächsten Entlastungen.

Klar: Eine Finanzkrise ist nie harmlos. Wenn die Politik aber entschieden und richtig reagiert, muss aus der Finanzmarktkrise keine Wirtschaftskatastrophe werden.

Zur Person

Zur Person Sebastian Dullien ist Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der FHTW Berlin.

Ein Kommentar von Sebastian Dullien
KOMMENTARE (10 von 29)
 
ramteid (18.09.2008, 13:34 Uhr)
Stop
Sie sind keine Facharbeiter die Werte schaffen, keine Wissenschaftler die uns alle voranbringen, sie sind keine Unternehmer, aber sie sind schlauer als alle die die in irgend einer Form Werte schaffen. Sie sind die, die mit Geld der anderen Geld verdienen ohne eigentlich zu arbeiten im ursprünglichen Sinn. Es sind Millionen die Weltweit agieren.
Es gäbe auch einen Namen für diese Gruppe, aber das soll jeder für sich entscheiden.
appaz (16.09.2008, 19:45 Uhr)
Für jeden Topf denselben Deckel ...
haben Vegi und sein wadenbeißender Pinscher Franz.
Warum, bitte, müssen Sie zu allem immer denselben schalen Senf dazu geben, selbst wenn Sie offenkundig nur einen flüchtigen Hauch von Schimmer haben und selbst einfachste Aussagen nicht begreifen wollen oder kapieren können?
Für Sie ganz grob vereinfacht: Der Autor sagt, dass es nicht schade ist, wenn (wenigstens) ein Teil der Verursacher (= an der Misere Schuldigen) die verdiente (!) Quittung bekommt. Was, bitte, ist gegen diese Sichtweise einzuwenden, berücksichtigt man, dass es Art, um nicht zu sagen: erforderliche „professionelle“ Grundeinstellung solcher Spekulanten ist, sich einen S.....dreck um das Wohl der durch sie Geschädigten zu kümmern? - So, wie man Sie hier (ein-) zu schätzen gelernt hat, wären Sie in vergleichbaren Fällen, als persönlich Betroffener wohl in allervorderster Front derjenigen zu finden, die für ihre Schädiger Zuchthaus + Berufsverbot + Entschädigung fordern, oder?! (Legen Sie sich diese Frage einfach nur selbst vor - eine öffentliche Antwort darauf braucht kein Mensch!)
Halodri73 (16.09.2008, 18:57 Uhr)
Herrlich
So ne Krise.
Am liebsten mag ich Weltuntergangskommentare: Wir werden alle verhungern. Und erfrieren. Und die da oben sind wie immer Schuld. Alles Verbrecher! Der Kommunismus ist die Lösung! etc etc etc bla.
Herrlich erfrischend und alle 7 Jhare aufs neue. So lange dauert nämlich ( plus minus ein-zwei Jährchen ) die Spanne von einem Crash zum nächsten.
Aber Endzeitschlagzeilen verkaufen sich auch so feinifein!!
Interessant übrigens auch, daß der arbeitslose Banker weniger Mitleid verdient als der artbeitslose Schlosser. Die Jungs von der Dresdner ( für die uninformierten: Die sind grad übernommen worden. Sieht nicht gut aus mit den Jobs) werden sicher alle ein Stern Abo haben wollen jetzt!
*schlapplach*
vegefranz (16.09.2008, 18:41 Uhr)
Das ist ja mal wieder Futter für die Neid-Fraktion
ist klar: Ein Banker, der arbeitet und seinen Job verliert, verdient kein Mitgefühl. Aber: Die unzähligen Sozialschmarotzer in diesem Land, die noch nie vorhatten, einer ernsthaften Arbeit nachzugehen, sind alles Opfer "von Clement"
peterpan1001 (16.09.2008, 18:20 Uhr)
so ein schwachsinn
was redet denn dieser schreiberling dulien für einen schwachsinn? und so einer will professor sein?
klar jucken die paar spekulanten nicht, aber was in der folge auf uns zukommt, juckt gewaltig. das wird auch in deutschland eine katastrofale krise auslösen. wartet noch ein viertel jahr, da werden viele heizungen kalt bleiben.
----
http://info.kopp-verlag.de/news/grossbanken-insolvent-der-bankencrash-fuehrt-zu-deflation-und-depression.html
Johann58 (16.09.2008, 16:13 Uhr)
@frei_talk
Bedauern erforderlich? Ja und Nein. Wer sich jemals mit Investmentbanking intensiv beschaeftigt hat wird kaum jemanden bedauern, der jetzt seinen Job verliert. Nicht dass es auch serioese Haendler gibt, aber Ziel ist es so schnell wie moeglich mit Spekulationen so viel wie moeglich an Gewinn zu erwirtschaften. Da es sich dabei eben um Spekulationen handelt, muss man immer damit rechnen, dass die Blase platzt und am allerbesten wissen das die Banker selbst. Wer Geld in einen Spielautomaten wirft weiss, dass es weg ist und im Investmentbanking werfen die Banker auch noch fremdes Geld in Spielautomaten. Also Bedauern? Nein!
binausgold (16.09.2008, 15:53 Uhr)
die einen zocken, die anderen bezahlen
so ist es und nicht anders, die allgemeinheit erwirtschaftet wirklich etwas mit der hände arbeit und die anderen spekulieren und spielen nur damit. was ja auch einfach ist, wenn man selbst keine energie hinein gegeben hat. haben die denn wirklich etwas an wert geschaffen? riesen blasen sonst nix. n haufen warme luft und nix dahinter. sowas ist schmarozend! und das schlimmste ist wirklich, daß keiner dieser zocker wegen betrügerei haften muß und einfach mal einfährt, um noch mal zur besinnung zu kommen! nein es gibt ja genug blöde steuerzahler, und das sind wir alle, und zahlen so was auch noch!
was das betrifft, besser es gibt sie nicht mehr und banken besinnen sich wieder auf ihr kerngeschäft. zocken gehört nicht dazu.
Sternchen2020 (16.09.2008, 15:48 Uhr)
@guenti2477
Sie irren, wenn Sie glauben, ich sei ein "Linker"! Dennoch völliger Humbug, den man da lesen muss. Selbst Kleinstverdiener, die noch nicht einmal steuerpflichtig bzgl. Einkommen sind, zahlen Steuern über den Konsum. Sie verwechseln im Übrigen auch Arbeit, die Einkommen erzielt und Arbeit, die aus welchen fehlgeleiteten Entscheidungen auch immer, kein Einkommen erzielen. Das bedeutet keineswegs, dass sich diese Leute gesellschaftlich nicht beteiligen, zumeist sogar in höherem Maße, als andere. Insofern kann man solche plumpen Verallgemeinerungen, die oftmals von rechts und links kommen, nicht ernst nehmen. Es bedarf schon eingehender Analysen, um Fakten festzustellen. Dazu gehört auch jene, dass es fast keine Menschen gibt, die nicht arbeiten, leider jedoch viele, die aufgrund einer falschen Wertung von Arbeit dafür nichts oder viel zu wenig erhalten und dann noch degragdiert werden. Man kann eine moderne Gesellschaft nur dann erhalten, wenn man moderne Rahmenbedingungen festlegt. Dazu gehört oft auch eine Neuordnung.
Was aber den Finanzmarkt betrifft, haben sogar Kommunen herumgezockt. Alles auf Kosten der Bürger, die die Zeche zahlen müssen. Sei es mit Steuergeldern oder mit Verzicht auf moderne Infrastrukturen, Bildung und mehr. Irgendeine Entschuldigung für ein solches Finanzgebaren gibt es nicht, auch wwnn man sich wie Schlangen windet.Niemand hat es dagegen, wenn jemand mit seinem Geld herumzockt, wenn er bei Kurseinbrüchen dann aber im Notfall auch die Zeche selbst zahlt. Es ist eine glatte Unverschämtheit, die Risiken auf die Bürger abzuwälzen udn does auch noch mit staatlicher Absegnung. Vermutlich wird aber diese Krise auch positive Effekte haben, wenn man sie nutzt, um endlich klar schiff zu machen auf dem Finanzmarkt mit klaren Regeln und Rahmenbedingungen. Und mit der Gewissheit, dass staatliche Gelder garantiert nicht mehr eingesetzt werden, um die schandvolle Arbeit von Möchtegern-Finaziers wieder glatt zu bügeln.
Frei_Talk (16.09.2008, 15:43 Uhr)
Unsinn und Dumm
Was soll denn das werden? Neid alà Oskar...Nur ein paar Spekulanten. Da geht es auch um Familien. Um Menschen. Seid ihr bekloppt? Nur weil die mehr verdienen und vlt einfach nur Glück hatten, wird so ein Mist zu verzapft? Ich kann nur sagen das mir jeder Banker lieber ist als ein schmarotzdender Deutscher. Mein Gott Stern, was ein Artikel...wer ist denn als nächstes dran...ich muss aufhören sonst werde ich noch Lustig...verdammt..
MMSterling (16.09.2008, 15:42 Uhr)
@gaga007
Zitat:"In der Tat - es ist beruhigend zu sehen, dass endlich einmal die, die durch ihre Arroganz und Kreditablehnung so manche Existenz vernichtet haben, jetzt selbst dran glauben müssen ... :))"
Wenn Kredite öfter abgelehnt worden wären, hätte es diese Krise so nie gegeben. Die letzten beiden Blasen ( .com und Immobilien) sind "geplatzt", weil Geld für etwas bezahlt und geliehen wurde, ohne daß ein entsprechender Gegenwert dagewesen wäre. Aber wer will von einer seriösen Bank schon hören, daß er sich etwas nicht leisten kann oder seine geniale Geschäftsidee ein Windei ist?
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