Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Das Milliarden-Geschäft mit dem Kiffen

Start-Ups schießen aus dem Boden, Millionen werden investiert: Seit immer mehr US-Bundesstaaten Cannabis legalisieren, hat sich rund um das Gras eine boomende Industrie entwickelt.

  Alle wollen Cannabis. Das macht sich die Wirtschaft in den USA nun ganz legal zunutze.

Alle wollen Cannabis. Das macht sich die Wirtschaft in den USA nun ganz legal zunutze.

Auch Snoop Dogg macht es natürlich. Der Rap-Superstar behauptet sogar, er habe schon Marihuana im Weißen Haus geraucht. Ob das stimmt oder nicht: Dass der Präsident ihn überhaupt einlädt, zeigt, wie salonfähig die Droge in Amerika inzwischen ist. Snoop ist bekennender Dauerkiffer, seinen Durchbruch hatte er einst auf dem Blockbuster-Album "The Chronic" von Rapmogul Dr. Dre. "Chronic" ist Straßenslang und steht für den besten Stoff, den man auf dem Markt kaufen kann.

Heute sind die beiden Ex-Gangsterrapper erfolgreiche Unternehmer, und Snoop setzt weiter auf die Droge. Er arbeitet mit dem florierenden Start-Up Grenco Science aus Kalifornien zusammen. Die Firma verkauft Cannabis-E-Zigaretten, sogenannte "Vaporizer". Das Unternehmen steht stellvertretend für eine boomende Branche, die neben Dealern und Althippies auch immer mehr Entrepeneure, Tech-Nerds und Wagniskapitalisten anzieht. Auch Profi-Anleger haben längst Wind bekommen.

Möglich macht es die zunehmende Legalisierung der Droge in den USA. Mittlerweile ist sie in 23 Staaten erlaubt. Zwar überwiegend zu medizinischen Zwecken, doch hier entsteht ein Milliardenmarkt mit hohem Wachstumspotenzial. "Der Umsatz dürfte alleine in diesem Jahr um 63,1 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar anziehen", sagt David Yang vom New Yorker Analysehaus IBISWorld. Studien prognostizieren, dass der Markt bis 2018 auf 10 Milliarden Dollar zulegen wird.

Auch der Fiskus verdient an der Droge

Kein Wunder, dass kleine Firmen aus dem Boden schießen, die am Marihuana-Boom verdienen wollen. Dabei ist Kreativität gefragt: In Denver spezialisiert sich FunkSac auf geruchsdichte Plastikbeutel mit Kindersicherung. Potbotics aus Palo Alto will Biotech- mit Cannabis-Expertise verbinden und SpeedWeed aus Los Angeles bietet ganz klassisch einen Lieferdienst. Investoren strecken Millionen vor. "Momentan ist es, wie aus dem Feuerwehrschlauch zu trinken", zitiert die "New York Times" den FunkSac-CEO Garrett Fortune.

Selbst Private-Equity-Fachblätter wie "Deal Pipeline" berichten groß über die Start-Ups. Die Investmentfirma Poseidon Asset Management aus San Francisco hat zu Jahresbeginn den ersten Hedgefonds aufgelegt, der sich auf die Marihuana-Industrie konzentriert. Fast zeitgleich ist der "High Times Growth Fund" mit 300 Millionen Dollar an den Start gegangen, um die Branche zu fördern. Dahinter stehen die Macher eines Szene-Magazins, das ansonsten Kiff-Festivals und Anbau-Wettbewerbe veranstaltet. Doch man gibt sich professionell, hat Rechtsexperten und Investmentbanker an Bord genommen.

Zu den größten Profiteuren zählt indes der amerikanische Fiskus: Die steigenden Umsätze mit legalem Marihuana bescherten alleine der Staatskasse Colorados, das wegen seiner laxen Gesetze "The Highest State" genannt wird, im ersten Halbjahr 2014 zusätzliche Einnahmen von mehr als 20 Millionen Dollar. Die Behörden langen kräftig zu, auf die 2,9 Prozent Umsatzsteuer werden bei Marihuana-Geschäften noch mal mindestens satte 10 Prozent draufgeschlagen.

Hannes Breustedt, DPA/DPA
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools