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Und Achim rappt die Kabanossi

Die "Gilde der Marktschreier" machte auf der Konstabler-Wache in Frankfurt Station und brüllte lauter als es die Preise verdienten. Und auch wenn Nudel-Uwe alles gegeben hat: der Sieger ist Wurst-Achim!

Von Mathias Schlosser

Uwe Treutlein atmet wie ein Opernsänger mit dem Zwerchfell. Wann er Luft holt, bleibt für die Zuschauer auf der Konstabler Wache in Frankfurt ein Geheimnis. Mit einer Art Rap packt Nudel-Uwe - so der Künstlername - Spirelli, Tagliatelle, Spagetti, die kleinste Nudel der Welt und "einen wunderschönen Rosé-Wein" in die durchsichtige Plastiktüte, überreicht sie mit elegantem Knicks einer Kundin. Weniger galant, dafür umso lauter gehen die Männer auf den offenen Ladeflächen der Nachbar-LKW vor. Obst-Udo, Wurst-Achim, Käse-Rudi und Kuchen-Uli grölen sich gegenseitig die Waren madig und unterbieten dabei mühelos das Niveau jeden Stammtischs. Die Stimmen schonen mächtige Lautsprecherboxen, die selbst das leiseste Gemurmel zur Marktschreierei aufblähen.

Der Champion ist Wurst-Achim

Nur Aal-Marcus hat an diesem Nachmittag am Ende der Frankfurter Zeil keine rechte Lust. Braucht er auch nicht. Denn sein Frischfisch findet fernab der Küste auch ohne Geschrei genügend Liebhaber. Und echte Chancen auf den Titel des Deutschen Meisters wird er wohl auch in diesem Jahr nicht haben.

Denn unangefochtener Champion nach Version der "Gilde der Marktschreier" ist sein Nebenmann, der Wurst-Achim. Der ist nicht so elegant wie Nudel-Uwe, nicht so derb wie Obst-Udo und nicht so fies wie Käse-Rudi, dafür strahlt er Kunden und Kabanossi gleichermaßen an. Auch in der Gunst der Frankfurter lag der Wurstverkäufer vorn und wird er am Freitagmittag zum Sieger gekürt. Mehr als 6.200 Stimmzettel will Veranstalter Joachim Borgschulze am vergangenen Dienstag eingesammelt haben; kaum zu glauben angesichts des matten Publikumszuspruch. "Die Jungs nehmen das richtig ernst", versucht er gegenüber stern.de Zweifel am Wettbewerbscharakter des Geschreis zu zerstreuen.

Obst-Udo ist extrem gestresst

Schließlich könne die Publicity den Ober-Marktschreier bis in Stefan Raabs "TV Total" bringen. Außerdem schenke er dem Gesamtsieger am Ende der Saison eine dreiwöchige Fernreise. Die scheint vor allem Obst-Udo gebrauchen zu können. Der Ostfriese wirkt extrem gestresst und kann sich über alles und jeden aufregen, vor allem über seine "Alte" an der Waterkant und über Kuchen-Uli, der nebenan versucht, mit sächsischem Charme italienischen Panettone an den Mann zu bringen. Kein leichtes Unterfangen bei wenig weihnachtlichen 20 Grad.

Am Preis von fünf Euro für zwei Stück liegt es eher nicht. Denn die Preise, die die Marktschreier ausrufen, sind durchaus günstig. Echte Schnäppchen, wie es die Lautstärke der Offerten vermuten lässt, sind die riesigen Obstkörbe, Käse-Eimer und Fisch-Pakete dennoch nicht. Für zehn bis 15 Euro ließen sich beim Discounter noch größere Tüten füllen. Aber mit einem Einkaufszettel kommt ja auch niemand zu den Marktschreiern. Wie groß die Tüten wirklich sind, was alles drin ist, was einem davon schmeckt und was nicht, und warum sie ihren Wocheneinkauf ausgerechnet bei schreienden Männern gemacht haben, fragen sich die meisten Käufer ohnehin erst zu Hause. Die Karawane ist derweil längst weitergezogen.

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