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Apple-Zulieferer bestätigt sein Skandal-Image

Erst eine Selbstmordserie, jetzt eine Massenschlägerei: Der Wirbel um den chinesischen Apple-Zulieferer Foxconn hält an. Im Werk Taiyuan sollen auch Teile des iPhone 5 hergestellt werden.

Von Claudia Wanner, Hongkong

  Am Sonntagabend ist in einer Foxconn-Fabrik in Taiyuan ein Streit unter Arbeitern eskaliert

Am Sonntagabend ist in einer Foxconn-Fabrik in Taiyuan ein Streit unter Arbeitern eskaliert

Apple gerät durch die neuen Turbulenzen bei seinem wichtigen taiwanesischen Zulieferer Foxconn in Erklärungsnot. Auch wenn viele Details der Massenschlägerei in dem Foxconn-Werk in Taiyuan noch unklar sind, deuten chinesische Meldungen darauf hin, dass die Arbeitsbedingungen der Auslöser waren. Der Produzent der Apple-Geräte war bereits 2010 ins Blickfeld geraten, nachdem sich eine Reihe junger Arbeiter in einem Werk in Shenzhen das Leben genommen hatten. Foxconn hatte sich in der Folge zu deutlichen Lohnerhöhungen gezwungen gesehen und die Produktion auf eine Reihe neuer, kleinerer Werke verteilt.

Der Apple-Zulieferer hatte nach einer Schlägerei am frühen Montagmorgen in einem Wohnheim auf dem Werksgelände die Fabrik in der zentralen Povinz Shanxi geschlossen. Dort sollen unter anderem Teile des Korpus des neuen iPhone 5 hergestellt werden. Ein Foxconn-Sprecher wollte allerdings nicht bestätigen, ob das Werk wirklich an dem neuen Apple-Smartphone beteiligt ist.

Nach Berichten in chinesischen Online-Medien, den Twitter-ähnlichen Weibos, hat sich die Auseinandersetzung am Streit mit einem Aufseher entzündet. Foxconn selbst teilte mit, der Auslöser werde noch untersucht. Gut 2000 Personen sollen in den Zusammenstoß verwickelt gewesen sein. Rund 40 Arbeiter wurden verletzt in Krankenhäuser der Stadt eingeliefert, einige Angestellte wurden festgenommen. Der Foxconn-Sprecher bestätigte, dass das Werk mit 79.000 Arbeitern zunächst geschlossen bleibt, um der Polizei die Ermittlungen zu erleichtern. "Wir wollen den Arbeitern Zeit geben, sich zu beruhigen", sagte er.

Studenten werden zu Zwangspraktika verdonnert

"Die verlorene Produktion kann mit Überstunden wieder aufgeholt werden", sagte Vincent Chen, Analyst bei Yuanta Financial in Taipei, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Extra-Arbeitszeit könnte indes das Problem verschärfen. In den vergangenen Wochen häuften sich Berichte, dass Foxconn und die Hon-Hai-Schwestergesellschaften arge Probleme haben, genug Arbeiter für die Produktion des neuen iPhones anzuheuern. Chinesische Zeitungen berichteten über Studenten von mindestens fünf technischen Hochschulen, die zu Hunderten zu Zwangspraktika in Foxconn-Werke gebracht worden seien, um dort in Zwölf-Stunden-Schichten zu arbeiten. Zwei unabhängige Arbeitsschutzorganisationen haben die Berichte bestätigt.

Hon Hai stellt einige Komponenten für das neueste Apple-Smartphone her, das seit vergangener Woche im Handel ist, und baut die Geräte zusammen. Die Analysten von HSBC schätzen, dass allein im vierten Quartal 40 Millionen Geräte von den Taiwanesen produziert werden müssen. Zusätzlich arbeitet der 1976 gegründete weltgrößte Auftragsfertiger mit rund einer Million Arbeitern in der Volksrepublik für eine Vielzahl anderer namhafter Elektronikhersteller, produziert Smartphones und Laptops, Server und Spielekonsolen. Zu den Kunden gehören auch Hewlett-Packard, Dell, Nintendo und Microsoft.

Zerschlagene Fenster, großes Polizeiaufgebot

In chinesischen sozialen Netzwerken zirkulieren Photos und Videoaufnahmen aus der Fabrik in Taiyuan. Ihre Authenität ist nicht bestätigt. Sie zeigen zerschlagene Fenster, ein großes Polizeiaufgebot und eine große Anzahl Arbeiter in der Dunkelheit. Viele der Veröffentlichungen wurden rasch zensiert und verschwanden wieder.

Beobachter weisen darauf hin, dass Chinas Arbeiter zunehmend bereit sind, für ihre Rechte zu kämpfen. Sollten exzessive Überstunden oder unfaire Behandlungen der Auslöser für den Streit gewesen sein, könnte Foxconn erneut zu Lohnerhöhungen gezwungen sein. In der Fabrik in Taiyuan war es bereits im Frühling wegen eines Streits um Gehälter zu einem Streik gekommen. Im Juni hatten rund 100 Arbeiter in einer Fabrik in Chengdu randaliert und gegen die Arbeitsbedingungen protestiert.

Lesen Sie auch bei unserem Partner macwelt.de - Foxconn dementiert Todefälle bei Unruhen.

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