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20. Mai 2008, 12:24 Uhr

Der reiche Opa aus Amerika

Der reichste Mann der Welt befindet sich auf "Shopping Tour" durch Europa. Auch Deutschland stattete Warren Buffett, das "Orakel aus Omaha", einen Besuch ab. Wofür er sich interessiert? Für mittelständische, deutsche Firmen. Denn die seien "ganz nach seinem Geschmack". Von Frank Donovitz

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Warren Buffett sucht in Deutschland nach mittelständischen Unternehmen nach seinem Geschmack© Thomas Lohnes/DDP

Frankfurt am Main. Um genau 14.33 Uhr betritt er den Raum im Frankfurter Flughafenhotel. Ein 77 Jahre alter Mann, weißes Haar, hohe Stirn, Hornbrille. Es ist der reichste Mann der Welt, der US-Milliardär Warren Buffett, umringt von vier, fünf Leibwächtern. Verschmitzt lächelt er ins Blitzlichtgewitter. "Auf Shopping-Tour" sei er in Europa, auch in Deutschland, bestätigt Buffett bloß das, was seit Bekanntwerden seiner Reisepläne als sicher galt.

Unter Börsianern, zumal in den USA, gilt Warren Buffett als Papst. Schier ewig mit Erfolg gesegnet und zumindest in Fachfragen, sprich beim Beteiligen an Firmen, unfehlbar. Seine Firma nennt sich Berkshire Hathaway. Sie hat 19 Angestellte, hält Beteiligungen im Gegenwert von mehr als 140 Milliarden US-Dollar – rund einem Drittel des deutschen Bundeshaushaltes. Zu Buffetts Imperium gehören unter anderem 13 Prozent von American Express und mehr als acht Prozent von Coca Cola.

Neben Wasser und Kaffee gibt es im Saal ausschließlich Coca Cola – in drei Sorten, von Buffett mindestens dreimal in die TV-Kameras gehalten. Seit 1965 beteiligt sich der Mann aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska an Unternehmen. Der Wert seiner Holding wuchs dabei um durchschnittlich 21 Prozent – pro Jahr, und nach Steuern. Aktien hat er angeblich noch nie verkauft, immer nur gekauft, jährlich von etwa drei Firmen, wie er sagt.

Otto? Oetker? Aldi? Haribo? Warren Buffett hält Ausschau

Buffetts Methode ist extrem exzentrisch. Nicht er sucht nach Firmen, sondern er fordert sie auf, ihn aufzusuchen. Gern per Presse und Hörfunk, nun erstmals auch in Frankfurt. Welche er denn gern hätte? Aus welchen Branchen? Kein Kommentar. Um drei Ecken lässt das "Orakel aus Omaha" (Buffetts Spitzname) dann doch erahnen, warum gerade Deutschland und warum gerade jetzt. "Ich interessiere mich für Familienunternehmen, Mittelständler, die 50 Millionen Euro vor Steuern pro Jahr verdienen." Otto? Oetker? Aldi? Haribo? Keinen Kommentar. Nur so viel: "Am besten kenne ich mich mit Konsumgütern aus. Coca Cola verstehe ich, Wrigley's Kaugummis und so weiter." Und Buffett kauft nur, wenn er das Geschäft versteht, jedenfalls kein "Hula-Hoop-Business".

Nachdem er den angereisten Journalisten aus Spanien, Holland, Dänemark und der Schweiz bestätigt hat, das auch sie schöne Länder haben und tolle Firmen, sagt er: "Deutschland ist ein großes Land, viele Firmen nach meinem Geschmack." Gute Geschäfte, gute Manager, solide Investments. Bekannt machen wolle er sich bei den Deutschen, für den Fall, dass einer seinen Laden mal verkaufen möchte. Sei es, weil sich kein Erbe findet oder "weil man weder an die Börse will noch an einen Konkurrenten oder Finanzinvestor verkaufen will, von dem man nicht weiß, was er kurze Zeit später mit der Firma macht". Unerwähnt lässt Buffett, dass angloamerikanische Finanzinvestoren seit einigen Monaten ziemlich (kredit-)klamm sind. Das Geschäft dominieren derzeit Russen, Araber und Asiaten. Wie gut, so könnte sich Buffett auch verstanden wissen wollen, dass es zu diesen Investoren eine Alternative aus Omaha gibt, die in nächster Zeit mehr als sechs Milliarden US-Dollar loswerden will. "Wenn wir kaufen, dann für immer", lockt der reiche Mann aus Amerika. Irgendwelche Konjunkturdaten oder Währungsturbulenzen seien dabei zweitrangig bis egal. Gute Firma, guter Preis = guter Kauf.

"Ich dränge niemanden zum Verkauf, ich möchte nur der Erste sein"

Nicht unerwähnt lässt der alte Herr die seiner Ansicht nach weiterhin eher maue Aussicht für US-Wirtschaft und US-Dollar in Folge der Kreditkrise. "Aber", besänftigt er, "wir haben in den letzten 100 Jahren einiges durch, ein paar Weltkriege, Börsen-Crashs und so weiter." Ob er sich vorstellen könne, dass Berkshire Hathaway jemals mehr als die Hälfte des Kapitals außerhalb der USA investiere? "In 30, 40 Jahren vielleicht." Das meint er ernst.

Nach genau 57 Minuten inklusive Bekenntnis zu "Barack", wie Buffett den demokratischen US-Präsidentschaftsbewerber Obama fast liebevoll nennt, ist die Audienz beendet. "Ich dränge niemanden zum Verkauf, ich möchte nur der Erste auf seinem Radar sein. Ich habe Telefon. Und E-Mail." Da lacht der 77-Jährige.

Von Frank Donovitz
KOMMENTARE (10 von 10)
 
TT2007 (22.05.2008, 16:56 Uhr)
Gegenmodell zu Heuschrecken.
Ich finde Herrn Buffett und seinen Mut, gegen den Strom zu schwimmen, imponierend. Ende 2006, als die Gier auf den Finanzmärkten und der Hedgefonds-Hype ihren Höhepunkt erreicht hatten, seinen Aktionären zu sagen: "Sorry, ich habe keine unterbewerteten Anlagemöglichkeiten gefunden und 40 Mrd. USD eures Kapitals nicht in Unternehmensanteile gesteckt." Solcher Mut, gepaart mit Langfristdenken und einer echten Aktionärsorientierung geht m.E. 90% aller Banker ab. Wer Buffett mit Heuschrecken gleichsetzt, hat keine Ahnung. Gäbe es mehr Buffets, gäbe es weniger Finanzkrisen.
Eisenbaer (22.05.2008, 15:12 Uhr)
@Taipan
Der mann ist KEINE Heuschrecke. Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass sie Firmen aufkaufen und dann zuerst die Filetstückchen verkaufen und dann den "Rest" verramschen. Also eine Firma in ihre Einzelteile zerlegen.

Herr Buffett hingegen macht seinen Profit dadurch, dass er erfolgreiche Firmen so arbeiten lässt, dass diese weiterhin langfristig im Markt agieren lässt. Nichts ist ihm weniger am Herzen, als maximalen Profit in kürzester Zeit durch Verkäufe zu "erwirtschaften".
gaga007 (21.05.2008, 09:56 Uhr)
Warnung !
Mr. Buffet sollte sein gutes Geld nicht in eine schlechte Zukunft investieren: in diesem land müssen erst wieder politische Verhältnisse geschaffen werden, die sicherstellen, dass das investierte Geld nicht durch kommunistisch/ sozialistische Politik verstaatlicht wird, um es an Hartz IV & Co zu verschenken ...
senf-dazu-geben (20.05.2008, 18:34 Uhr)
Money can buy everything...
auch eine guten Ruf über eine PR-Abteilung und Ruhm und Ehre für die Nachwelt durch Spenden. Mehr als 500000 Steaks kann der Mann ohnehin nicht am Tag essen, oder?
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Dass Geld verdienen per se aber keine Leistung oder ein erstrebenswerter Lebensinhalt ist, sollte klar sein: Geld ist Mittel zum Zweck und für mich persönlich so unglaublich langweilig, dass ich damit meine Lebenszeit nur in dem Maße vergeuden möchte, wie es sich unbedingt nicht umgehen lässt. Klar sollte aber auch sein, dass Geld nur neu verteilt wird und nicht auf den Bäumen wächst, ebenso, dass nicht die Freundlichen, sondern die Rücksichtslosen und Skrupellosen in diesem Rat Race gewinnen.
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Vermutlich wird auch mir mit meiner eher gleichgültigen Einstellung dem Werkzeug Geld ggü. einiges weg genommen, nicht zu schweigen von den armen Nationen, die ihre Bodenschätze weit unter Wert an die Industrienationen verscherbeln.
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Buffet ein guter Mensch? Sehr unwahrscheinlich.
ecomoc4u (20.05.2008, 12:11 Uhr)
geld vermehrt sich durch wunder...
es ist nicht richtig wenn man sagt: dieser mensch hat milliarden genommen. millionen menschen haben dafür nichts bekommen, nur gearbeitet.
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überhaupt, ist es anscheinend nicht korrekt, wenn man sagt: die menschen die milliarden machen, durch die arbeit von millionen, haben nur geld vermehrt und nicht den bürgern gestohlen.
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erst wenn ich depp selber glaube, das dieser mensch gut ist, habe ich mein darsein verwirkt.
guenti2477 (20.05.2008, 11:41 Uhr)
Buffet
Wer über ihn urteilt und als Heuschrecke betitelt, sollte erst einmal wissen, wer er ist und woher er kommt. Er ist nämlich alles andere als eine Heuschrecke - er ist ein Investor von großem Format und hat vor kurzem 30 Mrd USD gespendet (für diejenigen, welche Angst haben, dass er das Geld für sich behält) Buffet kommt aus einfachen Verhältnissen und hat sein ganzes Geld durch Fleiß und Intelligenz erwirtschaftet. Er kauft nur Firmen, die er ganz akribisch voher analysiert und hält auch an diesen fest. Also alles andere als eine Heuschrecke. Er ist ein Investor von großem Format.
Wer was anderes behauptet hat keine Ahnung und sollte sich erst mal über ihn informieren.
petermeyer (20.05.2008, 11:05 Uhr)
also
-clibanarius , du scheinst recht wenig über buffett zu wissen- den größten teil seines geldes spendet er. es scheint, daß er gerne arbeitet - sie würden vermutlich nach der 1. million auf der hängematte liegen ?
buffett ist ganz sicher keine heuschrecke sondern neben soros einer der wenigen milliärdäre mit anstand und politischem weitblick . den hätte ich gern als chef. und nicht so ein reichgewordener russe , der die kohle unlauter zusammengerafft hat.
Mikado11 (20.05.2008, 09:36 Uhr)
Ein Segen
ist dieser Mann. Es wird immer wieder vergessen, dass es solche Menschen sind, die unsere Existenz sichern. Warum dieser Mann immer weitermacht, obwohl er doch schon damals, als er ein paar Millionen zusammenhatte, hätte aufhören können? Wer das nicht versteht, versteht unser System nicht und das dies gut und richtig ist. Warum fragt man nicht seinen Arbeitgeber, wieso er nicht den Laden zumacht und alle entläßt, wenn er genug Geld für sich zusammen hat? Ohne die Gier nach immer mehr wären die meisten von uns ohne Arbeit und die, welche dies anprangern, sind am meisten davon abhängig.
Taipan (20.05.2008, 08:36 Uhr)
Gier
Wow, was für ein zynischer Artikel,Das sogenannte Orakel Buffet, sollte den Untergang der zivilisierten Welt verkünden wenn das so weitergeht, wo gesunde Firmen zerstückelt und verhökert werden,damit ein Warren Buffet auf der Forbes Liste an erster Stelle steht, welch erstrebenswertes Ziel.Diese Heuschrecken sind mit Sicherheit intelligent, aber in einem weit höherem Maße absolut pervers und Menschen verachtend.
Clibanarius (20.05.2008, 06:32 Uhr)
Ich frage mich...
...vielmehr, für wenn, was oder wofür man mit 77 Jahren noch Milliarden rafft und hinterherjagt. Der Mensch hat mehr Geld als das Bruttosozialprodukt vieler Staaten. Und trotzdem geht seine Hatz auf Geld weiter, obwohl dieser Mensch bereits zu dreiviertel im Grab steht, als ob er es mitnehmen könne. Das ist ungefähr so seltsam wie das Pärchen, daß Nackt aus 1000m Höhe runterfällt und dabei auch noch versucht zu kopulieren.
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