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26. November 2008, 09:46 Uhr
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Der ewige Ruf nach Steuersenkungen

Es ist schlicht jämmerlich, wenn ein Politiker niedrigere Steuern fordert. Jämmerlich, weil er seine Wähler bestechen will. Auch die aktuelle Finanzkrise kann nicht als Entschuldigung herhalten: Will der Staat die Wirtschaft ankurbeln, muss er auf Ideen setzen, die schnell wirken. Steuersenkungen gehören nicht dazu. Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

Steuersenkung, Rezession, Steuern, Geld, Wirtschaftskrise

Wer beim Wähler punkten will, diktiert die Forderung nach Steuersenkungen in jedes Mikrofon© Kay Nietfeld/DPA

Wer als Politiker Beifall sucht, muss nur laut rufen und zwar: "Steuern runter." Am besten wiederholt er die Worte in jedes Mikrophon, das sich ihm entgegenreckt. Er kann nichts falsch machen, denn wer zahlt schon gern Steuern? Der Unternehmer nicht, der Arbeitnehmer nicht, auch nicht Rentner, Studenten, Arbeitslose, Reiche oder Arme. Die Abneigung gegen den Fiskus überwindet alle Gegensätze.

Für niedrige Steuern ist jeder Zeitpunkt richtig. Wenn die Wirtschaft wächst und die Löhne steigen, heißt es schnell: "Jetzt müssen aber die Steuern runter, damit die Leute mehr vom Aufschwung haben." Leistung muss sich lohnen. Auch ein Abschwung, wie er sich jetzt anbahnt, taugt gut. Nun brauchen die Bürger mehr Geld, damit sie kaufen und die Konjunktur ankurbeln. Wirtschaftspolitik ist ja so einfach.

Krisen können das Nachdenken nicht ersetzen

Alles Quatsch. In Wahrheit ist es jämmerlich, wenn ein Politiker niedrigere Steuern fordert. Jämmerlich, weil er seine Wähler bestechen will. Der Deal lautet: "Ich lasse Dir mehr im Geldbeutel und Du wählst mich dafür." Dabei hofft der Politiker, dass seine Wähler nicht rechnen können. Denn nimmt der Staat weniger Steuern ein, muss er ja trotzdem Lehrer bezahlen, Universitäten errichten, Straßen bauen, Rentnern und Armen helfen. Diese Ausgaben kann er nicht über Nacht streichen, also lebt er mehr auf Pump. Wollen wir das wirklich? Der Schuldenberg türmt sich bereits auf 1300 Milliarden Euro, unsere Kinder können ihn kaum abtragen.

Aber ist die derzeitige Lage nicht ungewöhnlich? Fordert sie nicht besondere Maßnahmen? Gewiss. Noch nie hinterließ die Bankenkrise eines Landes so viele Spuren rund um den Globus. Außergewöhnliche Zeiten ersparen aber nicht das Nachdenken. In einem Punkt sind sich viele Experten einig. Will der Staat die Wirtschaft ankurbeln, muss er auf Ideen setzen, die schnell wirken. Doch Steuersenkungen brauchen Monate oder Jahre, bis sie wirken – falls sie wirken.

Verzögerte Effekte – wenn überhaupt

Angenommen der Staat reduziert die Mehrwertsteuer. Dann merkt dies der Bürger in einigen Monaten. Vielleicht. Zunächst müssen die Unternehmen die Preise für ihre Produkte senken, was aber nicht alle tun werden. Manche müssen auf die Konkurrenten Rücksicht nehmen, andere nicht; sie halten die Preise hoch, und so treibt die Steuersenkung nur den Gewinn des Unternehmers nach oben. Der Kunde geht leer aus. Überhaupt der Kunde. Kauft er tatsächlich zwei, dreimal soviel Brot, wenn ein Laib zehn oder zwanzig Cent billiger ist? Wird er in unsicheren Zeiten ohnehin nicht mehr sparen statt Geld auszugeben?

Ähnlich ungewiss wirkt ein Nachlass bei der Einkommensteuer. Die Folgen spürt der Bürger vielleicht erst in einigen Jahren, wenn er seine Steuererklärung einreicht. Die heutige Wirtschaftskrise steht dann nur noch in den Geschichtsbüchern. Zudem nützen Steuersenkungen jenen, die viel Steuern zahlen. Das sind aber nicht die Geringverdiener. Sie zahlen kaum Steuern, dafür vor allem Abgaben für Krankenkasse, Renten- oder Arbeitslosenversicherung. Doch auch diese Beiträge lassen sich nicht so schnell und einfach senken wie viele angebliche Experten glauben.

Steuersenkungen nicht vom Zaun brechen

Damit kein Missverständnis entsteht. Natürlich gibt es Gründe, um Steuern und Abgaben zu senken. Etwa um einzelne Klientel zu entlasten, die Hilfe benötigen. Oder um das Steuer- und Abgabensystem gerechter und einfacher zu gestalten. Oder um Investitionen zu fördern. Für diese Ziele lohnt jedes Nachdenken. Der Versuch, hektisch die Wirtschaft anzukurbeln, gehört nicht dazu.

Zuletzt lieferte die wichtigste Konjunkturstütze ohnehin nicht der Staat, sondern der Markt. Weil der Preis für Rohöl in den Keller rauschte, wurde Heizen und Tanken für viele billiger. Allein in Deutschland sollen dadurch im dritten Quartal vier Milliarden Euro gespart worden sein. Ein hübsche Entlastung, ganz ohne Politiker.

Ein Kommentar von Andreas Hoffmann
KOMMENTARE (10 von 52)
 
Corazito3333 (26.11.2008, 20:28 Uhr)
400.-- Euro Nebenjob aber vorsicht
Arbeitet man nebenbei für 400.-- Euro aber das bei 2 Jobs, dann kommt man in eine höhere Steuerklasse. Also nicht den Jahresverdienst addiert und Steuern abgezogen. Es wird schon darauf geachtet, daß der kleine Mann möglichst viel bezahlt und die Steuerlasten trägt. Ich habe letztes Jahr 1000.-- Euro Sonderzahlung bekommen und davon 250.-- gekriegt, denn da gibts spezielle LST-Tabellen.
Steuergerechtigkeit wäre gefragt.
lordnelson1 (26.11.2008, 09:04 Uhr)
Alles Mumpitz
OK - es mag viele Ansichten geben. Die Wahrheit ist jedoch, dass in den letzten Jahren die Steuern und Abgaben nur gestiegen sind. Das Wort „Bürger“ hat in Deutschland seit etwa zwei Monaten seine wirkliche und wörtliche Bedeutung: wir bürgen für den Bockmist der Ratten aus den Banken und den Flachbohrern aus der Politik, die jahrelang mit unserem Geld gehurt haben und dabei die eigenen und ausgesuchte Taschen gefüllt haben. Wir als Bürger sind also Bürge genug, um mal eben Milliarden zu versprechen, die - wenn es hart wird (und das wird es), ganz einfach aus der Druckerpresse laufen werden. Was das bedeutet, weiss heute jeder - und wer badet das dann wieder aus: na klar ... wir natürlich! Warum also müssen die Rindviecher, die für alles den Kopf und Arsch hinhalten müssen, immer bluten? (Fehlt nur noch, das unser ehemaliger und parteilose Superminister Clement wieder von „Konsumverweigerung“ labert).
Und was macht unsere DDR-Genossinn und heutige Lachkanzlerin ? Hebt sich die Steuersenkungen für Ihren Wahlkampf auf. Pfui Teufel und BRAVO !
Und: die Länder, die sich für Steuersenkungen entscheiden sind hirnlos und dumm, oder was ?!? So muss ich das verstehen, wenn ich den Artikel im stern verstehen will.
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Warum stellt der Staat für die Finanzierung von Steuererleuchterungen nicht eine Bürgschaft ???
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Warum verkauft die Regierung für diese Finanzierung nicht ein Teil des Goldschatzes der Bundesrepublik, der faktisch dem Volke gehört? ( ... oder gibt es den auch nur auf dem Papier)
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Ich halte es für sinnvoll und richtig, Steuern zu senken. Mehr noch: ich halte es für sinnvoll und richtig, SOFORT Steuerchecks zu verteilen ( wie in Amerika). Dieses Geld würde auch sofort seine Wirkung zeigen. Finanzierung: haben wir nicht gerade für Milliarden bürgen können ... Soll damit nicht der Kreislauf des Geldes angeleiert werden ...
Hier noch ein Link von einem Vortrag für das bessere Verständnis, wie Geld und das System überhaupt funktionieren. Danach wird jedem klar sein, dass die Schuldenmacherei der Regierung „Mumpitz“ ist und ohne diese ein Staat wie die Bundesrepublik überhaupt nicht funktionieren kann. In diesem System, versteht sich ...
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http://video.google.de/videosearch?q=die+geldordnung&hl=de&emb=0&aq=f#q=die%20evolution%20des%20geldes&hl=de&emb=0
Venus82 (26.11.2008, 08:29 Uhr)
@ Knilch_59
Ich kenne mich in der Tat kein bisschen mit dem Steuerrecht aus. Woher auch?
Ich habe schliesslich was völlig anderes gelernt und sitze in einem Kreditinstitut in der Beratung.
Dort sehe ich nunmal tagtäglich, womit der kleine Mann sich finanziell rumschlagen muss!
Es ist traurig, dass jemand 12 Stunden am Tag arbeiten geht und ein Hartz4 Empfänger mit Familie unter Umständen mehr bekomment.
Und hier reicht es NICHT, nach dem Mindestlohn zu schreien.
Meine Generation (man beachte das "82"), SOLLTE eigentlich arbeiten und die Wirtschaft und den Konsum fördern.
Und was tut sie? Ganz genau....!!! Sie tut es zu einem sehr grossen Teil NICHT.
Dann lieber über die Problematik nachdenken und Vorschläge unterbreiten. Für mich machen sie Sinn!
Ich lasse mich aber gerne aufklären und verbessern. Keine Frage.
susiwolf (26.11.2008, 08:17 Uhr)
die Bombe tickt.....
Gesamt-Staats-Schulden
am 26.11.2008 um 08.16h
1.594.074.359.224,17
(pro Kopf 19.316,00)
ca. 1.000,00 pro Sekunde.....
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Der ZUWACHS bei geplanter Nettoverschuldung 2008 (6 Mrd. Euros)...
474,00 Euros pro sec.
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Die Bombe tickt....
Knuffiman (26.11.2008, 08:06 Uhr)
Mindsplitting
falscher ansatz : auto kostet incl. 25000,- davon führt der händler rund 4000 umsatzsteuer an den staat ab. der käufer, also halter des ihnen gestellten dienstwagens ist eine firma und erhält nach anschaffung diese 19% wieder. unter gewissen auflagen natürlich.
universal1909 (26.11.2008, 07:31 Uhr)
Alles gut und schön, sehr ...
...geehrter Artikelschreiber, aber wirkungsvolle Lösungsvorschläge können Sie anscheinend auch nicht hervorbringen. Auch bei Ihnen scheinen visionelle Ideen nicht vorhanden zu sein. Ergo sind Sie nicht anders als die anderen. Meiner Ansicht würden die Menschen gern sich was leisten und von Ihrem "Gesparten" investieren, wenn sie Vertrauen zu den Regierenden hätten. Dieses Vertrauen ist aber nicht vorhanden, deshalb sparen sie erst mal einfach weiter. Übrigens, 2 Jahre KFZ-Steuererlass (ca. 500 Euro Ersparnis je nach Autogröße) kann mich doch nicht veranlassen, mir ein neues Auto in Höhe von ca. 15.000 Euro zuzulegen. Ist doch logisch, oder nicht?
axelulrich (26.11.2008, 07:26 Uhr)
Quatsch
der deutsche Staat hat keine 1300 Billionen Schulden, es sind etwa 1,6 Billionen und wenn man alles mögliche dazu rechnet, vielleicht zwei Billionen mehr...das ist zwar schlimm genug, bare wie kann man so einen Unsinn schreiben
Abgesehen davon ist die Steuersenkung richtig...aber es gibt ja bekanntlich immer mehrere Ansichten
gmathol (26.11.2008, 04:24 Uhr)
Meistens enden die neuen "Ideen" in Steuererhoehungen.
Wie z. B. die Oekosteuer und Verbesserung der Infrastruktur kann in hoeheren Preisen enden oder in einer Maut fuer Strassenbenutzung.
Es ist genug der "dummen" Kommentare die Steuern in Deutschland sind enorm hoch und muessen runter.
Sparen kann man an den Kriegseinsaetzen z. B. Afghanistan, auch ein NATO-Austritt wuerde Mittel bereitstellen.
DerExperte (26.11.2008, 01:48 Uhr)
@ Corazito3333
Der groesste Betrug am eigenen Volk in der Deutschen geschichte sind 2 Gesetze:
1. HARTZ ( von unserem Puff Peter)
2. SOLI ( von der Regierung )
zu Hartz: Hier hat man geschickt ein Gleis geschaffen um alle die ueber ein gewisses Alter verfuegen - von sogar aelteren in den Abgrund zu verschiffen ( 7 millionen heute)
2. Der soli war eigentlich gedacht eine Wettbewerbsfaehige Gesellschaft im osten zu schaffen. ( das war die nie) Spaetestens nach Glasnost war allen beteiligten klar - auch der Treuhand) das drueben kein Wettbewerb gebraucht wird. Denn die ost maerkte waren dod - wie der ossi so sagte.
So hat der soli doch eines geschafft - modernste Autobahnen - modernste Glasfaser netze in einem land das dem Wizard of OZ entspricht, mit anderen Worten gut fuer eine Maerchenstunde.
Der soli sollte abgeschafft werden - da es aber so ist das jede Steuererhoehung schon lange nicht mehr da ankommt wo es sein sollte - kann man den Soli nicht mehr abschaffen - da sonst unter umstaenden der Afganistan Einsatz der BW - oder der Beitrag an das Rote Rathaus nicht mehr fliest!
Unterm Strich: Jeder ist sich selber der naechste.
Q - C - C ?
mutti1 (26.11.2008, 00:48 Uhr)
auwaaaa
gogglet
wo unseresteuern hingehen
DDVG
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