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Geht's ohne Gates?

Wenn der Microsoft-Gründer 2008 ausscheidet, hinterlässt er ein Riesenproblem: Das Erfolgsmodell des Software-Giganten ist in Gefahr - trotz zehn Milliarden Euro Jahresgewinn. Gates' Nachfolger wollen - und müssen - den Riesen neu erfinden

Von Karsten Lemm und Thomas Borchert

  • Karsten Lemm

Er tritt ab. Bill Gates, der Gründer von Microsoft. Der Vordenker, das Aushängeschild. Nächstes Jahr ist er weg. Der reichste Mann der Welt will sich ganz darauf konzentrieren, den größten Teil seines Milliardenvermögens für wohltätige Zwecke wegzugeben. In Afrika finanziert er den Kampf gegen Malaria, in den USA die Renovierung des Bildungssystems. Die Fußstapfen, die er hinterlässt, sind so groß, dass gleich zwei Leute hineintreten sollen: Craig Mundie, zuständig für Forschung und Firmenstrategie, und Ray Ozzie, der oberste Software-Entwickler.

Und eigentlich sieht es so aus, als hätten die zwei einen leichten Job. Als hätte Übervater Gates sein Erbe gut bestellt. Gerade sind die zwei großen Säulen des Microsoft-Imperiums grunderneuert worden: Das Betriebssystem Windows, das 92 Prozent aller Personal Computer auf der Welt antreibt, ist vor sechs Wochen in der neuen Version Vista erschienen, und das Paket Office, dessen Textverarbeitung, Tabellensoftware und Mailprogramm in fast allen Büros dieser Welt läuft, gibt es nun als Office 2007. Kaum etwas steht auf der Computermesse Cebit in Hannover in diesen Tagen so im Vordergrund wie diese zwei Neuerscheinungen: Das gesamte Ökosystem an Firmen, das sich um den PC und damit um Microsoft herum entwickelt hat, präsentiert die passenden Geräte und Programme.

Experten warnen

Alles sieht gut aus. Und dennoch lautet das Urteil vieler Experten ganz anders: Das Erfolgsmodell des Riesen sei in größter Gefahr, warnen sie. Wolle die Firma in Zukunft bestehen, müsse sie sich neu erfinden. "Microsoft kämpft darum, seine Bedeutung nicht zu verlieren", sagt etwa der Zukunftsforscher und Stanford-Professor Paul Saffo. Klingt verwunderlich, ist es aber nur auf den ersten Blick. Zwar erwirtschaftet Microsoft immer noch 10 Milliarden Euro Gewinn pro Jahr bei 34 Milliarden Euro Umsatz. Doch diese Zahlen haben einen gewaltigen Haken: Fast 90 Prozent seines Gewinns verdient Microsoft mit nur zwei Produkten - Windows und Office. Seit Bill Gates und sein Schulfreund Paul Allen das Unternehmen 1975 gründeten, ist das Geschäftsmodell ganz auf den Siegeszug des PC ausgerichtet - es gab nur eine Vision: "Wir wollten dafür sorgen, dass eines Tages auf jedem Schreibtisch und in jeder Wohnung ein PC steht", erinnert sich Nathan Myhrvold, Microsofts langjähriger Chefingenieur. "Und das haben wir geschafft."

Doch der PC ist dabei, seine Stellung als Alleinherrscher im digitalen Reich zu verlieren - und zwar womöglich schneller, als ein Software-Riese mit 70.00 Angestellten darauf reagieren kann. Mobiltelefone verschicken E-Mails, Spielekonsolen surfen im Internet, Stereoanlagen spielen Onlineradio. Ob dahinter Microsofts Windows steckt, ist den Nutzern egal, solange die Geräte tun, was sie sollen. Und sie sollen vor allem eines: online sein. Das Internet wird zum zentralen Verbindungsglied. Kleine Firmen haben sich schnell an diese neue Situation angepasst, der Software-Gigant hängt hinterher. "Bill Gates weiß, dass Microsoft sich ändern muss", sagt Paul Saffo, "aber im Herzen hängt er immer noch an der Vorstellung, dass Betriebssysteme wirklich wichtig sind." So konzentrierten sich Tausende von Programmierern fünf Jahre lang darauf, das neue Windows Vista zu entwickeln - eine Herkulesarbeit, die mehr als fünf Milliarden Euro verschlang und den Blick der Firma davon ablenkte, dass sich im Internet eine Revolution vollzog. Wieder einmal: Schon Anfang der 90er Jahre verschlief Microsoft das World Wide Web; die Firmenstrategie wurde erst im letzten Moment von Bill Gates in einem Kraftakt gedreht.

Doch diesmal ist Gates auf dem Weg nach draußen, und die Revolution fängt gerade erst an. Aus dem statischen WWW ist das Mitmachnetz geworden, und eine neue Generation von jungen, agilen Dot-com-Firmen führt vor, wie sich mit Onlinediensten richtig viel Geld verdienen lässt. Ob die Videothek Youtube, das Bilderalbum Flickr oder die Teenie-Gemeinde Myspace - sie alle funktionieren nach dem Prinzip, möglichst viele Nutzer zu gewinnen, denen man Anzeigen vorsetzen kann. Dieser Werbemarkt wächst um 20 bis 30 Prozent im Jahr. "Die meisten bei Microsoft verschwenden kaum Gedanken an das Internet", sagt Robert Scoble, bis vor Kurzem selbst ein hochrangiger Manager in Redmond "man hat sie ja eingestellt, um Windows und Office zu entwickeln."

Neue Technik erlaubt es außerdem, mit Internetprogrammen zu arbeiten, als wären sie auf dem eigenen PC installiert: Plötzlich sieht die E-Mail im Internetbrowser so aus wie Outlook - Menüs und Ordner klappen auf, Dokumente lassen sich mit der Maus verschieben. Viele andere Onlineanwendungen funktionieren genauso dynamisch: Kalender, Textverarbeitungen, Datenbanken. Im Grunde alles, was bisher die Spezialität von Microsofts Office war. Nur muss man viel weniger zahlen: manchmal eine geringe Abo-Gebühr, meistens aber gar nichts, weil die Dienste durch Werbung finanziert werden. "Software als Service", heißt das: Die Programme liegen im Internet und nicht auf dem Schreibtischrechner. Sie werden nicht teuer gekauft, sondern gemietet, wenn man sie gerade braucht.

Sicher, das alles funktioniert nur mit einem schnellen Internetanschluss, man muss ständig online bleiben und sich mit Grundfunktionen begnügen. Einschränkungen, die Microsoft-Manager Brian Arbogast abwiegeln lassen. "Kostenlose Programme können einfach nicht mithalten", sagt er, "deshalb haben die meisten Leute kein Interesse an ihnen." Doch gerade Firmen, Hauptkunden von Office, zeigen sich für das Konzept der Mietsoftware aufgeschlossen. Und so ist es genau dieser Hochmut, das Festhalten an einer Mammutsoftware im schmucken Karton, die sich die Kunden willig für teures Geld kaufen, um dann doch nur einen winzigen Teil der vielen Funktionen zu nutzen, was die Zweifler an Microsofts Zukunftsfähigkeit bestätigt.

Hinzu kommt die Konkurrenz durch kostenlose Open-Source-Software, die von Programmierteams weltweit zum Wohle der Allgemeinheit entwickelt wird - zum Beispiel die Büro-Software Open Office oder der Firefox-Browser, der Microsofts Internet Explorer Nutzer abjagt und mittlerweile fast 14 Prozent Marktanteil hat. "Die Art, wie Software hergestellt und verkauft wird, verändert sich radikal", sagt Paul Kedrosky, Finanzexperte von der Universität San Diego. "Microsoft steht vor einer gigantischen Herausforderung." Die sollen nun Craig Mundie und Ray Ozzie, gemeinsam mit dem alten Gates-Weggefährten und Vorstandschef Steve Ballmer, bewältigen. Sie müssen eine Antwort finden auf die Sinnfrage, die sich Microsoft, dem Platzhirschen der PC-Ära, stellt: Wer will ich sein, wo soll ich hin in dieser schönen neuen, digitalen Welt?

Ozzie als neue Leitfigur

Vor allem auf Ozzie richten sich dabei die Blicke. Viele sehen in dem 51-Jährigen einen Visionär, weil er schon in den 80er Jahren Büro-Software entwickelte, die wie für das Internet geschaffen schien. Er soll Gates' Rolle als Vordenker und Leitfigur übernehmen. "Ray ist einer der größten Programmierer, die je gelebt haben", schwärmt der ehemalige Chefingenieur Myhrvold, "und er weiß, wie man Leute führt." Es ist Management der sanften Art: Ozzie mischt sich gern unters Volk, hört zu, pflegt keine Allüren. Microsofts stiller Star weiß, dass er im Internet eine Aufholjagd vor sich hat. Nur dem E-Mail-Service Hotmail und dem Portal MSN ist es gelungen, sich unter den führenden Onlinemarken zu etablieren. Vieles andere hinkt hinterher. Vergleichbares zu Myspace oder Flickr fehlt ganz, anderes - wie der Youtube-Konkurrent Soapbox - kommt spät.

"Alles, was wir tun, sollte sich im Internet wiederfinden", fordert Ozzie jetzt. Den Anfang machen Windows Live und Office Live - "Software als Service"-Dienste, die Microsofts Flaggschiffe im Internet ergänzen sollen. Ein Element davon ist der Routenplaner Virtual Earth, der zeigt, wie rasch der Koloss an seinen Konkurrenten vorbeiziehen kann, wenn er erst einmal beschleunigt. Wie sein Vorbild Google Earth erlaubt es das Programm, der Welt aufs Dach zu schauen. Doch Microsofts Luftbilder, die aus dem Flugzeug aufgenommen wurden, zeigen viele Städte deutlich detailreicher als die üblichen Satellitenfotos. Ein Beleg dafür, dass falsch liegt, wer Microsoft mit seinen 31 Jahren zum alten Eisen zählt. "Die Prügel, die wir in der Öffentlichkeit beziehen, sind völlig ungerechtfertigt", klagt ein Manager. "Die Stimmung hier ist so energiegeladen wie bei tausend Startup-Firmen zusammen!"

Tatsächlich schwärmt Microsoft in viele neue Richtungen aus: Immer öfter steckt in Handys das Betriebssystem Windows Mobile; die Spielekonsole Xbox 360 bringt digitale Unterhaltung ins Wohnzimmer, der neue MP3-Player Zune macht unterwegs Musik. Auch in Autos steckt Microsoft-Technik: Ford will ein System anbieten, das schlau genug ist, um SMS-Nachrichten vom Handy vorzulesen. All das ist Teil einer neuen Vision - der Vision vom vernetzten Leben, in dem alles immer einfach da ist: Adressen, Telefonnummern, Texte, Musik, Videos, Computerspiele. Egal wann, egal wo.

Unglaubliche Geldreserven

Dabei hat Microsoft einen Trumpf in der Hand, der es jedem noch so innovativen Jungunternehmen fast unmöglich macht, gegen den Branchenriesen anzukommen: unglaublich viel Geld. Allein 26 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln soll Microsoft auf den Konten liegen haben. Folglich können die Manager damit leben, dass neue Produkte erst mal floppen, dass sie Millionen Dollar verbrennen und kein Kunde Interesse hat. Microsoft hat den längsten Atem von allen. Eines der jüngsten Beispiele: der MP3-Musikplayer Zune, Microsofts sehr späte Antwort auf Apples iPod. Mögen Kritiker auch zetern, den Musikspieler zu benutzen sei "ungefähr so angenehm, wie einen explodierenden Airbag ins Gesicht zu bekommen" - die Erfinder kratzt das nicht. "Keiner hat erwartet, dass Millionen Leute über Nacht ihre iPods wegwerfen", sagt Peter Moore, Leiter der zuständigen Abteilung Interactive Entertainment. "Das Projekt "Zune" ist auf Jahre angelegt."

Denn irgendwann, so Moores Hoffnung, kann aus dem Zune noch ein Hit wie die Xbox 360 werden: Die jüngste Version der Spielekonsole hat sich unverhofft zum Vorzeige-Erfolg in Sachen Internet entwickelt - dank der gelungenen Integration des Onlinedienstes Xbox Live, der es Fans erlaubt, im Netz gegen andere Xbox-pieler anzutreten, Tipps auszutauschen, Freunde zu finden. Rund sechs Millionen Mitglieder zählt der Service schon. "Das macht uns zur größten Onlinegemeinde der Welt", freut sich Moore.

Plötzlich wieder cool

Und noch etwas vielleicht viel Wichtigeres hat Microsoft mit der Xbox geschafft: Der Konzern ist cool geworden. "Früher dachten die jungen Leute beim Stichwort Microsoft an eine riesige Firma, die etwas mit Arbeit und Hausaufgaben zu tun hat", sagt Moore. Jetzt aber stehe Microsoft für Spaß, Freizeit, Geselligkeit. "Wir haben das Image komplett umgekrempelt und eine Marke geschaffen, die Zukunft hat." Das hat sechs lange, teure Jahre gedauert: 2001 kam die erste Xbox heraus, als Platzhirsch Sony unbesiegbar erschien. Und es kostet noch immer Geld: Niemand glaubt, dass Microsoft mit der Xbox seit Erscheinen auch nur einen Cent Gewinn gemacht hat. Brachial und mit Durchhaltevermögen - so könnte der PC-Dinosaurier Microsoft Erfolg in einer Zukunft ohne Personal Computer haben. Auf jeden Fall aber muss es ohne Gates gehen.

Mitarbeit: Dirk Liedtke/print

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