Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Die Zwei-Marken-Strategie

Media Markt und Saturn treten nach außen als aggressive Wettbewerber auf. Am besten soll niemand merken, dass die Umsätze in eine einzige Kasse fließen.

Über Jahre besaß Köln zwei Pilgerstätten: den Dom und Saturn am Hansaring. 1961 hatte das Ehepaar Anni und Fritz Waffenschmidt den Elektromarkt in Köln gegründet und zur weltweit größten Schaubühne für Hi-Fi und Platten ausgebaut. 1984 übernahm Kaufhof das Unternehmen, 1990 erwarb wiederum Media Markt die Saturn-Kaufhofgruppe. 1996 sicherte sich Metro mit 70 Prozent die Führung in der jungen Media-Saturn-Holding. Die Waffenschmidts leben heute als Rentner in Florida. Fritz hat sich auf dem Kölner Melatenfriedhof schon jetzt ein Denkmal mit Büste setzen lassen - damit niemand sein Lebenswerk vergisst.

Der ewige Dank

des Media-Saturn-Holding-Chefs ist ihm bereits sicher. Leopold Stiefel nutzt die rote ("Ich bin doch nicht blöd!") und blaue Marke ("Geiz ist geil") für eine ausgeklügelte Zwei-Marken-Strategie: Media Markt und Saturn treten nach außen als aggressive Wettbewerber auf. Am besten soll niemand merken, dass die Umsätze in eine einzige Kasse fließen. Die Zentrale in Ingolstadt sorgt dafür, dass sich die Marktführer nicht kannibalisieren. Das beginnt beim Einkauf: Den Bedarf an Computern, Fernsehern, Hi-Fi-Anlagen oder Tonträgern bestellen die Ladenchefs für ihre Filiale zwar selbst. Doch Rahmenverträge werden in Ingolstadt ausgehandelt, Key-Produkte zentral bestellt - und zwar für Media Markt und Saturn gemeinsam in ganz Europa . Außerdem sorgt die Zentrale für Gebietsschutz. Früher positionierte sich Saturn eher in Innenstädten und Media Markt in Randgebieten, heute gilt diese Unterscheidung nicht mehr.

Ist ein neuer Markt geplant, wird der Standort zunächst mit Hilfe der "Regio Cash Analyse" durchleuchtet. Wo kaufen die Menschen der Region ein? Würde womöglich eine andere Filiale unter dem Neuling leiden? Dafür fragen die Kassierer in bestehenden Märkten laufend die Postleitzahlen der Käufer ab. Strategen bilden die Kundenwege farblich in der Landkarte ab. So entsteht ein Expansionsplan: Rot kennzeichnet einen hohen Sättigungsgrad durch Media Markt, blau durch Saturn, dann geht es stufenlos weiter bis hin zu hellrot, hellblau - oder weiß. Nur lila sollte möglichst kein Flecken sein.

Manchmal schickt Stiefel

beide Ketten in denselben Ring, um Rivalen fernzuhalten. Zum Beispiel in Köln, wo pro Jahr rund sechs Millionen Touristen mit einer Menge Geld in der Tasche den Dom besuchen. In dessen Nähe buhlen heute eine Saturn-Niederlassung und ein Media Markt um die heimische und fremde Kundschaft. Und beide leben prima davon.

Rolf-Herbert Peters; Mitarbeit: Stefanie Hadding/print
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools