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Der König der Traumschiffe

Der Chef des Kreuzfahrtunternehmens Carnival, Micky Arison, ist Partylöwe und Eigentümer des Basketballklubs Miami Heat. Nach dem Unglück seiner "Costa Concordia" muss er sich mit ernsten Problemen beschäftigen.

  Gegen den Umsatzknick nach dem 11. September 2001 konnte Micky Arison ansparen. Nun ist sein Geschick bei der Imagerettung gefragt

Gegen den Umsatzknick nach dem 11. September 2001 konnte Micky Arison ansparen. Nun ist sein Geschick bei der Imagerettung gefragt

Als Micky Arison im Alter von gerade mal 30 Jahren das Kommando bei Carnival übernahm, war er vor allem eines: der Sohn des großen Ted. Sein Vater, der einst die Carnival Corporation gegründet hatte, gilt bis heute als Pionier der modernen Kreuzfahrt.

32 Jahre später hat sich Micky aus dem Schatten seines Vaters befreit. Seine Carnival Corporation ist mittlerweile der größte Kreuzfahrtkonzern der Welt, Micky selbst ist mehrfacher Milliardär und nebenbei Eigentümer des Basketballklubs Miami Heat. Äußerst gepflegt, stets perfekt gekleidet und frisiert zeigt sich Arison in der Öffentlichkeit. Selbstbewusst und überlegen, ein Grandseigneur, der auch ohne große Worte keinen Zweifel daran lässt, wer hier der König der Kreuzfahrer ist.

Der Ruf seines Imperiums steht auf dem Spiel

Seine Partys mit den Schönen und Reichen in Miami sind legendär - doch seit Samstag dürfte ihm die Feierlaune vergangen sein. Die Havarie der "Costa Concordia" bedroht die Geschäftsaussichten für 2012. Von seinem Anwesen in Bel Harbour bei Miami verfolgt Arison den Untergang seines Schiffes vor Italien. Er muss mit ansehen, wie es auch die Carnival-Aktie mit in die Tiefe reißt. 2,5 Prozent verlor sie allein bis am Montagabend. Sein Kapitän sitzt seit Samstag in Untersuchungshaft, seine Besatzung hat bei der Rettung der Passagiere versagt, der Ruf seines Imperiums steht auf dem Spiel. Zwar ist die italienische Reederei Costa nur eine von zehn Töchtern des Carnival-Konzerns. Aber am Ende bleibt alles an Arison hängen.

Seit der Übernahme des großen Rivalen P&O 2003 dominiert Carnival endgültig das weltweite Kreuzfahrtgeschäft. Als Pate der Industrie ist es nun an Arison, die bedrohte Reputation der Branche zu retten. Damals, als die wohlhabende Kundschaft nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf einen Schlag ausblieb, hatte Arison einfach die Preise gesenkt. Und weiter gesenkt - und immer weiter, bis all seine Schiffe wieder ausgebucht waren. Eine Woche Urlaub auf einem Traumschiff wurde plötzlich auch für gewöhnliche Pauschaltouristen erschwinglich.

Arison, der schon zuvor alles getan hatte, um die Kosten zu drücken, gab den Befehl zum gnadenlosen Sparen. Da Carnival aus steuerlichen Gründen offiziell in Panama sitzt, braucht Arison seine Besatzungen nicht nach amerikanischem Arbeitsrecht einzustellen und zu bezahlen. Doch das allein reichte nicht mehr aus.

Der Streit um Shampoo in den Kabinen

Legendär ist die Entscheidung, die Waschräume der Kabinen nicht mehr mit Shampoo und Duschgel auszustatten - und damit jährlich 2 Millionen Dollar einzusparen. Passagiere, die sich trotzdem die Haare waschen wollten, wurden natürlich an Bord bedient: gegen Bezahlung. Mittlerweile ist das Shampoo bei Carnival wieder inklusive. Procter & Gamble hatte sich nach harten Verhandlungen bereit erklärt, Arison kostenlos zu beliefern.

So lange hart zu verhandeln, bis man alles bekommt, was man will, hat der Studienabbrecher von seinem Vater gelernt. Der hatte 1948 im israelischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft und war danach nach Amerika ausgewandert. In den 60er-Jahren gründete er mit einem Partner die Reederei Norwegian Caribbean Cruises und studierte parallel an der Universität von Miami. Nach einem Streit mit seinem Partner gab Arison die Anteile an der Firma ab, kaufte ein Schiff und gründete 1972 Carnival Cruise Lines. Nachdem er die Führung an Micky übergeben hatte, kehrte Ted Arison nach Israel zurück, wo er 1999 starb.

Seine Tochter, Mickys Schwester Shari, lebt dort ebenfalls. Als Eigentümerin der einst staatlichen Bank Hapoalim, die ihr Vater 1997 gekauft hatte, wurde sie 2010 von der "Jerusalem Post" zur reichsten Frau im Nahen Osten gekürt. Auch Micky hat einen festen Platz auf der Liste der reichsten US-Bürger - sein Vermögen allerdings dürfte nun ebenfalls sinken.

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